18.04.2021 - 09:49 Uhr
KemnathOberpfalz

Bienen im Garten auf die Sprünge helfen

Oft sind es die Wildbienen, die jetzt zu hören sind. Aber auch die Honigbiene trägt bereits die erste Tracht heim. Angelika Sullivan vom Kemnather Bienenzuchtverein erklärt, wie die Planungen im eigenen Garten den Insekten helfen können.

Eine Wildbiene sucht auf einer Blüte einer Magerwiesen-Margerite nach Nektar. Angelika Sullivan vom Bienenzuchtverein Kemnath und Umgebung gibt Tipps, wie man den Bienen im eigenen Garten helfen kann
von C. & W. RupprechtProfil

Sie fliegen bereits bei den ersten warmen Sonnenstrahlen. Gemeint sind die Bienen. Meistens sind die Wildbienen die ersten Summer im Garten. Die Hummeln, allen voran die große Ackerhummel, sind schon von Weitem zu hören, wenn sie von Blüte zu Blüte fliegen. Sie freuen sich über einen reich gedeckten Tisch mit offenen Blüten, damit sie auch an den süßen Nektar und an die Pollen herankommen. Gefüllte Blüten sind nicht geeignet. Darauf verweist Angelika Sullivan, Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Kemnath und Umgebung.

Doch auch die Honigbiene des Imkers freut sich über die ersten warmen Tage. Sie fliegt aus, kotet ab und nimmt Pollen, Nektar und Wasser auf. Für den Imker heißt es jetzt, sein Volk zu begutachten, nach Krankheitsanzeichen und Milbenbefall zu suchen, verschimmelte Waben zu entfernen und Kittharz zu ernten, mit dem die Bienen bestimmte Bereiche oder den Rand der Rähmchen abgedichtet haben.

Das Kittharz ist auch unter dem Namen Propolis bekannt. Dies produzieren die Bienen selbst. Es wirkt gegen Bakterien und Pilze. Ihm wird auch eine antivirale Wirkung nachgesagt. Menschen, die auf Bienen- und Wespenstiche allergisch reagieren, wird von der Einnahme von Propolis abgeraten.

Tränken nicht vors Flugloch

Bienen brauchen zur Aufzucht der jungen Brut Wasser. Angelika Sullivan, Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Kemnath und Umgebung, warnt: "Beim Aufstellen von Tränkegefäßen ist zu beachten, dass das Wasser nicht im Startbereich des Fluglochs stehen darf. Denn die Bienen haben bei Tagesbeginn oder nach längeren Flugpausen die Angewohnheit, in einer spiralförmigen Flugbahn aufzusteigen und dabei abzukoten. Somit würden sie ihr eigenes Trinkwasser verunreinigen und Krankheiten könnten sich schnell verbreiten." Ebenso sind Regentonnen meistens mit Darmerregern der Bienen verunreinigt. Somit würde das Volk empfindlich geschwächt werden.

Die Wasserquelle brauche daher eine Abdeckung und Steine oder Moos zum Landen, sonst kann es sein, dass die Bienen ertrinken. Am besten ist aber immer noch ein fließendes Gewässer in der Nähe, wo die Insekten ihren Durst stillen können. Es ist auch zu beachten, dass Bienen eine bessere Tracht einbringen, wenn sie ihren Durst am Nektar stillen können. In Gärten kommen sie oft zu den Vogeltränken. Dieses Wasser sollte regelmäßig gewechselt und den Bienen sollte eine Landehilfe aus Moos angeboten werden.

Die Maikrankheit

Im Mai gibt es meist längere Kälte- oder Nässeperioden, bei denen die Bienen nicht ausfliegen. Sie greifen dann auf die eingelagerten Pollen zurück, um die Brut zu füttern. Zum Zubereiten des Futtersaftes brauchen sie Wasser. Fehlt ihnen dies, dann trocknet ihr Körper aus. Dem Kot wird soviel Wasser entzogen, dass die Bienen im weiteren Verlauf gar nicht mehr abkoten und sterben. Dies nennt man Maikrankheit. Das geschulte Imkerauge erkennt das schon am Verhalten der Insekten. Man sieht viele flugunfähige Krabbler und hüpfende Tiere mit stark erweitertem Hinterleib. Um Abhilfe zu schaffen, rät Sullivan, eine handwarme, dünne Zuckerlösung im Verhältnis 1:1 zu verfüttern.

