20.03.2019 - 12:46 Uhr
Kaibitz bei KemnathOberpfalz

„Lemon Chicken“ von Bauer Willi

Mit seinem neuen Programm "Braucht´s des?" gastierte Nachwuchskabarettist Michael Herold in der Schlossschänke und begeisterte rund 100 Zuschauer. Weitere Auftritte werden noch folgen.

von Redaktion ONETZProfil

Nass und windig ist es in Kaibitz. Doch davon lassen sich die rund 100 Gäste nicht aufhalten. Bereits eine Stunde vor Beginn strömen sie herein und sichern sich die besten Plätze. Der Geräuschpegel steigt, je näher es auf 19 Uhr zugeht.

Kurz vorher betritt Michael Herold die Bühne - und nimmt erst einmal auf seinem "Thron" auf der ausgeleuchteten Bühne Platz. "Ich hoff ihr sehgt´s wos - ich seh nämlich nix", begrüßt der vom Scheinwerferlicht geblendete Kemnather sein Publikum.´Der 46-Jährige philosophiert über sein Erzieherdasein kommt dabei auf die englischen Übersetzung "Hepuller" daher. Erziehen sei männlich und habe etwas mit "ziehen" zu tun, bloß "wou soll ma dou ziehen?", leitete er aus "He" und "Puller" ab.

Lustige Kinobesuche und abenteuerliche Skiausflüge

Etwas kritisch greift er das Thema Kindererziehung auf, das dem gelernten Erzieher besonders am Herzen liegt. Ihn stört, dass die Jugend zunehmend "nur noch aufs Handy starrt" und es bei manchen Eltern gänzlich die Kinderbetreuung ersetze. Von lustigen Kinobesuchen und abenteuerlichen Skiausflügen mit seinen Schützlingen erzählt er weiter, und hat dabei natürlich einige Lacher in petto. Aufs Korn nimmt der Kabarettist auch die Vegetarier und Veganer, die ihm immer häufiger bei seinen beruflichen Fortbildungen begegnen. Spannend werde es da beim Mittagessen, vor allem wenn er einem Veganer die Frage stelle, ob dieser auch fleischfressende Pflanzen essen dürfe. Weiter geht es mit Geschichten über seinen Kumpel, dem "Ökobauer Willi" und ihm. Von einem ganz speziellen "Erntedankfest" ist die Rede, bevor er die Gäste in eine Pause verabschiedet.

Selbst ernannter "Schneckenforscher"

Weiter geht es mit einer feuchtfröhlichen Story vom Oktoberfest in München. Mit seinem Freund Willi sei er im Bierzelt mit vier Asiatinnen am Tisch gesessen. Recht lustig sei es zugegangen. Besonders das "Lemon Chicken", eine ganz spezielle Delikatesse à la Bauer Willi, das die asiatischen Besucherinnen verspeisten, sorgt beim Publikum für Gelächter. Auch melden sich regelmäßig Stimmen aus dem Zuschauersaal, die der Kabarettist gekonnt in seine Performance einbaut - und noch mehr Lacher provoziert.

Persönlicher wird es, als Herold von seiner Jugend erzählt. Schon immer sei er von der Natur fasziniert gewesen, und so kam es, dass Willi und er beinahe einen sächsischen Besucher vergiftet hätten, als sich dieser an der Naab erfrischen wollte.

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Kemnath

Auch von seinem Lieblingstier, der "Weinbierschnecke", die er als selbst ernannter "Schneckenforscher" entdeckt habe, war die Rede. Zum Abschluss kam noch einmal Bauer Willi ins Spiel. Mit einer Anekdote über eine Einkaufstour, bei der auch die Schnecke eine wichtige Rolle spielt, kann Herold dem Publikum noch einmal ordentlich Lacher entlocken.

Mit einem Dank verabschiedet sich der Kemnather unter Beifall von den Gästen. "Zugabe" wird gerufen und ein BH fliegt auf die Bühne. "Zieh ihn an", schreit ein Zuschauer. Die Zugabe dreht sich um Sprichwörter, und davon, wie er als selbsternannter "Chaot" mit ebensolchem umgeht.

Hintergrund:

Auftritte eine Art Therapie

Seine „Ideen sprudeln“, verrät Michael Herold nach seinem Auftritt im Gespräch. Mit der „Uraufführung“ seines zweiten Programms „Braucht´s des“ sei er zufrieden, auch wenn er an einigen Stellen noch etwas unsicher gewesen sei. „Die Selbstsicherheit kommt nach und nach“, erklärt er.

Und er verrät, dass er bereits an einem neuen Programm tüftelt. Sein großer Traum sei es, eines Tages nur noch Comedy zu machen. Bis es soweit ist, möchte er mit seinem Debüt-Programm „Derf ma des?“ weitere Zuschauer für Oberpfälzer Kabarett begeistern – denn das sei etwas Individuelles in der Region. Den Nachfolger „Braucht´s des?“, der noch in den Kinderschuhen stecke, möchte er „erst mal setzen lassen“, weiter entwickeln und Teile davon in sein kommendes Projekt einbauen.

Dass Herold mit seinem Kabarett einen Nerv trifft, bestätigt die hohe Nachfrage, denn die Karten seien ruckzuck ausverkauft gewesen, erzählt seine Frau Susanne. Sie war es, die den Auftritt in der Schlossschänke organisiert hat. Sie ist es laut Herold auch, die ihm Feedback gebe und wieder „runterholt“, wenn er zu kritisch mit sich selbst sei. Denn um sich ständig weiterzuentwickeln, zeichnet der Künstler seine Auftritte auf Video auf, um sie zu analysieren. „So kann ich sehen, wie meine Körpersprache war und was ich noch verbessern muss“, erklärt er. Auch die Darbietungen von seinem Idol Gerhard Polt, der ihn sowohl in schauspielerischer als auch in sprachlicher Hinsicht fasziniere, seien eine Inspiration für seine eigenen Auftritte.

„Kabarett darf alles“, hier sei er „sein eigener Chef“. Wenn er auf der Bühne stehe, sei er ein „anderer Mensch“ – und es hat für ihn sogar eine „therapeutische Wirkung“. Er freue sich auf seine Auftritte, die ihm „unheimlich viel Spaß“ machen.

Doch auch sein Publikum hatte viel Vergnügen an seinen Geschichten: „Es war ein super Abend, hoffentlich sehen wir dich bald wieder“, sagt einer der Besucher Herold zum Abschied.

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