19.06.2018 - 18:03 Uhr
KemnathOberpfalz

Außen Scheune, innen Bungalow

Wenn der Putz bröckelt, ist das in der Regel ein Fall für eine Baufirma. Doch für Architekt Karlheinz Beer macht gerade das den Reiz für ein ungewöhnliches Wohnungsbauprojekt in Kemnath aus.

Die Öffnungen der ehemaligen Scheunentore sorgen dafür, dass genügend Licht in den nachgelagerten Wohnbereich fällt. Die Mauern sowie die Dachkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert bleiben weitestgehend unangetastet, lediglich die Eindeckung mit Schiefer ist neu.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

(luk) Für den Neubau eines Wohnhauses für Peter Deinlein fällt die Wahl auf eine alte, für die nördliche Oberpfalz typische Scheune in der Schulstraße 38. Das aus Natursteinen erreichtete Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert. Doch statt es dem Erdboden gleich zu machen, dienen dessen Mauern als Hülle für ein Haus im Haus.

"Wir haben die Mauern so wie vorgefunden belassen", erzählt Planer Karlheinz Beer. Lediglich ausgebrochene Steine seien ersetzt und so auch den denkmalschutzrechtlichen Aspekten entsprochen worden. Gleiches gilt für das Dach. Auch hier ist die Balkenkonstruktion des historischen Gemäuers noch erhalten, nur Schadstellen sind bei der statischen Ertüchtigung ersetzt worden. Jedoch hat das gesamte Gebäude eine neue Eindeckung mit Schiefer erhalten.

Für den Neubau im Inneren sei von der Scheune abgerückt worden, weshalb die Mauern auch nicht isoliert werden mussten, berichtet der Weidener Architekt. Entstanden sind dadurch auf den Längsseiten zur Straße und zum Garten hin Loggias und Freisitze, die mit Holz verlegt sind. "Da kann man schön und wettergeschützt sitzen." Viel Licht in diesen Bereichen fällt durch die ehemaligen Scheunentore sowie durch Oberlichter ein.

Die historische Substanz ermöglichte, offene und flexible Räume für ein seniorengerechtes Wohnen zu schaffen. In Ständerbauweise entstand ein neues Heim für zwei Personen. Alle Zimmer sind laut Beer ebenerdig und somit barrierefrei erreichbar. Nur zum Speicher führt eine Treppe hinauf. Einher mit der Bungalow-Struktur gehen großflächige Schiebetüren, "um eine große Blick- und Sichtwirkung nach außen zu haben".

Eine Fußbodenheizung sorgt für Wärme in allen Räumen. Dabei wird "voll auf fossile Brennstoffe" verzichtet. Energie liefern eine Solaranlage und eine Wärmepumpe mit Eisspeicher. Wie dieser funktioniert, wird der Architekt am Samstag ebenfalls erläutern. Eingebaut ist allerdings ein Kamin im Wohnbereich, der jedoch nur Winter betrieben wird.

Bei der Raumtemperatur eine wichtige Rolle spielt eine bereits vorhandene, 50 Zentimeter starke Steinmauer. "Diese funktioniert als Wärmepuffer." Sie verhindere eine Überhitzung des Gebäudes und sorge für eine konstante Temperatur das ganze Jahr über.

Wer mehr über das Haus in der Scheune in der Schulstraße 38 erfahren möchte, für den stehen der Planer und der Bauherr am Samstag für Erläuterungen zur Verfügung. Um 10 Uhr ist eine etwa einstündige Führung geplant. Eine Anmeldung dafür ist nicht erforderlich.

 

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