27.01.2020 - 12:25 Uhr
IrchenriethOberpfalz

Inklusion nicht ohne Mittel

Wenn Helmut Dörfler die vier Buchstaben „BTHG“ hört, kriegt er einen dicken Hals. Warum das so ist, erläutert der HPZ-Vorstandsvorsitzende der schulpolitischen Sprecherin der „Grünen“ im Landtag, Anna Tomann.

Rektorin Petra Rothmund erläutert der Grünen-Abgeordneten Anna Tomann (stehend von rechts) das Unterrichtssystem und die Fördermöglichkeiten.
von Ernst FrischholzProfil

Die Abgeordnete aus Bärnau, seit Herbst 2018 im Landtag, hat sich nach eigener Aussage auf die „schulpolitische Inklusion“ in ihrer politischen Arbeit spezifiziert. "Wir haben eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe im Landtag", erläutert Tomann. Dafür sucht sie den „Input“ aus der Praxis und das ist für sie ohne Frage das Heilpädagogische Zentrum (HPZ). Grundsätzlich interessierte sie sich für die Inklusion in der Schule und die Kooperation mit Regelschulen sowie das Wohnen.

Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) ist die Vorgabe, die landauf und landab nun ausstrahle. "Sie haben die Hoheit über dieses Gesetz und wir versuchen daraus unsere Botschaften zu entnehmen", sagte Dörfler. Teilhabe sei für die Mitarbeiter am HPZ schon immer „die“ Überschrift gewesen. Dörfler weiter: "Die Botschaft aus dem BTHG ist für uns nicht immer nachvollziehbar, weil sich Grenzen auftun." Hierzu lautete seine zentrale Aussage: Inklusion nach dem BTHG kann es nicht ohne zusätzliche Mittel geben. "Wer das glaubt, ist schlichtweg ahnungslos."

Mit beim Gespräch waren die beiden Stellvertretenden Vorsitzenden Brigitte Kraus und Claudia Prommersberger, der Aufsichtsratsvorsitzende Johann Bock und die Rektorin der Schule, Petra Rothmund. Bock stellte fest, dass es für das HPZ im Bereich „Kinder“ eine so schlechte Förderung gebe, wie in keinem anderen Bereich. Prommersberger brachte als Beispiel, dass mehr Selbstständigkeit mehr Betreuung braucht. Das alleinige Wohnen eines Menschen mit Behinderung kann eine "Eins zu eins"-Betreuung mit sich bringen.

Rektorin Rothmund sprach die gut funktionierende Kooperation mit der Hans-Schelter-Schule (Grundschule) in Rothenstadt und der Haupt- und Mittelschule in Pirk an. Die funktioniere hervorragend, aber keine der beiden Partnerschulen sei barrierefrei. Steigende Schülerzahlen an den Regelschulen würden einen steigenden Druck bedeuten, Kinder an Förderschulen abzugeben. Die Schülerzahl an der Förderschule würde laut Rothmund auch zunehmen, weil Eltern erkennen, dass hier ein „Pool an Wissen“ vor Ort ist, der an der Volksschule nicht gegeben ist. Hier wird eine Leistung geboten, die an Regelschulen nicht möglich ist. "Wer meint, dass jede Leistung überall anzubieten ist, der hat für mich keine Ahnung", stellte Dörfler fest.

"In unserer AG weiß man, dass an Regelschulen die Lehrkräfte überfordert sind", versicherte Tomann fest. Daher gehe es die Vorstellung von multiprofessionellen Teams an den Schulen. Keinesfalls sollten Parallelstrukturen aufgebaut werden. Der Dreh- und Angelpunkt sei aber immer die Finanzierung, für die dann keiner zuständig sein wolle. Hier waren sich Tomann und Dörfler einig: Inklusion funktioniert nicht ohne Mittel.

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