28.02.2021 - 15:21 Uhr
KemnathOberpfalz

Einsame Kleintierzüchter

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Die Corona-Pandemie trifft auch die Kleintierzuchtvereine im Landkreis Tirschenreuth hart. Keine Ausstellungen, kein Austausch, keine Einnahmen. Die Angst, Mitglieder zu verlieren, ist groß. Ein Trend macht in Waldsassen Hoffnung.

Helmut Kopp ist Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins in Kulmain. In seinem Garten hält er verschiedene Tauben- und Hühnerrassen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Ein schlechtes Jahr liegt hinter der den Kleintierzuchtvereinen im Landkreis Tirschenreuth. Die Corona-Pandemie verhindert regelmäßige Treffen und Ausstellungen, es gibt so gut wie keine Einnahmen – laufende Kosten allerdings schon. Vorsichtig werden Termine geplant, und während es auf der einen Seite einen Mangel an Nachwuchszüchtern gibt, sorgt ein Trend in Waldsassen für einen kleinen Lichtblick.

„Das letzte Jahr war sehr schlecht“, sagt Helmut Kopp. Der Kemnather ist der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins Kulmain. Besonders der gemeinsame Austausch, das Fachsimpeln mit anderen, fehlt ihm. Einmal im Monat gab es ein solches Treffen, wöchentlich einen Taubenmarkt, auf dem die Tiere gehandelt wurden.

Fünf Mal "Geflügel to go"

Stillstand erlebt auch der Kleintierzuchtverein Waldsassen. „Für 2020 hatten wir schon alles vorbereitet und angemeldet“, blickt Vorsitzende Heike Suchanek zurück. Besonders auf den Kleintiermarkt im Mai hatten sie sich gefreut, „aber auch den mussten wir absagen“, sagt Michael Lang, der Zweiter Vorsitzender und Ausstellungsleiter ist.

Als kontaktfreie Alternative organisierte der Verein die Abholaktion „Geflügel to go“ – ein großer Erfolg. In diesem Jahr wird es fünf Geflügelverkäufe dieser Art geben. Der erste Termin ist am 18. April. Die Hühner können über den Kleintierzuchtverein vorbestellt werden. Viel vorgenommen hatte sich auch der Kleintierzuchtverein in Kulmain. „Das Dach muss erneuert werden“, sagt Kopp. Kleinere Tätigkeiten am Vereinsheim oder das Streichen des Ausstellungsraums wurden verschoben. „Alleine kommt man ja nicht weit“, sagt Kopp.

"Geflügel to go" in Waldsassen

Waldsassen

Rücklagen aus dem Vorjahr

„Ohne Feste und Veranstaltungen hat der Verein ein deutliches Minus gemacht“, sagt Suchanek. Der Unterhalt für das große Vereinsheim mit Ausstellungshalle wird auch mit Corona fällig. „Vom Mitgliedsbeitrag bleibt derzeit nicht viel übrig“, sagt sie. Ähnlich ist die Situation auch in Kulmain. „Tauben, Geflügel und Kaninchen müssen weiterhin geimpft werden“, sagt Helmut Kopp. Hinzu kommen die Abgaben an den Dachverband. Ohne weitere Einnahmen zehrt man auch hier von den Rücklagen aus dem Vorjahr.

Es gibt noch ein weiteres Problem: „Die Lust am Hobby geht verloren“, stellt Helmut Kopp fest. „Wenn man sich nicht treffen und keinem seine Tiere zeigen kann, sinkt das Interesse“, so Kopp. Er befürchtet, dass manche Vereinsmitglieder in Zukunft gar nicht mehr dieser Leidenschaft nachgehen. Auch um den Nachwuchs hat er Angst. Durch das Reduzieren von Kontakten sind Kinder und Jugendliche seltener bei den Großeltern, die sie für die Kleintierzucht begeistern könnten.

Platzmangel bei den Züchtern

Die Bewertung der Tiere auf Lokal- oder Kreisschauen ist für Heike Suchanek ein wichtiger Punkt. „Der Zuchterfolg eines Jahres wird auf den Ausstellungen ermittelt“, sagt sie. Preisrichter sehen und bewerten die Tiere. Vor allem für Neueinsteiger sind solche Bewertungen wichtig, denn „am Anfang kann man noch nicht einschätzen, ob die Tiere gut sind“. Auch bieten solche Veranstaltungen die Möglichkeit, die eigenen Tiere weiterzuverkaufen. „Die Ställe der Züchter sind voll“, sagt sie. Manche verkaufen ihr Geflügel auf der Tierbörse vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter. Manche Nachzuchten wurden auch geschlachtet.

Hoffnung Hobbygeflügelhalter

Trotz der vielen Probleme und Einschränkungen, die die Pandemie mit sich bringt, gibt es in Waldsassen einen Hoffnungsschimmer. „Es gibt deutlich mehr Hobbygeflügelhalter“, sagt Heike Suchanek. Viele melden sich beim Kleintierzuchtverein, um sich über die Hühnerhaltung zu informieren. Hühner müssen in regelmäßigen Abständen geimpft werden. „Diesen Impfstoff können sie bei uns bekommen“, sagt Suchanek. 35 Hobbygeflügelhalter waren beim letzten Impfen dabei, und „fast alle sind unserem Förderverein beigetreten“, sagt sie. Das steigende Interesse am Geflügel, aber auch an Kaninchen freut die Vorsitzende. „Aus den Neulingen können neue Züchter hervorgehen, die uns auf Kreis-, Landes-, oder sogar Bundesschauen vertreten“, sagt Suchanek.

Helmut Kopp und Heike Suchanek hoffen, dass es bald Lockerungen geben wird. „Sobald wir wieder dürfen, werden wir etwas anbieten“, sagt Suchanek. Beide freuen sich bereits jetzt auf die kommenden Ausstellungen und Taubenmärkte. „Ich möchte möglichst viele Züchter erhalten, die Vielfalt macht die Kleintierzucht zu etwas besonderem“, sagt Kopp.

Michael Lang und Heike Suchanek stehen vor dem Vereinsheim des Kleintierzuchtvereins Waldsassen.
Helmut Kopp hält rund 40 Tauben in einer großen Voliere.
Michael Lang und Heike Suchanek stehen vor dem Vereinsheim des Kleintierzuchtvereins Waldsassen.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.