Konkreter "Anlass" für die Facebook-Einträge war der dort am vergangenen Freitag veröffentlichte beziehungsweise geteilte Appell des Kemnather Bürgermeisters Roman Schäffler und des Kemnather Allgemeinmediziners Dr. Peter Deinlein, angesichts der dynamischen Corona-Lage im Kemnather Land Innenraumkontakte mit ungeimpften Risikopersonen aktuell zu vermeiden. Neben unterstützenden Kommentaren für diesen Appell gab es allerdings auch Aussagen wie "Müssen in Kemnath die Nichtgeimpften irgendeinen Aufnäher an der Jacke haben, damit man ihnen aus dem Weg gehen oder sie des Raumes verweisen kann?"
Der Rathauschef und der Arzt werden auch direkt angegriffen: "Der KVB-Arzt und der Bürgermeister. Wenn diese beiden Personen den Intelligenzdurchschnitt von Kemnath repräsentieren, dann ..." Und "natürlich" dürfen auch die pseudohistorischen Analogien aus dem "Querdenker"-Baukasten nicht fehlen, wenn ein Nutzer meint: "Gibt es schon Armbinden für Nichtgeimpfte? Erst jetzt verstehe ich wie es 1933 jemals so weit kommen konnte. Damals wurde auch selektiert und ausgegrenzt."
Aufruf fehlinterpretiert
Bürgermeister Roman Schäffler brachte auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass der Appell von einigen Leuten offenbar - bewusst oder unbewusst - fehlinterpretiert werde. Ein ähnliches Bild findet sich auch auf der privaten Facebook-Seite des Kastler Bürgermeisters Hans Walter. Ein Nutzer formuliert es so (sic): "als geimpfter wird man automatisch was besseres Vor über 70 Jahren wurde dies auch praktiziert, da nannte Mann es Rassentrennung", ein anderer wirft die Frage auf, ob in der "Coronazeit der Rassismus (geimpft/ungeimpft) wieder salonfähig" sei.
"Manchmal vermiss i die Zeit wo's pro Dorf nua oan Deppn gem hod!"
Eingemischt in die Diskussion hat sich auch der Zweite Bürgermeister der Gemeinde Brand, Christian Drehobel. Er macht kurz und knapp klar: "Wer bei geimpft/ungeimpft auf die ,Rassentrennung' kommt, hat entweder in der Schule geschlafen oder die falschen Lehrer gehabt!"
Nutzer bieten Vorwürfen Paroli
Wiederum andere Nutzer beklagen die massive Beschneidung der Grundrechte, ein weiterer Kommentator fühlte sich aufgrund dieses Aufrufs nicht nur ins Mittelalter versetzt, sondern auch als "Schlachtvieh". Mindestens genauso viele User bieten den Vorwürfen aber auch Paroli.
Bürgermeister Hans Walter verzichtete auf eine direkte Reaktion auf die Kommentare. Am Tag darauf eröffnete er einen neuen Post mit einem Sharepic und dem Text: "Manchmal vermiss i die Zeit wo's pro Dorf nua oan Deppn gem hod!" Ein Schelm, wer Böses denkt.
















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