Seit 25 Jahren von Lärm und Abgasen befreit

Ein erfreulicher Tag jährt sich am 27. Juli zum 25. Mal. Als Innenstaatssekretär Alfred Sauter das neue Teilstück der B 299 Amberg-Grafenwöhr freigibt, steigt in Kaltenbrunn die Wohn- und Lebensqualität sofort spürbar an.

Westlich an Kaltenbrunn vorbei führt die 6,3 Kilometer lange Umgehungsstraße vom Losberg bei Hütten bis Tanzfleck.
von Siegfried BockProfil

Kein Lärm, keine Abgase. „Heute würden wir die Umgehungsstraße wohl nicht mehr bekommen“, sagen viele Kaltenbrunner und verweisen dabei auf die Tanzflecker Nachbarn, die noch immer darauf warten. Der 27. Juli vor 25 Jahren war ein Wendepunkt.

Die Bewohner sind dem damaligen Bürgermeister Georg Härning noch heute dankbar, dass er die Weichen für die Ortsumgehung schon frühzeitig gestellt hat. Das würdigte auch Staatssekretär Sauter. Von der Vorlage des Bauentwurfs im Jahr 1989 bis zum Baubeginn im Oktober 1993 vergingen nur vier Jahre. Die anschließende Bauzeit beschränkte sich auf lediglich 22 Monate.

Das Straßenbauamt favorisierte von der Netzlage her ursprünglich eine Ostumgehung. Diese lehnten nicht nur die Landwirte ab, weil die Flurbereinigung bereits durchgeführt war. Nach ihrem Bestreben sollte die Umgehungsstraße einmal völlig im Truppenübungsplatz bleiben. „Bei einer Ostumgehung sollte man Kaltenbrunn am besten gleich ablösen“, ereiferte sich in einer Bürgerversammlung 1980 SPD-Gemeinderat Willi Reinke. Die Staatsstraße Dürnast-Kaltenbrunn habe keine überörtliche Bedeutung, deshalb sei eine Anbindung weder nötig noch wünschenswert, warf Pfarrer Franz Winklmann ein. Dies trug Härning im Beisein von Landrat Christian Kreuzer unter anderem auch US-Oberst Edward Stein und Direktor Hans-Hermann Schneider vom Straßenbauamt vor. Härnings Wunsch war, dass die Landwirte ihre Flächen behalten können und eine Lösung gefunden wird, mit der alle zufrieden seien.

Stau zeigt Bedeutung der Umgehungsstraße

Die Unfallrate auf der nur 1000 Meter langen, kurvenreichen „Todesallee“ lag zwischen 1983 und 1995 um rund 300 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Seit den 50er Jahren waren über 30 Verkehrstote zu beklagen. Fast um jeden der Lindenbäume hatte sich in der Vergangenheit ein Auto gewickelt. Der schrecklichste Unfall ereignete sich am 8. Oktober 1993, als ein Pkw gegen einen Baum gerast war und alle vier jungen US-Soldaten ums Leben kamen. Ein kleiner 20-minütiger Tornado hatte am 28.Juli 2013 viele Lindenbäume geknickt. Auch wenn es heute keine Panzerkolonnen mehr gibt, die oft auch nachts durch die engen Ortsstraßen donnerten und für erhebliche Immissionen bei den Anliegern sorgten – der Verkehr auf der B 299 von Amberg in Richtung Grafenwöhr, Marktredwitz, Hof hat erheblich zugenommen. Sie ist auch Teil der Verbindungsstraße von den Truppenübungsplätzen Hohenfels und Vilseck nach Grafenwöhr und in hohem Maße Militärverkehr ausgesetzt.

Die Kaltenbrunner genießen jedenfalls seit 25 Jahren die gestiegene Wohn- und Lebensqualität. Ein weitere positiver Effekt: Die Siedlungstätigkeit hat inzwischen auch wieder zugenommen.

In der „Todeskurve“ ereigneten sich die schlimmsten Verkehrsunfälle. Ursache war meist nicht angepasste Geschwindigkeit.
Startschuss vor 25 Jahren:

Die Geistlichen Dominic Naujoks und Heribert Englhard erbaten den Segen des Schöpfers. Die Blaskapelle Weiherhammer unter Hermann Biller intonierte das Deutschlandlied und die Bayernhymne, drei Böllerschüsse setzten den Schlusspunkt. Im betagten „Adler“, einer Leihgabe der Stadt Weiden, und in einem blankgeputzten, überlangen Cadillac ließen sich die Ehrengäste, unter ihnen auch Bundes- und Landtagsabgeordnete, Regierungspräsident Alfons Metzger, Leitender Ministerialrat Hans Zillenbiller von der Obersten Baubehörde zum Festzelt auf dem FC-Sportgelände fahren, um das Ereignis mit der Bevölkerung zu feiern.

Hintergrund:

Die Kosten für die 6,3 Kilometer lange Westumgehung betrugen rund 12 Millionen Mark. Sie wurden letztlich sogar um drei Millionen Mark unterschritten. Zirka 380 000 Kubikmeter Erde wurden bewegt und rund 65 000 Quadratmeter Fahrbahn befestigt, drei Durchlässe für Amphibien geschaffen und auf neun Hektar landwirtschaftlicher Fläche sind ökologische Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen worden. Hierfür wurden Ecken vom Truppenübungsplatz und von der Kaltenbrunner Flur abgeschnitten und im Tauschverfahren dem Übungsplatz beziehungsweise der Kaltenbrunner Flur zugeschlagen.

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