30.09.2019 - 12:20 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Feuer, Mord und Wilderei

Johann Walter berichtete, wie die Zeit um den Ersten Weltkrieg in und rund um Kastl war.

Johann Walter blickte in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Es war nicht die viel gerühmte „Gute alte Zeit“.
von Bernhard KreuzerProfil

Die gute alte Zeit aus der Ära eines königlich-bayerischen Amtsgerichts, wie es die Fernsehreihe von Georg Lohmeier schilderte, war, wenn es sie überhaupt gab, mit Beginn des Ersten Weltkriegs endgültig vorbei. Die Zeit danach war das Gegenteil.

Der Männerverein Kastl hatte zu der Reise in die Vergangenheit eingeladen. Ihr Vorsitzender Robert Steinkohl freute sich, neben Bürgermeister Josef Etterer den ehemaligen Vorsitzenden des Kemnather Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises Hans Rösch, Kemnaths Ehrenbürger Max Ponnath sowie viele Vertreter benachbarter Kulturvereine begrüßen zu können.

Der Mord von Kaibitz vor 90 Jahren wegen ein paar Stiefel stand im Mittelpunkt: Der 19-jährige Peter Michl aus Dreihäuser erschlug damals den 60-jährigen Heinrich Hösl in dessen Haus in Kaibitz. Mit viel Akribie hatte Johann Walter das Thema aufgearbeitet. Im Amberger Staatsarchiv fand er die Gerichtsakte. Alle bayerischen Archive hatte der Referent angeschrieben. Die Recherchen haben ihn bis zur Bayerischen Staatsbibliothek in München geführt. Aus früheren Kemnather Zeitungen der Jahre 1918 bis 1924 hat er zudem interessante Artikel und Anzeigen für seinen Vortrag kopiert. Das gesammelte Material war Ausgangspunkt nicht nur über das schicksalhafte Leben von Peter Michl und Heinrich Hösl. Johann Walter öffnete ein Zeitfenster, das Mahnung und Warnung gleichsam sein sollte.

So etwas wie einen Rechtsstaat gab es nicht. Der Prozess gegen Peter Michl am Landgericht in Weiden am 3. November 1922 dauerte einen Tag, 16 Zeugen wurden vernommen und ein einstimmiges Todesurteil ausgesprochen. Zum folgenden Gnadengesuch schrieb die Staatsanwaltschaft: "Was seine Jugend angelangt, so ist im Gegenteil mit Bestimmtheit zu erwarten, dass die Vollstreckung der Strafe einen dauernden heilsamen Einfluss auf andere junge Leute ausüben wird, die heute in der Mehrheit nur noch den Tod, sonst aber keine anderen Strafen fürchten." Peter Michl wurde schließlich durch Erschießen in München hingerichtet.

Johann Walter zog in seine Zeitreise die Revolution und Einwohnerwehren ein. Eine solche wurde auch in Kemnath aufgestellt. Die Wortwahl zeigte bereits deutlich eine nationalsozialistische Tendenz. Als 1920 das Schloss Wolframshof brannte, berichtete eine Sozizeitung aus Bayreuth, dort sei ein Waffenlager der Kemnather Bürgerwehr explodiert. Wilderei und Einbrüche begleiteten die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Zahlreiche Brände vernichteten Hab und Gut. So war die Hoffnung eines Landwirts auf einen schnellen Wiederaufbau seines Hofes schnell verraucht. Als die Versicherung ausbezahlt wurde, konnte er nur noch ein Päckchen Nägel kaufen. Die Inflation hatte alles aufgefressen.

Verzweifelte Menschen, wie ein 18-jähriges Mädchen, das während der Arbeit unbemerkt ein Kind zur Welt gebracht und es ermordet hat, markierten die Verzweiflung der Menschen. Johann Walter hatte tatsächliche Geschichten aus verschiedenen Quellen zu einem Gesamtbild der damaligen Zeit zusammengeführt. Die geschilderten Brandstiftungen und deren Hintergründe würden so manchen schnöden Krimi im Fernsehen erblassen lassen.

Der Blick Walters in die Zeit zwischen den Weltkriegen wird auch einen Platz in seinem Buch bekommen. Angefangen hat er damit und die ersten 40 Seiten existieren bereits. "Aber ich glaube, ich werde noch ein paar Jahre brauchen, bis es so weit auf Papier ist", sagte er gegenüber Oberpfalz-Medien. Mit einfließen wird dabei sein erster Vortrag beim Kastler Männerverein, der den Dreißigjährigen Krieg in der Region zum Inhalt hatte.

Johann Walter blickte in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Es war nicht die viel gerühmte „Gute alte Zeit“.
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