14.04.2019 - 21:39 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Impfpflicht als Schutz vor aggressiven Impfgegnern

Die Masern-Erkrankungen steigen mitunter drastisch an. Obwohl Impfungen helfen, stagniert die Impfquote. Viele Menschen werden im Netz verunsichert. Deswegen muss der Staat mit einer Impfpflicht eingreifen, kommentiert Julian Trager.

Ein Impfbuch mit markierten Feldern für Polio und Masern.
von Julian Trager Kontakt Profil
Kommentar

Impfungen sind gut, sie retten Leben, gehören zu den größten Erfolgen der Medizin. Die Pocken sind dadurch ausgerottet worden. Die Masern, hochansteckend und in seltenen Fällen ebenfalls tödlich, wurden durch die kleinen Piekser extrem zurückgedrängt - aber eben nicht ausgelöscht.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt für das vergangene Jahr einen rasanten Anstieg an Masern-Ansteckungen in Europa, dreimal so viele wie im Jahr zuvor. 72 Menschen seien europaweit an Masern gestorben. Auch in Deutschland tritt die Krankheit wieder häufiger auf. Der Grund? Die wachsende Zahl der Impfgegner, so die WHO. Diese sind auch hierzulande ein Gefahr. Je lauter die Rufe nach der Impflicht werden, desto aggressiver agieren die Verschwörungstheoretiker. Ihre gestreuten Falschinfomationen verunsichern die Bevölkerung.

Darin liegt das Problem, weshalb man nicht (mehr) pauschal sagen kann, dass jeder seine eigene Impfentscheidung treffen soll. Viele Menschen werden im Netz eben gezielt in die Irre geführt - so weit, bis sie das Vertrauen ins Impfen verlieren. Von daher ist ein staatlicher Zwang sinnvoll. Denn Impfungen sind sicher, Masern aber gefährlich.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Es ist richtig! Leider findet sich heutzutage zu jeder noch so abwegigen Meinung im Handumdrehen eine Bestätigung. Deswegen sind die vertrauenswürdigen Medien - wie Der Neue Tag - gefordert, dem entgegen zu treten - wie zum Beispiel mit so einem Kommentar. Damit ist es aber nicht getan. Leider befinden sich genau 32 Seiten hinter diesem Kommentar in derselben Ausgabe zwei halbe Seiten mit Anzeigen von Anbietern von pseudomedizinischen Verfahren abseits der richtigen Medizin. Dazu gesellen sich regelmäßig Ankündigungen und Berichte zu fragwürdigen Veranstaltungen, die teilweise sogar noch das Wort "heilen" im Text haben, ohne dass diese kritisch beleuchtet werden. Beispielsweise angebliches "Heilen durch Handauflegen" letzte Woche. Solche Berichte in seriösen Medien säen jedoch Zweifel an den Erkenntnissen der Medizin und suggerieren, dass es auch noch etwas "anderes" als die "Schulmedizin" (ein abwertendes Wort für richtige Medizin, das Pseudomedizin als Alternative darstellen soll) gibt. Das wiederum ist aber auch der Boden, auf dem die Saat der Impfgegner aufblüht. Etwas mehr Sensibilität bei solchen Themen gerade in den Lokalredaktionen wäre hier hilfreich. Vielleicht eine Art "Disclaimer" zu jedem solchen Artikel in der Art: "In diesem Artikel geht es um eine nicht nachgewiesene Heilmethode, die keinen Eingang in den medidzinischen Kanon gefunden hat und eine medizinische Handlung nicht ersetzen kann!" ;-)

15.04.2019