23.01.2020 - 12:56 Uhr
KemnathOberpfalz

Frühe Hilfen für Eltern mit Kind

Gerade für junge Familien kann es herausfordernd sein, sich nach der Geburt in einem Alltag mit Kind zurechtzufinden. Bei Problemen ist die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) im Landkreis Tirschenreuth die richtige Anlaufstelle.

Sozialpädagogin Christina Ponader, die KoKi-Ansprechpartnerinnen Pia Kürschner und Marianne Fütterer sowie die Leiterin des Familienzentrums Mittendrin, Jessika Wöhrl-Neuber (von links) sorgen dafür, dass Familien schnelle Hilfen erhalten.
von Alicia FuchsProfil

Die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) bündelt im Landkreis alle Angebote und Hilfen für Schwangere und Familien mit Kleinkindern. So vermitteln die Mitarbeiter jeden an die für ihn passende Adresse weiter. Bei einem größeren Hilfebedarf sind die Mitarbeiter Türöffner für Anschlussstellen. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf präventiver, freiwilliger und niederschwelliger Unterstützung.

Teile des Netzes sind unter anderem Familienhebammen, Kinderkrankenschwestern, Beratungsstellen für Mütter sowie Kommunen. Jeder Ort im Landkreis hat deshalb einen Ansprechpartner als Bindeglied zwischen Familien, Gemeinden und Landratsamt. Eine wichtige Aufgabe ist zudem, über die vielfältigen Möglichkeiten zu informieren. Dazu besuchen KoKi-Vertreter zum Beispiel Geburtsstationen und klären Mütter nach der Entbindung über die Arbeit der Kinderschutzstelle auf. In ihrer Gemeinde erhalten junge Familien zudem Willkommenspakete und Einladungen zu Baby-Begrüßungstreffen.

Große und kleine Dienste

Seit der Landkreis diese Clearing-Stelle 2010 eingerichtet hat, hat sich vieles getan. Jedoch scheuen sich Eltern teilweise noch, die Unterstützung anzunehmen. "Leider halten viele Menschen das Jugendamt bis jetzt für etwas eher Negatives", bedauert KoKi-Ansprechpartnerin Marianne Fütterer. Die Stelle unterstützt alle Schwangeren sowie Eltern von Kindern bis drei Jahren, bis sich der Familienalltag eingependelt hat. Sowohl große als auch kleine Hilfeleistungen werden geboten: von sozialpsychischen Diensten sowie Sucht- und Schwangerenberatung bis hin zu Tipps zum Beruhigen, Füttern und Baden eines Kindes. Rat können die Hilfesuchenden persönlich oder telefonisch einholen. Für die Mitarbeiter besteht Schweigepflicht. "Vertrauen ist die Basis unserer Arbeit", betonen Fütterer und ihre Kollegin Pia Kürschner. Der Landkreis Tirschenreuth arbeitet mit dem Landkreis Neustadt/WN und der Stadt Weiden zusammen, insgesamt sind fünf Frauen und ein Mann Teil davon.

"Hauptsächlich engagieren sich Frauen in diesem Gebiet, aber die Mischung macht's", findet Fütterer. "Gerade in letzter Zeit wenden sich vermehrt Väter an uns, die merken, dass ihre Partnerinnen Hilfe mit dem Kind brauchen", ergänzt Kürschner. "Uns ist es wichtig, dass die Hilfsangebote in der Fläche ankommen, zum Beispiel über Einrichtungen wie das Familienzentrum Mittendrin in Kemnath", sind sie sich einig.

Dort kümmern sich neben etwa 30 Ehren- auch Hauptamtliche auf die unterschiedlichsten Arten um Familien. Entstanden ist diese Konstellation durch eine dreieinhalbjährige ehrenamtliche Elterninitiative. Der Träger des Zentrums, die Stadt Kemnath, hatte zunächst nur eine Stelle für zehn Stunden dafür vorgesehen. Mittlerweile sind 40 Arbeitsstunden auf mehrere Personen verteilt, Freiwillige nicht eingerechnet. Eine der Arbeitsstellen, die Deborah Bregler, eine engagierte junge Frau mit Gehbehinderung, innehat, ist zudem inklusiv. Viele fleißige Hände ermöglichen somit ein regelmäßiges buntes Programm. Dazu gehören unter anderem Vortragsreihen über Themen wie Schlafen oder Ängste bei der Erziehung. Die Veranstaltungen schaffen so auch Platz für Selbsthilfe, da sie als Podium zum gemeinsamen Diskutieren dienen.

Der Kemnather Treffpunkt bietet nicht nur Fachvorträge, sondern auch Sportstunden, Massagen sowie Veranstaltungen zur Ernährung. Auch Mütter mit postnatalen Depressionen können frühzeitig Hilfe finden. "Durch die Teilnahme an unseren Terminen lernen sie, sich wieder zu aktivieren und ihr Selbstwertgefühl zu pushen, eine Win-win-Situation", meint Mittendrin-Leiterin Jessika Wöhrl-Neuber.

Einfach mal rauskommen

Neue soziale Netzwerke knüpfen Mütter und Väter in letzter Zeit vermehrt in Familiencafés. "Vor allem geht es uns auch darum, dass Eltern mal aus dem Haus kommen, sich mit anderen vernetzen, sich gegenseitig stützen und sich über ihren Alltag austauschen können", sagt Wöhrl-Neuber. Die Mischung aus Kursstunden und offenen Treffen unterscheidet das Mittendrin so zum Beispiel von Krabbelgruppen, da die Teilnahme unverbindlicher ist. "Auf keinen Fall soll unser Programm aber in Konkurrenz zu Eltern-Kind-Gruppen oder kirchlichen Familienangeboten im Umkreis stehen", betont die Leiterin.

Die Verantwortlichen möchten sich mit anderen vernetzen, Synergieeffekte schaffen und Ziele gemeinsam verfolgen. So könne sich jede Familie genau das aussuchen, was sie gerade brauche,

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