04.07.2018 - 20:54 Uhr
Oberpfalz

Immer weniger kleine Bauernhöfe in Bayern

Der kleine Bauernhof in der Nachbarschaft wird in Bayern immer mehr zur Ausnahme. Auf dem Markt halten sich insbesondere Großbetriebe. Die meisten Bauern haben inzwischen einen weiteren Job. Die Ministerin meint, das bringe auch Vorteile.

Bei der Heuernte
von Jürgen UmlauftProfil

Das Höfesterben in Bayern hat sich verlangsamt, allerdings nimmt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe vor allem in den traditionellen Größenklassen von 10 bis 50 Hektar Nutzfläche ab. Das geht aus dem Agrarbericht 2018 hervor, den Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber im Landtag vorlegte.

Im Berichtszeitraum von 2015 bis 2017 sank die Zahl der Bauernhöfe in Bayern um knapp 2500 auf 106.718 (minus 2,3 Prozent). Bei den Betrieben zwischen 10 und 50 Hektar lag das Minus bei mehr als fünf Prozent. Vor allem Milchvieh- und Schweinehalter schlossen ihre Betriebe. Deutliche Zuwächse gab es nur bei den großen Höfen über 100 Hektar. Dort betrug das Plus 7,2 Prozent auf 5219.

In der Oberpfalz vollzog sich der Strukturwandel noch langsamer als im gesamtbayerischen Durchschnitt. Hier sank die Zahl der Betriebe nur um 1,8 Prozent auf 13 404. Den geringsten Rückgang verzeichnete der Landkreis Tirschenreuth mit einem Minus von nur 0,3 Prozent. Höher waren die Werte in den Landkreisen Neustadt/WN (minus 1,4 Prozent), Amberg-Sulzbach (minus 1,7) und Schwandorf (minus 2,5). Ein durchschnittlicher Oberpfälzer Bauernhof verfügte 2017 über eine Nutzfläche von 29,9 Hektar. Das entspricht in etwa dem gesamtbayerischen Wert. 6,5 Prozent der Fläche wurden ökologisch bewirtschaftet. 2016 verkauften die Oberpfälzer Landwirte Produkte im Wert von 778 Millionen Euro. Den mit 43 Prozent größten Anteil daran hatte der Verkauf von Milch.

Die Einkommenssituation der bayerischen Landwirte hat sich im vergangenen Wirtschaftsjahr deutlich verbessert. Bei den Haupterwerbsbetrieben stieg der Durchschnittsgewinn um 31,7 Prozent 52 605 Euro. Hauptursachen waren die Preissprünge bei Milch und Schweinen nach den vorangegangenen Tiefstständen. Wie schon in den Vorjahren kam etwa die Hälfte des Gewinns aus staatlichen Zuschüssen und Prämien. Die höchsten Gewinne machten die Großbetriebe ab 60 Hektar mit durchschnittlich 70 500 Euro, bei kleineren Betrieben bis 30 Hektar lag der Gewinn im Mittel bei nur 35 000 Euro. Von der insgesamt positiven Entwicklung nicht profitieren konnten die Nebenerwerbsbauern. Ihr durchschnittliches Gesamteinkommen sank um 10,9 Prozent auf 38 584 Euro.

Kaniber erklärte, die Zahlen belegten die Krisenfestigkeit der bayerischen Landwirtschaft und den Erfolg bayerischer Agrarpolitik. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte im Freistaat zu sichern, müsse beim Verbraucher noch stärker für den Kauf hochwertiger Lebensmittel aus heimischer Produktion geworben werden. Zudem bräuchten die Bauern Planungssicherheit bei Tierschutz- und Umweltauflagen sowie bei der Agrarförderung.



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