13.08.2020 - 10:43 Uhr
IrchenriethOberpfalz

Unterlagen aufgetaucht: Dach der Barbarakirche Irchenrieth schon 1958 desolat

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Pfarrer Alfons Forster hat es geahnt. Dach und Gewölbe der St.-Barbara-Kirche in Irchenrieth haben in der Vergangenheit schon öfter Probleme bereitet. Verschollen geglaubte Sanierungsunterlagen aus den 1950er Jahren belegen es.

Architekt Roland Pflaum und Pfarrer Alfons Forster begutachten die Schäden am Deckengewölbe. Der Kostenrahmen für die Sanierung ist mittlerweile genehmigt. Die Zusage der Diözese über die Höhe eines Zuschusses steht noch aus.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Die vergangenen Monate, in denen das Coronavirus auch die Aktivitäten in der Pfarrei ausbremste, nutzte Pfarrer Alfons Forster, um im Pfarrhaus einmal gründlich aufzuräumen. "Es sammelt sich ja doch einiges an in all den Jahren. Darunter auch viele Aktenordner, in die schon lange niemand mehr geschaut hat." Umso mehr staunte er, als er beim Stöbern auf Unterlagen von der letzten größeren Sanierung von St. Barbara im Jahr 1958 stieß. "Das sind genau die Schriftstücke, nach denen wir schon gesucht haben. Sie dokumentieren die Probleme rund um das Kirchendach."

Mit Begeisterung vertiefte sich der Seelsorger in den Ordner und wollte auch die Pfarrmitglieder daran teilhaben lassen. Im Juli-Pfarrbrief fasste er die Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte zusammen. "Mit jedem Fundstück steig' ich tiefer in die Kirchengeschichte ein", sagt Forster schmunzelnd. Im Schriftverkehr zwischen dem damaligen Pfarrer Johann Knarr und der Diözese werde deutlich, mit welchen baulichen Problemen das Gotteshaus schon in den 50er Jahren zu kämpfen hatte. Im Folgenden die Auszüge aus den gefundenen Unterlagen:

1958 faule Balken entdeckt

Pfarrer Johann Knarr schrieb am 6. Oktober 1958: "Am 2. Juni des Jahres meldete der Pfarrkirchenrat in Michldorf-Irchenrieth, dass die Nebenkirche in Irchenrieth baufällig ist und die Reparatur derselben dringend notwendig ist, denn die Kirchendecke hat sich gesenkt und es kann wegen Lebensgefahr kein Gottesdienst mehr gehalten werden. Mittlerweile (am 2. 10.) hat das Kreisbauamt aus Neustadt die Kirche gründlich geprüft und einen Kostenvoranschlag von 35 000 D-Mark zusammengestellt. Der Befund lautet: Die Holzträger, an denen die Decke hängt, sind an der Nordseite angefault und müssen durch Eisenträger gestützt werden und durch "Schlaudern" (Anm. d. Red., Wenn Mauern nicht stark genug sind, um den Schub aus den Deckengewölben aufzunehmen, werden Schlaudern aus Eisen oder Holz als Zuganker eingesetzt, um zwei gegenüberliegende Mauern zu verbinden.) hochgezogen werden. Ursache war das schlechte Dach.

Daher muss vor dem Winter das Turm- und Kirchendach neu gedeckt werden, ebenso das Sakristeidach, die Decke befestigt und die Außenmauer und die Sakristei vollendet werden. Das ist der erste Bauabschnitt. Der kostet 14 741 DM. Wir haben in der Pfarrgemeinde 5659 DM zusammengebracht und 2000 DM vom bischöflischen Ordinariat in Regensburg erhalten. Somit bleibt im ersten Bauabschnitt noch ein Fehlbetrag von 7082 DM. Der zweite Bauabschnitt soll im kommenden Frühjahr beginnen. Er umfasst die Kirchenmalerarbeiten, die Kirchenbänke und Pflaster und kostet laut Voranschlag 20 259 DM.

Weitere Sanierung 1959

Und am 11. November 1959 schrieb Pfarrer Johann Knarr an den Erzbischof Michael Buchberger: "Endlich geht die Instandsetzung der Filialkirche in Irchenrieth ihrem Ende entgegen. Am 6. Dezember möchte die Bevölkerung den ersten Gottesdienst haben, vorausgesetzt dass uns der Kirchenmaler nicht im Stiche lässt. 1724 wurde die Kirche von Grund auf neu gebaut, nachdem sie wegen Baufälligkeit abgebrochen war. Seit dieser Zeit ist nicht viel Wesentliches gemacht worden. Sie musste daher innen und außen von der Turmspitze bis zum Pflaster renoviert werden: die Dächer, die Fenster, das Mauerwerk, die Altäre, das Pflaster und die Kirchenbänke. Dazu gab die bischöfliche Finanzkammer 4000 DM, der Staat 9000 DM und an Eigenleistungen gab es 7000 DM. Dieser Betrag von 20 000 DM wird ausreichen."

1980: Putz platzt ab

Im Jahre 1979 erfolgte eine notwendige Außenrenovierung mit einem Kostenaufwand von 112 000 DM. 1980 löste sich im linken hinteren Gewölbe, nahe der Empore, ein einige Quadratmeter großes Putzstück mit Rahmenprofilen und stürzte zu Boden. Die Kosten für die Instandsetzung: 57 966 DM.

Dacharbeiten ab 1990

Zu Beginn der 1990er Jahre erfolgten weitere Sanierungsarbeiten am Dach der Kirche. Das Tragwerk wies im Bereich der Mauerschwellen und Deckenauflager erhebliche Schäden auf. Die Schäden resultierten im Wesentlichen aus dem Befall von pflanzlichen und tierischen Schädlingen. Dadurch wurde durch den Abbau von Zellstoffen die Festigkeit des Holzes weitgehend zerstört. Die Sanierungsarbeiten waren sehr umfangreich und kostspielig. Die Kosten dafür beliefen sich auf 333 000 DM. Die dritte Glocke kam hinzu, außerdem die Elektrifizierung des Geläutes.

Über 60 Jahre später ist es Pfarrer Forster, der mit den Kosten für die Sanierung des Deckengewölbes hadert. Wie mehrmals berichtet, stürzte 2018 ein großes Putzstück herab. Seit zwei Jahren ist die Kirche (1724 erbaut) gesperrt. Die Planungen für eine Sanierung ziehen sich hin. Architekt Roland Pflaum, Irchenrieth, habe nach den aufwendigen Voruntersuchungen die Kosten ermittelt und der Kirchenverwaltung vorgelegt. "Diese wurden zwischenzeitlich zusammen mit den vorgeschlagenen Maßnahmen genehmigt", sagt der Pfarrer auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

"Es dauert noch"

"Das bischöfliche Baureferat prüft nun die Unterlagen. Anschließend wird in der bischöflichen Finanzkammer über die Höhe des Zuschusses seitens der Diözese entschieden." Erst dann könne man sagen, welche Baumaßnahmen durchgeführt werden können.

Pfarrer Forster muss sich also weiter in Geduld üben. "Bis wir einen endgültigen Bescheid und die stiftungsaufsichtliche Genehmigung bekommen, werden Wochen vergehen."

Diözese hat das letzte Wort

Irchenrieth
Das Gerüst steht seit mittlerweile zwei Jahren in der Barbarakirche.

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