03.05.2020 - 09:49 Uhr
KemnathOberpfalz

Edith Lippert verabschiedet sich als "First Lady" der "Aktion Lichtblicke"

Wenn die finanzielle Situation ausweglos scheint, dann gibt es für Bedürftige im Landkreis Tirschenreuth noch Hoffnung. Zwölf Jahre war Schirmherrin Edith Lippert unermüdlich für die "Aktion Lichtblicke" im Einsatz.

von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Seit 1999 hilft die Aktion "Lichtblicke" im Landkreis Tirschenreuth Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Die "First Lady" des Landkreises ist das Gesicht der Aktion. Zuerst war dies die Mitterteicherin Helga Haberkorn. 2008 übernahm Edith Lippert mit der Wahl ihres Mannes Wolfgang zum Landrat dieses Ehrenamt. Künftig wird Claudia Grillmeier die Schirmherrschaft übernehmen.

Corona macht Strich durch die Rechnung

Die Fäden der Aktion laufen im Landratsamt zusammen. Dort wird jeder Fall geprüft, ob es sich auch wirklich um eine Notlage handelt und ob alle "normalen" Hilfemöglichkeiten wirklich schon ausgeschöpft sind. "Wir waren ein tolles Team. Neudeutsch würde man Dream-Team sagen", urteilt Edith Lippert. Ihr war es deshalb ein großes Bedürfnis, den langjährigen Helfern im Amt zu danken. Eigentlich wollt sie dies in zwangloser Atmosphäre bei einem gemeinsamen Essen tun. Doch dann kam das Coronavirus mit den Ausgangsbeschränkungen. Deshalb fiel das Dankeschön etwas anders als geplant aus: mit Mundschutz im Landratsamt.

Dabei wurde deutlich, wie viel Arbeit im Stillen bei der Aktion "Lichtblicke" geleistet wird. Wie viele Stunden Edith Lippert für die Aktion engagiert war, weiß sie selbst nicht. Aber die Kilometer, die sie für die Spendenübergaben gefahren ist, hat sie fein säuberlich notiert. 19.200 waren es. Die Kemnatherin hat Vereinsheime, Pfarrsäle, Feuerwehrhäuser, Rathäuser, Firmengebäude, Geschäftshäuser und Gaststätten von innen gesehen. Und sie hat dabei viele großherzige und bemerkenswerte Menschen getroffen. "Die tollen Ideen, Spendengelder zu erwirtschaften, haben mich begeistert." Von selbst gebackenen Broten und Plätzchen über Spendenaktionen bei Geburtstagen, von Sammlungen bei Betriebsfesten bis hin zu Benefizkonzerten reicht die Palette der Aktionen.

Eine Erkenntnis, die Edith Lippert dabei gewonnen hat, war: "Auch bis uns gibt es Armut und existenzielle Probleme." Die Aktion "Lichtblicke" sei deshalb eine sinnvolle, wichtige Ergänzung des ohnehin schon guten sozialen Netzwerks im Landkreis Tirschenreuth. Sie empfinde große Dankbarkeit und Freude über das Helfen-Können und das wohltuende soziale und menschliche Miteinander im Landkreis, sagte Edith Lippert.

Die Kemnatherin machte aber auch deutlich, dass viele Helfer nötig sind, um die Aktion am Laufen zu halten. Sie spannte den Bogen von den Spendern über die fleißigen Bäckerinnen und Marmeladenköchinnen und Handarbeiterinnen bis hin zu den Helfer beim Auf- und Abbau der traditionellen Weihnachtsstände.

Aus der Fülle von Aktionen hob sie besonders das "Lichtblicke"-Backbuch "Kouchn, Köichla, Kipfala" hervor, das sie 2011 mit ihre Weihnachtsbackfrauen herausgebracht hat. Es sei mit Unterstützung des Buch- und Kunstverlags Oberpfalz gelungen, nicht nur vielen Hobbybäckerinnen eine große Freude zu machen, sondern auch den stolzen Erlös von 22.300 Euro zu erwirtschaften. Sie freute sich, dass auch Josef Roidl vom Battenberg-Gietl-Verlag nach der Übernahme des Buch- und Kunstverlags Oberpfalz diese Unterstützung fortsetzt.

