17.03.2019 - 18:12 Uhr
MünchenOberpfalz

Kardinal Sako berichtet über Lage der Christen im Irak

Die ältesten christlichen Gemeinden im Nahen Osten kämpfen ums Überleben. Obwohl die Terrormiliz IS weitgehend geschlagen ist, ist die Zukunft der Christen ungewiss.

Der chaldäische Kardinal Louis Sako (links) und der syrisch-orthodoxe Patriarch Moran Mor Ignatius Aphrem II. sprechen über die Zukunft der Christen im Nahen Osten.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der seit nunmehr acht Jahren andauernde Bürgerkrieg hat den christlichen Gemeinden in Syrien schwer zugesetzt. Mehrere Hunderttausend Christen sind ins Ausland geflüchtet. "Ich weiß, 50 Prozent sind gegangen", macht der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien und dem Ganzen Osten, Moran Mor Ignatius Aphrem II., bei seinem Besuch in München deutlich. Allein seine syrisch-orthodoxe Gemeinde sei von 250 000 auf 125 000 Gläubige geschrumpft. Insgesamt waren im Jahr 2011, als der Bürgerkrieg begann, rund zehn Prozent der mehr als 20 Millionen Syrer Christen. Nun erleiden sie ein ähnliches Schicksal, wie ihre Glaubensbrüder im Irak.

Im Zweistromland ist die Zahl der Christen wegen des Bürgerkrieges und des islamistischen Terrors nach der amerikanischen Invasion im Jahr 2003 dramatisch gesunken. Die Hoffnungen die sich mit der Vertreibung, der irakischen Diktators Saddam Husseins einst verbanden, haben sich für die Christen nicht erfüllt. Der Patriarch von Babylon, Kardinal Louis Raphaël I. Sako, hatte bei seinen Besuchen in der Oberpfalz - damals noch als Erzbischof von Kirkuk - mehrfach darüber berichtet. Der Iraker, der als junger Priester in Windisch-Eschenbach (Kreis Neustadt/WN) zur Urlaubsvertretung war, leitet seit sechs Jahren die mit Rom unierte chaldäische Kirche.

Im Gespräch am Rande der Diskussion über die "Zukunftsperspektiven für religiöse Minderheiten im Nahen Osten" in der Karmeliterkirche in München erkundigt sich der 70-jährige Kardinal nach der katholischen Gemeinde in Waidhaus (Kreis Neustadt/WN) und er fragt nach Pfarrer Georg Hartl. Bei diesem war der damalige Erzbischof im Jahr 2004 mehrere Tage zu Gast, um quer durch die Oberpfalz Vorträge über die Lage der Christen im Irak zu halten - das große Thema war der Terror gegen Christen. Dran hatte sich auch drei Jahre später, beim dritten Besuch Sakos in der Oberpfalz, nichts geändert. Und: Es ist bis heute so geblieben. Angst vor Terror, Flucht und Vertreibung bestimmen die Arbeit der Kirchen im Nahen Osten, vor allem im Irak und Syrien. Zuletzt mussten die Christen wie die Jesiden und andere Minderheiten vor den Horden der Terrormiliz IS fliehen - etwa aus der Ninive-Ebene nordöstlich des irakischen Mosul. Bislang ist nur etwa die Hälfte zurückgekehrt, sagt Kardinal Sako.

Die beiden Patriarchen diskutierten am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz auf Einladung der Hans-Seidel-Stiftung mit dem früheren Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Volker Kauder (CDU) und Düzen Tekkal, der Gründerin und Vorsitzenden von "Hawar.help", einer Hilfsorganisation zur Unterstützung der Jesiden im Nordirak.

Sako und Aphrem II. machen deutlich, dass sie nicht aufgeben wollen. Ihre christlichen Gemeinden zählen zu den ältesten der Welt. Sie entstanden schon wenige Jahre nach dem Tod Christi. Die Christen wollen weiter in ihrer Heimat leben, aber nicht als Sklaven, die eine Kopfsteuer zahlen müssen, sondern als Bürger.

Beide Kirchenführer unterstreichen die Fortschritte, die zuletzt erzielt wurden. Der syrisch-orthodoxe Patriarch erzählt vom Aufbau einer Hochschule in Maraat Saydnaya bei Damaskus, der "Antioch Syrian University", als Zeichen der Hoffnung. "Wir leben im 21. Jahrhundert", unterstreicht Sako und fordert Offenheit. Es gehe nicht nur um Schutz für die Christen, sondern um den Aufbau eines offenen Staates für alle. Aphrem II. betont: "Jeder Mensch sollte Religionsfreiheit genießen."

Bericht über den Besuch von Louis Sako in der Oberpfalz

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