Ein Haus mit interessanter Geschichte

Eine interessante Geschichte ist mit dem Trötsch-Haus neben der katholischen Pfarrkirche verbunden. Vorbesitzer war der ledige Salzhändler Johann Poß, der 1879 starb. Mehrere Geschwister erbten das Anwesen.

Bis Ende der 50er Jahre stand der Doppeltorbogen vor dem Zweiseithof. Nachdem eine Miste mit Jauchegrube errichtet und der Hof mit Material aufgeschüttet worden war, ging mit dem Heuwagen nichts mehr. Der Abbruch war leider unvermeidbar.
von Siegfried BockProfil

Weil die Häuser damals überwiegend mit Stroh oder Schindeln eingedeckt waren, kam es immer wieder zu Großbränden im Markt. Ursache waren die hölzernen Stallungen, Schuppen und Scheunen, in denen Streu und Brennholz lagerten. Neben der Feuerstelle im Haus wurde im Backofen Brot gebacken, Flachs mit Feuer verarbeitet und in Schmieden mit Glut gearbeitet. Innerhalb von 31 Jahren, zwischen 1756 und 1787, ist jeder Hof einmal abgebrannt, einzelne Häuser sogar mehrmals. Der Markt Kaltenbrunn zählte 1720 genau 95 Anwesen, 1787 waren es bereits 120 Wohnhäuser.

1892 brannte auch das Trötsch-Haus ab. 1900 wurde es erneuert. Im gleichen Jahr hatte es Ludwig Trötsch, (1922 verstorben), erworben. Nachdem die Ehe mit seiner 15 Jahre jüngeren Frau Maria kinderlos blieb, vermachte Trötsch den Zweiseithof dem aus Thansüß stammenden Neffen Heinrich Ermer, verstorben 1965. Ehefrau Emma, verstorben 1975, stammte aus dem „Hausner“-Anwesen gegenüber. Maria Trötsch lebte bis zu ihrem Tod 1964 bei ihrer Schwester Margarete Beyer (Beyer-Boder). Inzwischen bewirtschaftet der dritte Heinrich Ermer mit seiner Familie den landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb. 1965 bauten Heinrich und Berta Ermer, geborene Sparrer, das rechte Wohnhaus neu.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte im linken Trötsch-Haus die allein stehende Bärbel Herbst aus Etzenricht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnten darin die fünfköpfige Flüchtlingsfamilie Erich Skowronek sowie das ebenfalls heimatvertriebene Ehepaar Emanuel und Eva Kohlstrung. 1948 baute Skowronek am Rand der Alten Siedlung und nah am Truppenübungsplatz das Café "Vierjahreszeiten", aus dem dann die legendäre Oase-Bar hervorging. Im Trötsch-Haus waren die monatlich wechselnden Tänzerinnen und Musiker jahrelang untergebracht.

Im Haus gab es weder Wasser noch Toilette, nur eine große Schüssel mit Krug. Das Wasser musste man aus dem Brunnen pumpen. Das Plumpsklo befand sich ebenfalls mitten im Hof. Zum Kochen und Heizen diente ein Holzofen, später ein Kochherd.

Im Frühlingsgewand präsentiert sich das im Dornröschenschlaf versunkene alte Trötsch-Haus. Die Bepflanzung stammt noch von Berta Ermer. Schwiegertochter Irene hat inzwischen die Pflege übernommen.
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