09.09.2019 - 16:11 Uhr
Kaibitz bei KemnathOberpfalz

Mühle mit Malkunst aufgewertet

Farben, Bilder und Geschichten im Denkmal Kunstmühle bildeten den idealen Rahmen zum Tag des offenen Denkmals

von Arnold KochProfil

Die Kulturfreunde Kaibitz zeichneten sich für diese farbenfrohe und wissenswerte Veranstaltung zum Tag des offenen Denkmals im historischen Mühlengebäude zwischen Transmission, Elevatoren und Walzenstühlen verantwortlich. Vereinsvorsitzender und Eigentümer des Schlossgutes Ely Eibisch hieß zahlreiche Gäste in der original erhaltenen Kunstmühle am Sonntagnachmittag willkommen. „Wir haben unsere 1962 stillgelegte Kunstmühle heute mit Malkunst aufgewertet“, freute sich Eibisch. Die Mühle ist mit ihrer ursprünglichen Einrichtung voll erhalten und gibt einen Einblick über die Getreideverarbeitung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Dieser wurde begleitet von der 2014 entstandenen Bildreihe zu Geschichten und Gegebenheiten rund um das Schlossgut und den Ort Kaibitz.

Ely Eibisch: Im Jahr 1885 erwarb die Familie Eibisch den Gutshof. Er wurde mit zwei Gütern in Sachsen eingetauscht. Er umfasst heute rund 90 Hektar mit Teichen, Werksbach, Eigenjagd und der heutigen Schlossschänke. Das Schloss selbst wurde 1918 an eine Familie Sauer verkauft und im Zuge der Zeit saniert und später vom bekannten Schriftsteller Erich Ebermeier erworben. Hier entstand das bekannte Filmwerk „Die Mädels vom Imhof“. Jetzt ist es im Besitz einer Münchener Familie.

Ein „Hammer“ in Kaibitz wurde erstmals 1387 urkundlich erwähnt. Der bis heute bestehende Wassergraben zum Antrieb eines Wasserrades am Ham¬merwerk ist wohl im 15. Jahrhundert gebaut worden.

Nahezu 300 Jahre lang betrieb man in Kaibitz ein Eisen verarbeitendes Hammerwerk, bis der 30-jährige Krieg dem blühenden Eisengewerbe in der Oberpfalz ein jähes Ende brachte.

1689 erfolgte für einige Zeit eine Wiederbelebung der Eisenverarbeitung in Form eines Schleif- und Bohrwerkes für die Handfeuerwaffenproduktion, die in Kem¬nath/Fortschau ihren Hauptsitz hatte. Ab 1710 produzierte in Kaibitz für etwa 160 Jahre eine Papiermühle zeitweise 360.000 Blatt Schreibpapier und 500.000 Seiten Druckpapier im Jahr, der eine Glas- und Spiegelschleiferei im alten Hammerwerksgebäude folgte. 1882 erwarb Karl Friedrich Eibisch neben dem Schloss auch das Schlossgut mit allen Ökonomiegebäuden und der ehemaligen Glasschleif. 1927 baute der Großvater des heutigen Eigentümers Ely Eibisch das alte Hammerwerksgebäu¬de zu einer Getreidemühle um. So erhielt der anliefernde Landwirt ein Drittel des gewonnenen Weißmehls als Entgelt. Bis 1962 war diese Mühle in Betrieb. Auch heute noch treibt das Wasser des Hammergrabens einen Stromgenerator an.

Die Verbindung Denkmaltag und Kunst hat bei den Kulturfreunden bereits Tradition. Die Anregung von Helene Eibisch unterstützt von Susanne Vonhoff und den Künstlerinnen der Gruppe MALWAS bildete 2014 die Initialzündung für das erneut heute gezeigte Kunstprojekt. Darüber und den Geschichten im Hintergrund erzählte Helene Eibisch.

Hinterlegt mit farbig passenden Stoffbannern zeigten die Kunstwerke den Weg vor grauer Urzeit in die Moderne. Die einzelnen Ensembles führten den Besucher hinein in die Geschichte des „Sitzes“ Kaibitz von 14. bis zum 20. Jahrhundert. Mit den Exponaten zwischen Mahlstein und Elevator erzählte sie Geschichten vom Hammerwerk bis zum Mühlgraben, eine Liebesepisode und Skandal in der Reformationszeit, der Kurzbesuch des literarischen Nachlasses von Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann bis hin zur ersten Radioübertragung im Ort. Sommerliche Badefreuden am Hammerweiher und das dortige Holzkreuz gehörten ebenso dazu wie das Bild vom Großbrand in 1843, den Diebstahl von Ross und Harnisch, Details eines Mordes im Jahr 1922 und die Geschichte der Kaibitzer Kapelle.

Helene Eibisch erzählte:

Die erste Radioübertragung in Kaibitz:

„Radio München“ auf Sendung….

Im Jahre 1922 gab es weit und breit noch keine Radiogeräte. Auch die Kaibitzer hatten zwar davon gehört, aber so recht vorstellen konnte sich niemand, wie Musik aus dem Äther in die Stuben kommen sollte.

An einem Sonntagabend wurde zur ersten öffentlichen Vorführung in den Saal im ersten Stock des Brauhauses eingeladen. Bis hinunter in den Flur standen die Inte¬ressierten aus der Umgebung, um diesem Ereignis beizuwohnen.

Eine Blechkapelle befand sich im Saal und spielte einen Tusch, als ein riesiger, schwerer Kasten in den Saal getragen werden sollte. Es entstand eine Verzögerung, da man gezwungen war, den Türstock mit der Zustimmung des Wirtes heraus zu stemmen.

