Fasching in Kaltenbrunn: In guten wie in schlechten Zeiten

Selbst in schweren Zeiten wurde in Kaltenbrunn Fasching gefeiert. Das geht aus der Ortschronik hervor. Es sind Erinnerungen an die Fasnacht nach dem Ersten Weltkrieg, während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit bis heute.

Ein großes Ereignis im Markt war der erste Faschingszug 1938. Archivbild: bk
von Siegfried BockProfil

Über die Zeit von 1935 bis 1938 hat Erika Beck in ihrem Buch „Das Leben einer Marktgemeinschaft“ festgehalten: „Die Fastnacht ist für die Jugend voll froher Ausgelassenheit. Nur an diesem Tag werden außer der Kirchweih Kücheln gebacken. Die Kinder bitten mit folgendem Liedchen, dass die Mutter auch welche bäckt: „Lustig ist die Fasenacht, wenn mei Mutta Köichla bacht; wenn`s owa koine bacht, dann pfeif` i auf die Fasenacht.“

Der Höhepunkt des Tages aber sind die „Maschkera“: Kinder und Jugendliche ziehen in närrischer Verkleidung durch den Markt. Die Hauptfigur des Zuges bildet der „Bär“, den man auf allen größeren Plätzen unter Musikbegleitung tanzen lässt. Für dieses Schauspiel werden Eier und Schmalz gesammelt, neuerdings auch Geld. Die Naturalien muss die Wirtin in einen Eierplatz verwandeln, der von den Beteiligten verzehrt wird. Gerne treibt man auch das „Ausspielen.“ Irgendeine Dummheit oder ein Missgeschick, die ein Kaltenbrunner im vergangenen Jahr geübt hat, wird unter dem Gelächter der Zuschauer humoristisch wiedergegeben.

Groteske Zeremonien

Die Kaltenbrunner feiern die Fastnacht recht ausgiebig, am Sonntag, Montag und Dienstag findet Tanz im Wirtshaus statt. In der folgenden Nacht graben die Burschen die Fastnacht ein. Sie legen Kopf, Schwanz und Gräten eines Herings, dazu alte Bierfilzln und Zigarettenasche in eine Schachtel und versenken das Ganze unter Klagen und grotesken Zeremonien im Wirtsgarten. Das Ende des vergnügten Narrenspiels ist die Geldbeutelwäsche am Aschermittwoch. Man schwenkt den Geldbeutel in einem Zuber oder im Weiher hin und her, zum Zeichen, dass alles verjubelt ist.

Die Fastnachtsstimmung der Kaltenbrunner prägt sich zudem in einigen Redensarten aus. So darf man an Fastnacht nicht flicken, sonst können die Hühner keine Eier mehr legen. Wenn man die Hühner an einer Sperrkette füttert, dann verlegen sie nicht mehr. Die alten Weiber sollen an Fastnacht recht fest tanzen, dann gerät der Flachs. Und schließlich die scherzhafte Entschuldigung für den Alkoholgenuss: "An Fastnacht muss man Schnaps trinken, dann stechen einen im Sommer die Schnacken nicht."

Generation muss Verzicht leisten

Über das Tun und Treiben am 15. Februar 1942 (Faschingssonntag) steht unter anderem in der Chronik: "Überall türmen sich große Schneemassen auf, ein Winter ohne Ende. Die an den Tagen zuvor gekommenen Strafgefangenen mussten sofort zu Schneeschaufeln ausrücken. Besonders schlimm ist es immer in Dürnast und am Schickenhofer Weg. Man kann es kaum mehr fassen, dass es noch vor drei Jahren eine „narrische Zeit“ gegeben hat unter der Regierung von Prinz Albert I. (Albert Dippl). Unsere Generation, ist sie wirklich vom Schicksal berufen, auf alle Verzicht zu leisten, lebenslang zu kämpfen, um Neues zu gebären? In den Jugendjahren bereits brach der Erste Weltkrieg aus, mit 18 wurden wir eingezogen. Der Krieg mit seinem unglücklichen Ende: Leid, Entbehrungen, Not und Gram, Kampf bis zum Ende 1933 und dann ging es weiter. Wenn auch die äußerlichen Bedingungen besser wurden, manches musste beschränkt werden, die gegenseitigen Reibereien, die der Kampf mit sich brachte, die glückliche, gemütliche Stimmung von 1914 konnte nicht erreicht werden. Und nun stehen wir wieder im 3. Kriegsjahr. Hart und ernst wie noch nie. Und doch tragen wir gerne alle Opfer. Groß ist der Leidensweg des Deutschen Volkes. Vielleicht sind wir dazu bestimmt, die Leiden der Zukunft mit auf unsere Schultern zu nehmen. Wie gerne würden wir es tun."

Faschingssonntag, 19. Februar 1944: "Nicht einmal bei den Kindern sieht man eine Maske. Beim „Beckn-Bartl“ gab es gestern Brezn, besonders die Kleinen standen Schlange. Musikmeister Karl Bock muss alles zusammensuchen, was musikalisch war. Ohne Noten wird gespielt, nur dem Gehör nach. Oft sind auch Frauen dabei. Verschiedene Bauern haben einen Strafbefehl über 53 Reichsmark erhalten, weil sie den Verkauf ihrer Ochsen beim Landrat nicht gemeldet haben."

