09.09.2021 - 14:35 Uhr
Kaibitz bei KemnathOberpfalz

Schlossherr des oberpfälzischen "Immenhofs": Erich Ebermayer in Kaibitz

Die Kulturfreunde Kaibitz beteiligen sich mit dem Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreis Kemnath (HAK) am Tag des Denkmals. Dazu bereiten sie drei Informationsangebote zur Historie des Schlossgutes Kaibitz vor.

Um das Schlossgut Kaibitz und den Schriftsteller und Drehbuchautor Erich Ebermayer dreht sich das Programm zum Tag des Denkmals am kommenden Sonntag.
von Arnold KochProfil

Der Schriftsteller und Schlossherr Erich Ebermayer, 100 Jahre Kunstmühle Kaibitz sowie 200 Jahre Brauhaus Kaibitz lauten die Themen am Samstag, 11. September, ab 17 Uhr sowie am Sonntag, 12. September, von 14 bis 18 Uhr. Diese Veranstaltung der Kulturfreunde Kaibitz und des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises Kemnath (HAK) wird von Robert Schön (HAK) und Helene Eibisch (Kulturfreunde) begleitet. Die Eröffnung übernehmen die Schlossbläser Kaibitz am Samstag um 18 Uhr.

Die Ausstellung zur alten Kunstmühle des Schlossgutes Kaibitz, die 1921/1922 in Betrieb gegangen ist, findet in den Originalräumen statt. Die danebenliegende Schlossschänke wurde vor 200 Jahren als Brauerei errichtet. Am Sonntag gibt es im dortigen Keller Kaffee und Kuchen.

Schlossherr des oberpfälzischen „Immenhofs“: Erich Ebermayer in Kaibitz

Erich Ebermayer gehört zur Geschichte von Kaibitz, wie auch dessen Drehbuch zum Filmdreiteiler über das „Gut Immenhof“. Ebermayer war Eigentümer des Kaibitzer Schlosses. Dort versteckte er während des Zweiten Weltkrieges Werke von Gerhard Hauptmann, mit dem er befreundet war.

Ebermayer wurde am 14. September 1900 als Sohn des Reichsgerichtsrats und Oberreichsanwalts Ludwig Ebermayer und Angelika Ebermayer, geborene Bouhler und Tante von Hitlers späterem Reichsleiter Philipp Bouhler, in Bamberg geboren. Seine Vorfahren waren fränkische Juristen und Geistliche; ein Zweig der Familie ist seit 1585 in Nürnberg nachweisbar.

Nach dem Abitur 1919 studierte er Jura in Leipzig, München und Heidelberg. Er promovierte mit 22 Jahren und war mit 23 Jahren bereits Anwalt.

Mit „Kaspar Hauser“ erster Erfolg

Neben seinem Beruf als Strafverteidiger war er als Schriftsteller tätig. Er verkehrte in den Kreisen um Klaus Mann und Ernst Toller, war befreundet mit Stefan Zweig und ließ sich stark von der „Lebenslehre“ Johannes Müllers, des Herrn von Schloss Elmau, beeinflussen. 1927 hatte er seinen ersten Bühnenerfolg mit dem Schauspiel „Kaspar Hauser“, das an den Hamburger Kammerspielen mit Gustaf Gründgens in der Titelrolle aufgeführt wurde. Mit dem Roman über Landerziehungsheime „Kampf um Odilienberg“ (1929), in dem er seine Freundschaft mit dem Reformpädagogen Gustav Wyneken verarbeitete, wurde er auch im Ausland bekannt. Es folgten der Nachkriegsroman „Jürgen Ried“ und das Schauspiel „Professor Unrat“, frei nach Heinrich Mann. Lustspiele wie „So Bargeld lacht und Sonne für Renate“, gingen über viele Bühnen des In- und Auslands. Diese Stücke ohne literarischen Tiefgang zeigen seine Begabung für Konstruktion, Tempo und das Setzen von Pointen, die ihm später als Drehbuchautor zugutekam.

