19.02.2020 - 17:43 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Mit Respekt, aber ohne Angst vorgehen

Auslaufende Flüssigkeiten, brennende Elektroautos, unbekannte Substanzen oder ein Unfall eines Heizöllasters - Gefahrguteinsätze der Feuerwehren sind vielfältig. Jetzt gibt es ein neues Ausbildungsprogramm im Landkreis Tirschenreuth.

Kreisbrandmeister Fritz Leicht (Fachberater Gefahrgut, stehend) erläuterte rund 20 Kastler Feuerwehrfrauen und -männern die richtige Vorgehensweise bei Gefahrguteinsätzen.
von Redaktion ONETZProfil

Auslaufende Flüssigkeiten, brennende Elektroautos, unbekannte Substanzen oder ein Unfall eines Heizöllasters - Gefahrguteinsätze der Feuerwehren sind vielfältig. Jetzt gibt es ein neues Ausbildungsprogramm im Landkreis Tirschenreuth.

"Wir möchten euch die Angst vor Gefahrguteinsätzen nehmen", leitete Kreisbrandmeister und Fachberater Gefahrgut Fritz Leicht von der Kreisbrandinspektion Tirschenreuth in einen kurzweiligen Ausbildungsabend ein. Der Leiter der Unterstützungsgruppe Gefahrgut hatte erstmals die neu entwickelte Gefahrgutgrundausbildung bei der Feuerwehr Kastl übernommen.

Schwerpunkt der rund 80-minütigen Gefahrgutvorträge war das allgemeine Vorgehen bei solchen Einsätzen, vor allem für Feuerwehren ohne spezielle Schutzausrüstung. "Jede kleine und große Feuerwehr kann schnell mit gefährlichen Stoffen in Berührung kommen, ein Verkehrsunfall mit einem Heizöllaster ist auch im Dorf nicht unwahrscheinlich", erläuterte Fabian Keppler-Stobrawe von der Feuerwehr Erbendorf, der als Chemiker die Gruppe unterstützt.

Der Ablauf für die ersteintreffende Feuerwehr folge einem festgelegtem Schema (GAMS-Regel). Hierbei gilt es die Gefahr (G) zu erkennen, Absperrmaßnahmen (A) vorzunehmen, Menschenleben (M) zu retten und Spezialkräfte (S) nachzufordern. Leicht und Keppler-Stobrawe erläuterten zu jedem dieser vier Schlagworte, worauf ein Einsatzleiter oder Gruppenführer achten sollte, wenn sie eine entsprechende Einsatzlage vorfinden.

Gerade Hinweisschilder können schnell die nötigen Grundinformationen liefern. Auch muss bei dieser Art Einsätze auf sachgemäße Dekontamination geachtet werden. Welche Möglichkeiten es gibt, auch mit einfachen Mitteln einen Waschplatz für Einsatzkräfte aufzubauen, illustrierte Leicht anhand von Bildern. "Bei größeren Einsatzlagen kann der Dekon-P (Dekontamination Personal) angefordert werden, dort ist auch eine mobile Dusche gut ausgebildetes Personal dabei."

Neben der Angst vor den gefährlichen Stoffen, beruhigte Leicht besonders die Einsatzleiter: "Sollten wir als Fachberater an die Einsatzstelle gerufen werden, übernehmen wir nicht die Einsatzleitung, sondern stehen euch zur Seite, wenn ihr uns braucht." Nach dem Vortrag freuten sich Leicht und Keppler-Stobrawe über das überwiegend positive Feedback über den Unterricht. Einige Verbesserungen haben die beiden bereits im Kopf, die sie bis zum nächsten Lehrabend bei einer anderen Feuerwehr umsetzen werden.

Hintergrund:

Unterstützungsgruppe Gefahrgut

Die Unterstützungsgruppe (UG) Gefahrgut der Kreisbrandinspektion Tirschenreuth wird von den beiden Kreisbrandmeistern Fritz Leicht (Fachberater Gefahrgut, Feuerwehr Kemnath) und Klaus Helm (Fachberater ABC, Feuerwehr Mitterteich) geleitet.

Je nach Einsatzstichwort oder Nachforderung durch den Einsatzleiter wird die UG-Gefahrgut (unter anderem zwei Chemiker) mit oder ohne Einsatzmittel (wie Auffangbecken oder Ölpumpen) alarmiert. Sie steht dem örtlichen Einsatzleiter beratend zur Seite und gibt Tipps zur Gefahrenbeseitigung. Auch Hintergrundrecherche und Dialoge mit anderen Fachgruppen bieten deren Einsatzkräfte an.

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