Info:

Schnaps gegen "Schnacken" und andere Redensarten

Die besondere Fastnachtsstimmung der Kaltenbrunner drückte sich einst sogar in einigen Redensarten aus:

  • Zum Fasching darf man nicht flicken, sonst könnten die Hühner keine Eier mehr legen
  • Wenn man die Hühner an einer Sperrkette füttert, würden sie nicht mehr verlegen
  • Die „alten Weiber“ sollten an Fastnacht recht fest tanzen, „dann gerät der Flachs“
  • Und schließlich die scherzhafte Entschuldigung für den Alkoholgenuss: „An Fastnacht muss man Schnaps trinken, dann stechen einen im Sommer die Schnacken nicht.“

Fasching nach dem Krieg

Nach dem Krieg nimmt der Fasching wieder Fahrt auf. „Kaltenbrunner Volksbote“ hieß die ab 1950 erscheinende Zeitung für närrische Einfälle und komische Illustrationen sowie wahre Begebenheiten. Herausgeber: Der Narrenausschuss Chefredakteur: Prinz Karneval, verantwortlich für den Inhalt: Niemand. Die Zeitung kostete 80 Pfennig. „Die Artikel sind Tatsachenberichte und nicht frei erfunden. Sie sind mit dem Namen dessen versehen, der sich dieses Missgeschick zu Schulden kommen hat lassen. Wer hier etwas krumm nimmt, wird vom hohen Gerichtshof verurteilt, nochmal einen Bericht von ihm selbst abzuliefern. Nur die vernünftigen und anständigen Leute stehen in der Zeitung, die anderen haben das Nachsehen. Es soll und darf nicht vorkommen, dass sich Leute monatelang darüber ärgern oder aufhalten, weil sie nicht in der Zeitung erschienen sind. Deshalb im kommenden Jahr etwas Fantasie walten lassen, damit der „Volksbote“ sehr umfangreich wird. Und wenn es von den einzelnen nicht zugegeben wird, so sind es doch immer wieder die braven Nachbarschaftsleute, welche sich dann stark dafür interessieren.“ Die Faschingszeitung wurde im Gemischtwarenladen Bösl mit Matrixdrucker hergestellt. Der Faschingsprinz ritt mit dem Pferd durch den Markt und las vor den Häusern die für die Einwohner dieses Anwesens zugedachte Geschichte vor, die in der Zeitung stand.

Ab 1958 gab es im Wolf`n-Saal sowie beim „Helmreich“ Feuerwehr-, Flüchtlings- und Schützenbälle, später auch SPD- und CSU-Ball, letzteren auch als Wiener-Walzer-Abend. Der Ball des Fußballclubs war früher der vornehme. Die Vorstandschaft saß an einem mit Blumen geschmückten Ehrentisch. Über lange Zeit hielt sich der Feuerwehrball mit auch „Neuesten Nachrichten des Untergrundsenders der Freiwilligen Pflichtfeiawehr“, bei dem auch die örtlichen „Feuchtgrubers“ auftraten und einmal die erneut mit Spannung erwartete Büttenrede ausfiel, weil der „Kaltenbrunner Brunnenfischer“ wegen Übermüdung schon um 22 Uhr im Bett lag.

Um Bratwürste beneidet

Oft waren manche unkenntlich maskiert. Sie holten alle Leute zum Tanzen, meist solche, um zu vertuschen, wer sie sind. Einige verschwanden kurz vor der Demaskierung um 22 Uhr, und niemand wusste, wer sich dahinter verbarg. Die jungen Burschen tranken meist nur zwei Bier, zu mehr reichte es nicht. Wer sich in der Wirtsstube Bratwürste leisten konnte, wurde beneidet. Noch heute schwärmt die ältere Generation von den runden Laugenbrezen, die es bis 1984 vom „Beckn-Bartl“ jeweils im Winter gab. Zu den Bällen wurde stets ein großer Wäschekorb in den Saal gebracht und im Nu verkauft. Und die Mädchen waren glücklich, wenn sie ein Bluna mit Eierlikör trinken durften.

Gerne erinnert man sich an den legendären, von Pfarrer Franz Winklmann 1980 initiierten Pfarrfasching, der 24 Jahre wegen seines abendfüllenden Programms auf hohem Niveau stets Rekordbesuch aufwies. Lustige Auftritte kennzeichneten auch den KAB-Fasching unter Richard Gradl und Inge Bauer sowie die Faschingsgaudi des Frauenkreises. Darüber hinaus gab es neben dem Weiberfasching in allen Wirtshäusern einen Hausfasching. In Dürnast sorgte das Original „Koppmann-Sepp“ bei der KAB stets für Stimmung und Gaudi. Der Kinderfasching, der früher im alten Rathaus, in der Oase-Bar, im Sportheim, Jugendhaus sowie beim „Kurz“ und „Huterer“ über die Bühne ging, wird dank des ökumenischen Familientreffs als einzig verbliebene Veranstaltung im Pfarrheim zelebriert.

2017 hatte die Vereinsgemeinschaft (VGM) mit dem Marktfasching für eine gelungene Wiederbelebung gesorgt. Leider hielt das nur drei Jahre. „Es müssten sich unbedingt mehr Vereine an der Gestaltung beteiligen, wenn es 2022 wieder einen Marktfasching geben soll“ mahnt VGM-Vorsitzender Andreas Malzer. Im Übrigen sei, so Malzer, bei gestiegenen Unkosten sowieso kein Gewinn mehr zu machen, „denn mehr als fünf Euro Eintritt können wir nicht verlangen.“

Die Kostümierten beim Fußballerball 1958. Archivbild: bk Oder: Stimmung und gute Laune beim FC-Ball 1958.
Die Kostümierten beim Fußballerball 1958. Archivbild: bk Oder: Stimmung und gute Laune beim FC-Ball 1958.
Kindergartenfasching 1955 im Alten Rathaus.

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