Wehmütige Erinnerung an Jahrhundertfest

Vor 50 Jahren erlebt Kaltenbrunn das Fest aller Feste. Was heute kaum noch vorstellbar ist: An allen drei Tagen war das 2000-Mann-Zelt voll.

Der Jubelverein von 1970 mit seinem Mitarbeiterstab und den Festdamen: Vorne Mitte Fahnenbraut Maria Koppmann, links Pfarrer Ludwig Bock. 14 der abgebildeten Personen sind bereits verstorben.
von Siegfried BockProfil

Einen Höhepunkt in der langen Geschichte des Marktfleckens gab es vom 1. bis 3. August 1970 mit dem großartigen Schützenfest der "Hubertus"-Gesellschaft. Um im Schützenjargon zu sprechen: Es war ein Volltreffer, mit dem dieser im gesellschaftlichen Leben führende Verein seine Fahnenweihe, verbunden mit dem 65-jährigen Gründungsjubiläum beging. Einer, der vom Bienenfleiß der rund 100 Mitglieder zeugte.

Auch Pfarrer Ludwig Bock (Pressath) sowie die Lehrer Hans Wagner, Markus Strobel und Helmut Wich-Fähndrich zeigten Engagement für den Schützenverein. Im Festausschuss wirkten mit: Horst Ludwig, Wilhelm Berberich, Hans Silber, Erhard Sparrer, Reinhold und Georg Tafelmeyer, Karl Speth, Albert Harrer. Die 18-jährige Maria Koppmann hatte sich im dritten Wahlgang gegen drei Mitbewerberinnen als Fahnenbraut durchgesetzt. Und die Dürnasterin füllte diese Rolle souverän aus.

Ganz bewusst sollten die Festtage mit einem ehrenden Gedenken der Toten beginnen, an dem sich bereits der würdige Patenverein "Falkenhorst" Hütten-Steinfels beteiligte. Auch Schirmherr Landrat Christan Kreuzer legte am Kriegerdenkmal ein Blumengebinde nieder. Im Zelt, auch außerhalb waren die Plätze besetzt, traten Kreuzer, Bundestagsabgeordneter Franz Zebisch, Schützenmeister Günther Pätzold, Wich-Fähndrich und Hans Brändl vom Patenverein vor das Mikrofon.

Von Beifall begleitet war auch die Begrüßung der ehemaligen Kaltenbrunner. Aus den USA kam eigens Adolf Gräf zum Heimattreffen. Bürgermeister Josef Rettinger sprach über die Vereinsgeschichte. Gauschützenmeister Otto Asberger verlieh den Herzog-Albrecht-Orden, die höchste Schützenauszeichnung Bayerns, an Hermann Kürmeyer, Oskar und Walter Häusler, Sepp Sternecker und Siegfried Bock. Eduard Wittmann und Christian Seltmann wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Beide hatten je 1000 Mark für die Fahne gestiftet. Die Oberpfälzer-Nordgau-Verdienstnadel erhielten Pfarrer Bock, Margot Göppl, Helmut Wich-Fähndrich, Günther Pätzold, Hans Wagner, Ernst Ditz.

Nach den Gottesdiensten in beiden Kirchen, musikalisch begleitet vom MGV "Frohsinn" Schirmitz und vom Posaunenchor, segneten die Geistlichen Bock und Wilhelm Schiller die neue Fahne, die Fahnenbraut Maria Koppmann an Fähnrich Georg Tafelmeyer übergab. Die Embleme der Fahne drücken Schützenreue und -liebe aber auch Stolz und Verbundenheit mit dem Markt aus.

Festtag für Kaltenbrunner Schützen

Kaltenbrunn bei Weiherhammer

Vor einem äußerst dichten Menschenspalier bewegte sich der farbenprächtige Festzug mit 50 Gruppen und begleitet von drei Musikkapellen, durch die Straßen des im Festkleid prangenden Marktes. In der Pferdekutsche saßen die Ehrenmitglieder. Das Wetter spielte mit: Das Gewitter brach erst aus den Wolken, als alle im Zelt waren.

Zu vorgerückter Stunde wurde die vom Patenverein versteckte Fahne wieder auf die Bühne gebracht. Der junge Fähnrich Schorsch Tafelmeyer, die Junker Norbert Schwerin und Reinhold Tafelmeyer erhielten eine Lektion darüber, wie man eine neue Fahne bewachen soll. Sie mussten 25 Maß herausrücken. Dann wurde von den Michldorfer Schützen auch noch die Fahnenbraut gestohlen und nach Dürnast entführt. Und gerade sie fehlte noch für das Familienfoto der Schützen. Pfarrer Bock musste seine ganze Autorität und mehrere Maß Bier aufwenden, um das Mädchen auszulösen.

Einen krönenden Abschluss bildete am Montag das Gastspiel des Original-Oberkrainer-Sextetts aus Lublijana. Mit dabei auch Humorist Franzl Eder aus Wien und die österreichische Jodelkönigin Inge Brüggemann. Bereits um 17 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Beifallsstürme forderten immer wieder Zugaben. Für die Bedienungen gab es kaum noch ein Durchkommen. Verstärkung war nötig, selbst die Fahnenbraut sprang schließlich mit ein.

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