Wie kann der Laie den Bienen helfen? "Normale Rasenflächen mit Weidegrassorten sind für Bienen nicht attraktiv. Erst wenn Wiesenkräuter wie Gänseblümchen, Löwenzahn, Weißklee und Günsel in die Rasenfläche eingewandert sind, findet die Biene Pollen und Nektar", erklärt die Imkerin. Der Handel biete Samenmischungen mit rund 20 einheimischen, niedrigwachsenden Kräutern an. Diese Mischungen werden Kräuterrasen genannt.

Man kann aber auch einfach einen Teil der Wiesenfläche stehen lassen, bis sie blüht und Samen ausstreut. Damit bietet sich nicht nur den Bienen, Schmetterlingen und anderen Fluginsekten eine Nahrungsquelle, sondern es entsteht auch ein Rückzugsort oder Rastplatz bei Regen.

"Normale Rasenflächen mit Weidegrassorten sind für Bienen nicht attraktiv."

Angelika Sullivan

Löwenzahn ist bei den Gärtnern im Rasen nicht gerne gesehen. Seine flugfähigen Samenschirmchen verbreiten sich schnell und weit im Umkreis. Doch für einige Wildbienenarten ist er überlebenswichtig, zum Beispiel für die Sandbiene. Schmalbienen wiederum lieben das Gänseblümchen. Vor allem kleine Wildbienenarten bewegen sich nur in einem Radius von wenigen Hundert Metern um den Brutplatz herum. So lässt sich besser verstehen, warum es wichtig ist, die Gärten nicht zu sehr aufzuräumen. Die Wildbienen brauchen Nistplätze und Baumaterial für die Brutzellen. Meistens sind sie auf die Pollen einer bestimmten Pflanze spezialisiert. Die Pollen benötigen sie zur Brutaufzucht. Gibt es keine Pollen, geht der Nachwuchs ein. Nur die erwachsenen Bienen nehmen Nahrung in Form von Nektar auf.

Rosengewächse beliebt

Löwenzahn und Gänseblümchen gehören zu den Korbblütlern. Diese blühen vom Frühjahr bis in den November hinein und gehören zu den wertvollsten Nahrungsquellen der Bienen und vieler anderer Insekten. Doch auch Rosengewächse wie Weißdorn, Himbeeren und Brombeeren werden gerne angeflogen, sowohl von der Honigbiene als auch von den Wildbienen. Mit diesen Pflanzen kann man sich auch die Schwebfliegen in den Garten locken, die dann wieder bei der Blattlausbekämpfung helfen.

Die Pflanzen des Jahres 2021 sind die Stechpalme, der Große Wiesenknopf und die Schafgarbe. Alle drei sind herrliche Futterpflanzen für die Bienen. Wer es in seinem Garten bunt mag und der Biene helfen möchte, sollte zur Schafgarbe greifen. Es gibt sie in vielen Weiß-, Gelb- und Rottönen. Der Wiesenknopf mag nasse Wiesen. Die Stechpalme erlebt zur Zeit eine Renaissance. Sie bietet mit ihren Blüten eine gute Nahrungsquelle in den wichtigen Monaten Mai und Juni.

Auch über die Varroamilbe müssen Bienenzüchter Bescheid wissen

Kötzersdorf bei Kemnath
Die Bienen und Hummeln finden auch exotische Blüten, wie hier am Pfirsichbaum, toll.
Eine der frühesten Nahrungsquellen ist die Lenzrose. Sie treibt ihre Knospen bereits in den Wintermonaten voran.
Angelika Sullivan ist die Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Kemnath und Umgebung. Sie gibt Tipps für Imker und für Laien, wie diese den Bienen jetzt und das ganze Jahr über helfen können.
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