Ebermayer geriet als Homosexueller zwischen die ideologischen Fronten. Er lehnte das Regime ab und war zum Teil heftigen Angriffen ausgesetzt; doch seine Vettern Philipp Bouhler, Chef der Kanzlei des Führers, und Fritz Todt, Reichsminister und Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, konnten ihn wiederholt schützen. Andererseits spielte er geschickt mit den verschiedenen Strömungen im Dritten Reich: Goebbels und Göring waren für ihn, Rosenberg und Streicher gegen ihn. Er ging auch Risiken ein: Jahrelang beschäftigte er seine jüdische Sekretärin Emilie Heymann, half ihr mit falschen Papieren zum Untertauchen und wurde daraufhin von der Gestapo verhört.

Bis zum Kriegsausbruch genoss er den Lebensstil eines wohlhabenden Intellektuellen, unternahm alljährlich große Reisen, besuchte Thomas Mann in dessen Exil in der Schweiz und Gerhart Hauptmann in Rapallo. Als ihm im Sommer 1939 Görings Bankier van der Heyde den baldigen Kriegsausbruch verriet, suchte er sich ein Refugium auf dem Land und erstand das marode Schloss Kaibitz, das er mit viel Mühe und Kosten renovierte und im August 1939 bezog. Seine Villa in Berlin-Grunewald hatte er geschlossen. Der Krieg unterbrach seine Filmarbeiten nicht; allerdings wurden die Produktionen von Berlin mehr und mehr in die Studios nach Prag ausgelagert, wohin er immer wieder reisen musste.

Liebesbriefe ins Lagerfeuer

Kurz vor Kriegsende tauchten in Kaibitz Militärlastwagen auf: Sie brachten Gerhart Hauptmanns umfangreiches Archiv, das vor den anrückenden Russen aus Schlesien in Sicherheit gebracht wurde. Kurz darauf besetzten die Amerikaner das Schloss und plünderten einen Teil des Archivs. Mit Hauptmanns Liebesbriefen an seine erste Frau schürten sie ein Lagerfeuer. Der Rest konnte gerettet werden.

Als kurz darauf sein Jugendfreund Klaus Mann, nun als Korrespondent der Soldatenzeitung The Stars and Stripes, im nahegelegenen Oberwarmensteinach Winifred Wagner interviewte, lud ihn Ebermayer zu sich aufs Schloss ein. Aber Klaus Mann lehnte ab.

In der Nachkriegszeit betonte Ebermayer die Schwierigkeiten, die das Regime ihm zweifellos gemacht hatte, und verschwieg die Versuche seiner Anpassung. Dieses Selbstbild zeichnete er in seinen Tagebüchern: 1958 war die Vergangenheit soweit vergessen und verdrängt, dass er sie neu definieren konnte. Im Juni 1945 – nach einem kurzen Zwischenspiel als Bürgermeister von Kaibitz – wurde er auf Ersuchen der Besatzungsmacht wieder Anwalt und trat als Verteidiger in einigen Entnazifizierungsprozessen auf, so in den Fällen Emmy Göring und Winifred Wagner.

Erich Ebermayer schrieb unter anderem die Drehbücher für Filme wie „Canaris“, „Die Mädels vom Immenhof“ und den großen Zarah-Leander-Film „Der blaue Nachtfalter“. Der Sammelband „Sie waren unschuldig“ befasste sich mit „Fehlurteilen im Namen der Gerechtigkeit“.

Zahlreiche seiner Bücher erschienen in Neuauflage, neue Romane entstanden, die zum Teil als Serien in Illustrierten erschienen. Er schrieb Biografien über Magda Goebbels, Emmy Göring und Oscar Wilde. 1951 erschien zur Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele „Magisches Bayreuth“. Mit deren Leiterin Winifred Wagner, die von ihren Söhnen „entmachtet“ worden war, verband ihn bis zu seinem Tod am 22. September 1970 in Terracina eine Seelenfreundschaft.

In Erbendorf kann die Lorettokapelle besichtigt werden

Erbendorf
Besichtigt werden kann auch die Alte Kunstmühle.
Die Schlossschänke war früher ein Brauhaus.

 

 

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