Eine ganz wichtige Rolle im Tirschenreuther Netzwerk nimmt Annegret Dworschak aus dem Vorzimmer des Landrats ein. "Sie ist die erste Anlaufstelle für Menschen, die Probleme haben, die in Not sind, die Hilfe brauchen, und die sich dafür auch oft schämen. Manche schütten ihr das Herz aus und laden Kummer bei ihr ab", wusste Edith Lippert.

Sie habe dabei eine gute Menschenkenntnis entwickelt und könne so manches Detail an der Nasenspitze der Menschen ablesen. "Zwölf Jahre haben wir gemeinsam die notwendigen Hilfen organisiert. Dazu haben wir jeden Wochentag, außer im Urlaub, telefoniert. 5 Mal in der Woche, 45 Wochen im Jahr, 12 Jahre lang - also etwa 3000 Mal. Meistens länger als fünf Minuten, manchmal auch mehrfach am Tag", bilanzierte Edith Lippert.

Wichtig seien dabei stets praktikable, schnelle und zielführende Lösungen gewesen. "Wir haben nachgefragt, hinterfragt, überprüft, überlegt und abgewogen und dann so schnell wie möglich gehandelt und geholfen. "Und wir sind uns dabei immer einig gewesen." Sie habe in den zwölf Jahren viel Kummer und Leid gehört. Manche Notsituationen und Schicksale seien sehr nahe gegangen und hätten sie nachhaltig beschäftigt. "Umso größer war die gemeinsame Freude über die gelungene Unterstützung, über den Lichtblick, den wir den Betroffenen gewähren konnten. "Liebe Annegret, diese 12 Jahre haben uns zusammengeschweißt. Wir sind ein echtes und gutes Lichtblicke-Team oder, wie man auf neudeutsch sagt, ein ,Dream-Team' gewesen. Dafür danke ich Dir von ganzem Herzen."

"Und wenn es um Geld geht, braucht man einen Finanzminister", so Edith Lippert weiter. Von Anfang an bis 2015, also 16 Jahre lang, habe der "Hecht-Sepp" die Finanzen verwaltet und alle Einnahmen und Ausgaben hieb- und stichfest dokumentiert. Vor fünf Jahren habe Walter Brucker diese Funktion übernommen. Alle Vorgänge seien nachvollziehbar und rechtlich abgesichert.

Die Tirschenreuther Schirmherrin Edith Lippert legte zum Abschied imposante Zahlen vor. 630.000 Euro wurden für Bedürftige aus dem Landkreis, die unverschuldet in Not geraten sind, eingenommen. 610.000 Euro sind ausgehen worden. "Damit haben wir 3600 Lichtblicke ermöglicht, so Edith Lippert.

Die Kemnatherin kann sich noch genau erinnern, wie alles begann. "Gell, du weißt schon - Aktion Lichtblicke", hat der scheidende Landrat Karl Haberkorn am Wahlabend zu ihr gesagt, nachdem ihr Mann Wolfgang Lippert als Außenseiter überraschend die Wahl gewonnen hatte und feststand, dass sie die neue First Lady des Landkreises sein würde. "Natürlich wusste ich, dass es diese Aktion gibt, aber wie sie funktioniert und welche Aufgaben da auf mich zukommen, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar."

Nun gibt sie den Stab weiter an die nächste Landratsgattin. Claudia Grillmeier hat bei einer Besprechung im Landratsamt bereits signalisiert, dass sie bereit ist, die Schirmherrschaft zu übernehmen.

Mehr Informationen zur "Aktion Lichtblicke"

Hintergrund:

Unbürokratische und schnelle Hilfe

Redakteure des "Neuen Tags" haben 1994 die Aktion "Lichtblicke" ins Leben gerufen, um Menschen in der Region, die unverschuldet in Not geraten sind, schnell und unbürokratisch zu helfen. Seit 1999 gibt es "Lichtblicke" auch im Landkreis Tirschenreuth.

Wichtig ist dabei: Die Hilfsbedürftigen bekommen kein Bargeld, und es geht kein Geld für Verwaltungsaufwand verloren, da alle Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. Unterstützt werden vor allem Familien, alleinerziehende Mütter, kranke Kinder, ältere Mitbürger, Behinderte und Unfallopfer. Durch die Unterstützung der Aktion sollen Bedürftige ihr Leben wieder in den Griff bekommen. (wb)

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