28.01.2019 - 17:56 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Mit Nervenstärke in Bundesliga

Gegen 15 Uhr knallen am Sonntag im schwäbischen Ostfildern die Sektkorken, gut fünf Stunden später in Kastl die Geräte der Böllerschützen. Der ganze Ort feiert den Aufstieg der Gewehrschützen von Einigkeit Hubertus in die 1. Bundesliga Süd.

Bürgermeister Josef Etterer (rechts) gratuliert bei der Ankunft den Schützen Michael Buchbinder, Lukas Haberkorn, Sandra Raps, Maria Kausler und Simona Bachmayer sowie Betreuer Andreas Kausler (von links) zum Aufstieg in die 1. Bundesliga. Zum Dank gibt es einen Blumenstrauß.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

"Das ist ein Riesenerfolg für die Kastler Sportschützen", ist deren Vorsitzender Wolfgang Raps am Montag noch ganz begeistert vom Coup von Michael Buchbinder, Lukas Haberkorn, Maria Kausler, Christine Schachner und Simona Bachmayer. Aber auch vom Empfang, den ihnen die Kastler Bürger und Vereine am Sonntagabend bereiten. Die Fünf hatten Stunden zuvor beim Qualifikationsschießen zur 1. Bundesliga Süd in Ostfildern mit 3917 Ringen den zweiten Rang hinter dem Team aus Kronau (3939) belegt und damit den Aufstieg perfekt gemacht.

Dass die Kronauer Erster werden würden, "haben wir schon erwartet", berichtet Raps. Sie selbst hätten aber "schon mit dem zweiten Platz geliebäugelt". An einem guten Tag könnten wir es schaffen, gibt er die Stimmung in der Mannschaft vor dem Wettkampf wieder. Und den haben die Kastler am Sonntag erwischt, ganz im Gegensatz zu den Schützen des SV Fenken, bei denen teilweise die "Nerven geflattert haben". Diese hätten im ersten Durchgang "unter Wert geschossen" und waren dadurch "schon ein Stück weit weg".

Sekt vergessen

Als das Ergebnis feststand - Platz zwei vor Eichenlaub Unterstall und Fenken -, gab es für die Nordoberpfälzer im Landesleistungszentrum des Württembergischen Schützenverbandes kein Halten mehr. Den Erfolg bejubelten neben den Schützen auch etwa zehn Väter und Mütter sowie Fans, die sich mit Privatautos bereits am Sonntagmorgen mit auf den Weg ins rund 300 Kilometer entfernte Ostfildern gemacht hatten. Das Problem war nur: Mit was sollte auf den Aufstieg angestoßen werden? "Wir hatten an alles gedacht, nur nicht an den Sekt." Der musste kurzfristig organisiert werden, berichtet Raps von der einzigen "Panne".

Kurz danach trat die Gruppe auch schon den Heimweg an. "Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Eine Stunde lang gab es eine Mordsgaudi." Mit Nachlassen der Anspannung habe aber dann doch die Müdigkeit durchgeschlagen, berichtet der Vorsitzende von einer ruhigen restlichen Heimfahrt.

Während sich "seine" Schützen erholten, liefen in Kastl die Drähte heiß. Die Erfolgsmeldung machte umgehend in ihrer Whatsapp-Gruppe, auf Facebook und dann in der ganzen Gemeinde die Runde. Einer der ersten Gratulanten aus der Heimat war Bürgermeister Josef Etterer, der sich per Whatsapp bei den "besten und sympathischsten Botschaftern für den Schützensport und besonders für Kastl" meldete.

Was er mit dem Zusatz "Bis heute Abend" gemeint hatte, sollte sich bei der Ankunft in Troglau zeigen. Dort erwartete unter anderem die Kastler Feuerwehr mit zwei Einsatzfahrzeugen die Aufsteiger. Mit Blaulicht und Autokorso ging es zum Schützenhaus zur improvisierten Feier. Neben Etterer mit Blumen und zahlreichen Bürgern hatte dort zudem die Böllerschützengruppe Aufstellung genommen.

Raps ist am Montag noch immer ganz begeistert darüber, "was für Wellen das geschlagen hat". Für den Verein sei es nach WM- und EM-Titeln in den 1990er Jahren für Rebecca Frank und vielen nationalen Meistertiteln wieder ein Riesenerfolg, der erstmals mit einer Mannschaft errungen worden sei. Die Grußworte Etterers, nach denen die Schützen die Gemeinde überregional bekannt machen, klingen bei ihm noch nach. Und auch die Resonanz der Bevölkerung, mit der noch lange gefeiert wurde ("Die Letzten sind um halb eins nach Hause."), wird nicht nur er lange in Erinnerung behalten: "Alle waren ganz happy." Das sollen sie auch bei der richtigen Aufstiegsfeier sein, für die es allerdings noch keinen Termin gibt.

Mit der 1. Bundesliga Süd betreten die Kastler Neuland. Um für die Wettkämpfe ab Oktober vorbereitet zu sein, sind die Verantwortlichen bereits zu "zwei übergeordneten Sitzungen" in den nächsten Wochen geladen. Fest steht für Raps, die höchste nationale Schützenliga mit der "familiären Truppe" bestreiten zu wollen. Bis auf Schachner aus der Nähe von Zell am See, stammten alle anderen Schützen aus Kastl beziehungsweise aus der Region.

Einem solchen Gefüge gibt der Wehaer den Vorzug. Bei anderen Vereinen seien die Schützen übers ganze Bundesgebiet verstreut. Diese träfen sich nur bei den Wettbewerben. Das sei auch bei den Kronauern so, "die nicht mal gefeiert haben" und bei denen sogar ein Amerikaner eingeflogen wurde. Ohne dessen 398er- und 399er-Serie in Ostfildern "hätten wir in etwa das gleiche Niveau gehabt", ist sich Raps sicher.

Er gibt sich keiner Illusion hin, dass es für die Kastler schwer werden wird, sich in der nächsten Saison zu behaupten. Die Konkurrenz dort hole sich Schützen, die sie bezahlen. "Das ist wie beim FC Bayern", bedauert er.

Im Schützenheim bleiben

Aber nicht nur die Gegner ändern sich für seine Truppe. In der Bundesliga werde immer in Turnhallen geschossen. "Wir möchten aber im Schützenheim bleiben, um den Heimvorteil nicht zu verlieren." Der Deutsche Schützenbund stelle auch ganz andere Anforderungen an die Schießstände und Zuschauerplätze, "trotzdem sollte das kein Problem sein". Auch werden in der höchsten Liga die Wettkämpfe nicht an einem, sondern an zwei Tagen ausgetragen. Dass sie in ganz Bayern und Baden-Württemberg stattfinden, zieht weitere Anfahrten nach sich. Die Kosten dafür "finanzieren die Sportschützen weitestgehend selbst". Man müsse sehen, "wie wir das alles hinkriegen". Deshalb wäre Raps dankbar, wenn sich jetzt noch ein Sponsor finden würde. Seite 13

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