Kastl bei Kemnath
13.08.2019 - 15:10 Uhr

Einer, der viel zu erzählen hatte

Ernst Walberer aus Weha starb vergangenen Sonntag im Alter von 92 Jahren.

Ernst Walberer. Bild: bkr
Ernst Walberer.

Ernst Walberer wurde als jüngstes von zehn Kindern in Weha geboren. Nach der Volks- und den darauf folgenden drei Jahren Fortbildungsschule wurde er 1943 zum Reichsarbeitsdienst nach Posen in Westpolen einberufen. Im Februar 1944 folgte der Einberufungsbefehl zur Wehrmacht nach Prag. Bereits am 31. Juli 1944 geriet er beim Zusammenbruch der Mittelfront in Weißrussland in russische Gefangenschaft.

Barfuß musste er 250 Kilometer bis Brest ins Zentrallager marschieren. Es folgte die Verlegung nach Gomel in Weißrussland. Kälte und die zu Weihnachten 1944 ausgebrochene Cholera brachte vielen Gefangenen den Tod. Sie wurden in den Panzergräber der zu 90 Prozent zerstörten Stadt begraben.

Die harten, entbehrungsreichen Jahre der Gefangenschaft ließen bei Ernst Walberer den Wunsch nicht ruhen, einmal die Massengräber seiner Kameraden in Gomel zu besuchen. Viele Versuche, ein Visum zu bekommen schlugen fehl. Wie er zu seinem 90. Geburtstag erzählte, half ihm die Leiterin, einer Gruppe von Kindern, die 1992 nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Raum Kemnath Erholung suchten.

1993 konnte er erstmals Gomel besuchen. Freundschaft wurde mit Tamara Makuschinskaja, Deutschlehrerin und Direktorin der Universität Gomel, und Kultusministerin Lydia Saikova geschlossen. Ein vierwöchiger Aufenthalt folgte 1995, der letzte Besuch war 2008. Ernst Walberer wurde auch zur Kriegsgefangenenkonferenz nach Kiew eingeladen.

Wenn Ernst Walberer zu erzählen begann, dann durfte der Besuch von Tamara Makuschinskaja in Weha nicht außen vor bleiben. Mit ihrer Folkloregruppe gestaltete sie 2012 auf dem Barbaraberg eine Messe. Die Kollekte war für krebskranke Kinder in Gomel bestimmt. Das gesammelte Geld kam aber nicht den krebskranken Kindern zu, sondern floss in die Sanierung des Klosters Speinshart. Ernst Walberer öffnete deshalb selbst in den Geldbeutel und spendete daraus 2000 Euro.

Auf das kühle Bier, das der Walberer im vergangenen Jahr mit Tamara Makuschinskaja im Troglauer Hof Café trinken wollte, freute er sich vergebens. Tamara Makuschinskaja bekam bei ihrem Besuch in Deutschland keine Reisegenehmigung nach Weha. Walberer war Mitglied der Krieger- und Soldatenkameradschaft, des VdK-Ortsverbandes und der Feuerwehr Kastl. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Reitclubs am Kulm in Speichersdorf und war dessen Ehrenvorsitzender.

Ein dauerndes Vermächtnis hinterlässt Ernst Walberer im Buch "Weha bei Kastl - am Rauhen Kulm" von Josef Besold. Darin erzählt er nicht nur die Geschichte seines Geburtshaus, dem Haus Nr. 3 von Weha.

Trauergottesdienst mit anschließender Beerdigung ist am Mittwoch, 14. August, um 14.30 Uhr in der Pfarrkirche Kastl. Um ihn trauern die Kinder Monika, Bernadette, Georg und Hubert.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.