11.08.2019 - 12:42 Uhr
KemnathOberpfalz

Falscher Arzt: Gutachten abwarten

Über 200 Patienten hat ein falscher Arzt im März und April 2018 im Kemnather Krankenhaus behandelt. Die Akten dazu sichtete seit geraumer Zeit die Staatsanwaltschaft Weiden. Etwa 20 bis 30 davon lässt sie nun näher prüfen.

Als Assistenzarzt kümmert sich ein 36-Jähriger in seinen Nachtschichten um Patienten am Kemnather Krankenhaus. Nach zwei Monaten kommt heraus, dass der Libyer seine Approbation gefälscht hat.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Wie Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mitteilt, haben die von dem falschen Mediziner behandelten Patienten in diesen Fällen Strafantrag, der "in Richtung Körperverletzung zielt", gestellt. Genau geprüft werden aber auch die Unterlagen über Patienten, die im Nachhinein verstorben seien. Das bedeute jedoch nicht, dass deren Tod im konkreten Zusammenhang mit der Tätigkeit des 37-jährigen Libyers, der in Kemnath als Assistenzarzt beschäftigt war, stehe und "auch nicht, dass seine Behandlung falsch war im medizinischen Sinne", betont Schäfer.

Zur juristischen Aufarbeitung der Vorgänge in Kemnath seien "viele Patienten angeschrieben worden, und von einigen sind Rückmeldungen gekommen". Wie der Leitende Oberstaatsanwalt erläutert, sei ihnen überlassen worden, ob sie Strafantrag stellen. Denn im Prinzip sei jeder ärztliche Eingriff, auch das Setzen einer Spritze, eine Körperverletzung. Diesem habe der Patient zwar eigentlich zugestimmt, jedoch gelte die Einwilligung nur gegenüber einem zugelassenem Arzt.

Das trifft auf den 37-Jährigen nicht zu, dennoch "muss man schauen, wie man damit umgeht und was hier für Fälle übrig bleiben", erklärt Schäfer. Denn: "Wenn die Spritze in Ordnung war, dann ist der Fall nicht viel wert."

Bei den Todesfällen "gibt es bis jetzt keine konkreten Anhaltspunkte" für eine Fehlbehandlung, stellt er nochmals heraus. "Wir werden aber nichts ungeklärt" und alles medizinisch begutachten lassen, versichert Schäfer. Wenn ein Arzt "unter falscher Flagge unterwegs ist", müsse man sich alles "möglichst umfassend anschauen". Für eine Ausweitung der Untersuchung hinsichtlich Verfehlungen seitens des Krankenhauses gebe es keinen Anlass, fügt er hinzu.

Der Libyer hat sich nicht nur in Kemnath, sondern unter anderem auch in Kassel und einer Klinik in Hessen mit gefälschten Dokumenten Anstellungen als Mediziner erschlichen. Dafür hat ihn das Landgericht in Kassel Ende Juli zu fünf Jahren Haft und zur Rückzahlung von 22000 Euro, die er mit seiner Arzttätigkeit verdient hatte (wir berichteten), verurteilt.

Das Urteil in Kassel

Kemnath

Laut Schäfer ist der Mann damit nach seinem Kenntnisstand hauptsächlich wegen Betrugs und somit wegen des "finanziellen Aspekts" abgeurteilt worden. Sollte es in den Akten bei der Weidener Staatsanwaltschaft einen "heftigen" Fall gegeben, bei dem der 37-Jährige "was falsch gemacht hat, was möglicherweise zum Tod geführt hat", dann werde dies "auch hier verfolgt werden". Bis allerdings alle Gutachten vorliegen, werden nach Schäfers Einschätzung "eher noch ein paar Monate" vergehen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.