Scheunenfund in Kaltenbrunn weckt Erinnerungen an Kriegsgefangene

Bei Renovierungsarbeiten an einer alten Scheune hat der Erbe des Götz-Anwesens am Marktplatz 6 ein Holzbrett mit der Aufschrift „Kriegsgefangener Gourerre Roger, geschrieben 8. Juni 1943“ gefunden. Es erinnert an dunkle Zeiten.

Diese Tafel erinnert an einen französischen Gefangenen. Sie ist nun bei einer Renovierung wieder aufgetaucht.
von Siegfried BockProfil

Französische und russische Gefangene waren von April bis September 1943 in Kaltenbrunn zum Teil im mit Eisengittern versehenen Hüthaus sowie im Wolf`n-Saal („Posthorn“) untergebracht. Weil die jungen Männer aus dem Ort alle im Krieg waren, bekamen die Bäuerinnen französische Gefangene als Hilfe für Hof-, Stall- und Feldarbeit zugeteilt. In dieser Zeit waren unter Bürgermeister Josef Hörl die Orts- und Flurbereinigung sowie der Wasserleitungsbau im Gang.

Kinder brachten den Gefangenen 5- und 10-Pfennig-Münzen aus Messing, die sie ihnen durch die vergitterten Fenster reichten. Nach einigen Tagen konnten sie dann ihren Fingerring, den sie aus den Münzen geformt hatten, abholen. Dafür bekamen die Gefangenen ein Stück Brot oder anderes Essen. Ebenso schnitzten sie sehr begehrte Vögel aus Holz.

In der Ortschronik steht am 6. April 1943: "Die russischen Offiziere werden jetzt von zwei Posten scharf bewacht. Auf der Baustelle arbeiten zurzeit 40 Mann. Auch der Aufseher, der zugleich Hilfswachmann ist, stolziert mit umgegürtetem, ziemlich großem Revolver umher. Vom Hüttenwerk Weiherhammer holten wir heute die Betonmaschine mit vier Russen ab. In Weiherhammer sind 160 Russen zur Granatenherstellung beschäftigt. 16 Mann stark ist die Bewachung. Zufällig hatten wir einen dabei, der in Weiherhammer ausgerissen ist. Die dortigen Posten hatten nun Angst, der Geflüchtete könnte die Andern auch zum Ausreißen verleiten. Mit einem dichten Kordon umstanden sie uns. Verschmitzt musste ich lachen. Ja, die Gefahr ist groß, wir wissen, dass die Verpflegung gut ist, nur schnell wieder weg, schnell, schnell, so redeten sie aufgeregt auf uns ein. Uns pressierte es langsam. Ein Posten wollte dem Autoführer Karl Speth den Gewehrkolben auf den Schädel schlagen. 20 strafgefangene Russen, lauter starke, gesunde Menschen, arbeiten am Graben an der Schickenhofer Grenze. Bis jetzt haben es die Vorarbeiter noch nicht fertig gebracht, eine tägliche Arbeitsleistung von fünf Kubikmeter pro Mann zu erreichen. Die Russen haben sehr guten Appetit. Sie sind weniger anspruchsvoll und nehmen auch mit Kartoffel vorlieb. Die Sammlung des heutigen Opfersonntags wird von Frauen übernommen. In Mantel ist eine Schulung für die politischen Leiter der Ortsgruppe. Mittags trifft die telegrafische Nachricht ein, dass der Gefreite Georg Krauß gestern verschieden ist."

Am 4. September 1943 schreibt der Marktchronist: "Überall gibt es wieder Flöhe. Auf allen Ecken und Enden, auf allen Straßen und Wegen. Der Wolf`n-Saal und das Franzosenlager sind die Brutstätten. Obwohl die Russen schon 14 Tage weg sind und mehrere Desinfektionsbomben losgelassen wurden, gibt es dort noch Flöhe in Hülle du Fülle. Die Biester bleiben nicht im Saal, sondern hüpfen ins Freie und an die Menschen. Im Franzosenlager werden immer Junge geboren. Die Leute sagen: Durch das kalte und nasse Wetter versuchen die Flöhe ins Trockene zu kommen. Menschen, Weiblein und Männlein, sind für diese Viecher jetzt begehrenswert. Es soll bestimmte Menschen geben, die sich besonders der Gunst der Flöhe erfreuen. Sollte hier die Blutgruppe ausschlaggebend sein?"

Die Onetz-Themenseite zu Kriegsgefangenschaft in der Oberpfalz

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