Als das Gerät endlich mitten im Saal stand, traten der Ingenieur Mergenhagen und sein Schwager Ely I Eibisch vor, stellten die Verbindung zur bereits installierten Dachantenne her und schalteten das Gerät ein.

Es leuchteten rote Lampen auf und eine Stimme ertönte: „ 19.50 Uhr, es spricht Radio München“. Wunderbare Musik, die Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“, erklang.

Alle Besucher waren hingerissen und lauschten dem folgenden Violinsolo. In den Pausen schmetterte die Blechkapelle im Saal. Der Ingenieur bediente immer wieder den Apparat, und alle Übertragungen klappten.

Lautes Lob wurde ausgesprochen und man war allgemein überzeugt, dass nun auch in Kaibitz die moderne Zeit angebrochen war.

Nach vier Stunden schleppten sechs Mann das Gerät in den Nebenraum. Dort kletterte der total verschwitzte Schwarz Sepp (mit Hausnamen Fuchs genannt), den seine Frau im Saal laut lamentierend vermisst hatte, aus dem Kasten und das Grammophon mit dem großen Schalltrichter wurde herausgehoben. Niemand im Saal hatte den Schwindel entdeckt!

Erst Monate später äußerte sich ein Kaibitzer, der während der Vorführung ganz nah am „gefährlichen“ Stromnetz des Apparates gestanden hatte: „ Hab` doch gleich gedacht, dass der „Fuchs“ im Bau ist und ein Grammophon ging!“

Sommerliche Badefreuden im Kaibitzer Hammerweiher

Es ist bekannt, dass der große Hammerweiher schon viele zum Baden einlud. So verführte vor einigen Jahren ein herrlich warmer Sonnentag zwei Grazien aus Kaibitz und Kemnath, hüllenlos im ruhig da liegenden großen Hammerweiher ba¬den zu gehen.

Die beiden schwammen genussvoll weit draußen im Hammerweiher, man ahnte die weißen Körper im Wasser, als hinter dem Ufergebüsch ein knatterndes Klein-motorrad auftauchte, und der Fahrer verwundert und lange Zeit den Frauen beim Baden zusah.

Die Stimmung erinnerte an das Bad, das die griechische Göttin Aphrodite mit ihrer Begleiterin einst im Meer vor Zypern genommen haben soll. War es Adonis, war es Ares, war es Hephaistos, der Ehemann der Aphrodite, der sich von diesem Anblick nicht trennen konnte?

Brandstiftung in Kaibitz?

Am 3. Januar 1843 brach in Kaibitz Feuer aus. Es wurden die herrschaftliche Ochsenstallung, der Brau- und Getreidestadl, sowie die herrschaftliche „Fass-Schupfe“ und zwei Häuser von Taglöhnern vernichtet. Kleinere Schäden gab es auch am Schloss und an der Papiermühle. Der Versicherungsschaden wurde auf 14 579 Gulden berechnet.

Das Protokoll erwähnte ausdrücklich die „Herzensgüte“ des Schlossbesitzers, Frei-herr von Künsberg, dass alle abgebrannten Hintersassen augenblicklich freie Un¬terkunft in herrschaftlichen Gebäuden haben sollten.

Der Häusler Paulus Nussstein sollte der Brandstifter sein, weil er dem Schlossherrn gebeichtet hatte, bereits öfters daran gedacht zu haben, die Papiermühle anzuzün¬den. Man fand zwar unter einem Dach ein Strohbüschel, aber Nussstein und seine Frau konnten nicht eindeutig der Tat überführt werden. Beide Personen behielt man aber unter polizeilicher Aufsicht.

Weiterhin verwarnte man den 72 jährigen Johann Mentner aus dem Nachbardorf, der den Brand in Kaibitz vorhergesagt hatte und mit Prophezeiungen zu weiteren Unglücksfällen die Gemüter einschüchterte. Die Polizei musste zusätzlich einige Diebstähle untersuchen, die während der Löscharbeiten erfolgt sein sollen.

Das Holzkreuz am Kaibitzer Hammerweiher

Seit alters her führt ein Verbindungsweg von Kaibitz nach Höflas am großen Ham-merweiher vorbei. Unter dem grünen Blätterdach alter Eichen steht ein großes Holzkreuz mit dem Bild des gekreuzigten Christus und darunter Maria.

Die Überlieferung sagt, dass der frühere Gutsbesitzer Franz von Künsberg (1842-1890) zum Gedenken an seine, an dieser Stelle tödlich verunglückten Frau, ein Holz¬kreuz errichten ließ. Sie machte eine Kutschenausfahrt, als die Pferde scheuten und die Kutsche um¬stürzte. Das alte Kreuz war im Laufe der Jahre verfallen und die Figuren verschwunden. 1984 wurde das jetzige Kreuz im Rahmen einer Spendenaktion an alter Stelle wie¬der errichtet. Die Bildfiguren stammen von einem alten Wolframshofer Kreuz. Sie wurden durch Freifrau Christa von Lindenfels aus Wolframshof restauriert.

Als Malerinnen beteiligten sich Dr. Harriet Schmid zum Thema Vorzeit, Elham Howeizi (Schlossgeschichte), Manuela Schelzke (Hammergraben), Dr. Uta Wigger (Liebe in der Reanissance), Susanne Vonhoff (Nachlass Gerhart Hauptmann), Amanda Moeller (Erste Radioübertragung), Renate Grosser (Zwei Grazien), Maria Wende (Brand), Katharina Hage (Diebstahl), Edit Peter (Unfall), Waltraud Müller (Mord) und Ina Memmel (Kapelle Kaibitz) mit je einem Kunstwerk an der Ausstellung.

Helene Eibisch freute sich, dass dieses Gesamtkunstwerk ihr zur Aufbewahrung überlassen wurde und damit ein Teil Kaibitzer Geschichte ist.

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