14.07.2019 - 18:14 Uhr
KemnathOberpfalz

Großeinsatz auf dem Milchhof

Bei Wartungsarbeiten an einer Ammoniakanlage kommt es zu einem schwerwiegenden Unfall. Mehrere Menschen werden verletzt, eine Person wird vermisst. 113 Einsatzkräfte rücken aus. Es spricht sich schnell herum: Der Milchhof ist das Ziel.

Mit gasdichten Vollkörperschutzanzügen und schwerem Atemschutz ausgerüstet schließt ein CSA-Trupp Ventile und verhindert so weiteren Ammoniakaustritt aus der Leck geschlagenen Leitung.
von Michael DenzProfil

Rasch macht sich jedoch beim Milchhof bei den Passanten Erleichterung breit. Es handelt sich beim Großeinsatz nur um eine Übung. Feuerwehr und Rotes Kreuz proben bei einem Gefahrstoffeinsatz auf dem Betriebsgelände den Ernstfall. Mit der Alarmmeldung "Geruch nach Ammoniak" beordert die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz gegen 18.45 Uhr am Freitagabend die Einsatzkräfte in die Amberger Straße zum Betriebsgelände in Kemnath. Ein Mitarbeiter der Käserei hatte den Notruf abgesetzt. Der Monteur einer Wartungsfirma vermisst einen Kollegen. Er berichtet, dass es bei Arbeiten an einer großen Ammoniakanlage zu einem Unfall gekommen sei und Gas ausströme.

Die Leitstelle alarmiert weitere Kräfte der Feuerwehren und des BRK nach. Ein Atemschutztrupp dringt in die Technikräume vor. Aufgrund vorhandener Objekt- und Einsatzpläne werden die Schadstelle im Betriebsgebäude und die vermisste Person schnell gefunden. Der Mitarbeiter wird ins Freie gebracht. Der direkte Zutrittsbereich zur Unfallstelle wird abgeriegelt, eine Schlauchleitung zur Wasserversorgung aus dem Leitungsnetz aufgebaut und die Einsatzleitung im Mehrzweckfahrzeug der Kemnather Wehr eingerichtet. Vor dem Gefahrenbereich bauen die Wehren Kemnath und Kötzersdorf einen Dekontaminationsplatz auf.

Über einen Korridor verlässt der erweiterte Atemschutztrupp mit der geretteten Person im Tragetuch den Gefahrenbereich. Der Mitarbeiter wird mit Wassersprühstrahl dekontaminiert. Medizinisch ausgebildete Feuerwehrleute übernehmen die Versorgung. Zeitgleich rüsten sich Atemschutzgeräteträger mit gasdichten Chemikalienschutzanzügen (CSA) aus. Ein CSA-Trupp dringt in den Gefahrenbereich vor, um die weitere Lage zu erkunden.

Mit einer Tragkraftspritze entnehmen die Aktiven aus dem Bach Wasser und bauen eine Versorgungsleitung auf, um austretende Dämpfe niederschlagen zu können. Die Feuerwehren Löschwitz, Fortschau-Kuchenreuth, Höflas bei Kemnath und Kastl bei Kemnath bauen mit einem "Hydroschild" eine Wasserwand gegen die giftigen Gasdämpfe des wasserlöslichen Ammoniaks auf, um eine Ausbreitung auf das Wohngebiet zu verhindern.

Schließlich kann die Leckstelle an der Leitung durch die ersten beiden CSA-Kräfte ausfindig gemacht und durch das Schließen von Ventilen ein weiterer Austritt an Ammoniak verhindert werden. Auf dem Betriebshof finden die Brandschützer eine weitere Person, welche über Kopfschmerzen und Übelkeit klagt. Als es zum Unfall an der Ammoniakanlage kam, befand sich diese im Vorraum und war mit Umfüllarbeiten beschäftigt. Dabei gelangten Säurespritzer auf die Unterarme der Mitarbeiterin. Zudem teilte diese mit, dass das Fass noch offenstehe. Die Floriansjünger, darunter medizinisch ausgebildete, übernehmen die Erstversorgung und Betreuung und lagern die "Verletzte" auf einer Trage. Kräfte der BRK-Bereitschaft Kemnath, welche mit dem Sonderfahrzeug des Fachdienstes CBRN(E) unter der Leitung von Markus Heining angerückt sind, kümmern sich um die weitere Versorgung der "Verletzten" sowie ihre Nassreinigung.

Der CSA-Trupp findet im Technikbereich des Betriebsgebäudes das offene Fass. Kräfte der Einsatzleitung um den Kemnather Kommandanten Peter Denz, den ABC-Fachberater der Kemnather Feuerwehr, Marcel Schraml, die Führungsassistenten Norbert Weismeier und Florian Braunreuther (Zugführer) sowie Gruppenführer Christian Schmid werten Stoffnummern und Gefahrenhinweise mit Hilfe von Nachschlagewerken aus. Auch ein Windmesser kommt zum Einsatz. Durch das Schließen des Fasses kann eine weitere Gefährdung ausgeschlossen werden.

Im weiteren Verlauf wird angenommen, dass ein CSA-Träger des ersten Trupps zusammenbricht. Ein Kollege setzt eine Notfallmeldung ab. Daraufhin eilt ein weiterer CSA-Trupp unter Vollkörperschutzanzügen dem Kollegen zur Hilfe und lagert mit dem Sicherheitstrupp den am Boden liegenden CSA-Träger in eine Schleifkorbtrage um. Schnellstmöglich geht es wieder aus dem Gefahrenbereich zur Dekontamination des Verunfallten. Die weitere Behandlung übernimmt das BRK.

Bei der Nachbesprechung auf dem Betriebshof gibt es von den Verantwortlichen der Bayernland eG Wurstsemmeln und Käse sowie Limonaden. Als Übungsbeobachter fungierten Kreisbrandinspektor (KBI) Otto Braunreuther und Kreisbrandmeister Alois Schindler. Von der Bayernland waren neben mehreren Mitarbeitern, welche als Verletzte und Beobachter mitwirkten, auch Sicherheitsbeauftragter Robert Venzl und Werksleiter Richard Schaller vertreten. Sie dankten für die Übung und lobten den professionellen, zügigen Ablauf.

Im Ersteinsatz geht ein erweiterter Trupp unter umluftunabhängigem Atemschutz zur Personensuche und -rettung in den Gefahrenbereich vor. Nach kurzer Zeit ist der vermisste Monteur einige Meter von der Leckagestelle entfernt aufgefunden. Die Atemschutzgeräteträger "retten" die Person.
Mit gasdichten Vollkörperschutzanzügen und schwerem Atemschutz ausgerüstet schließt ein CSA-Trupp Ventile und verhindert so weiteren Ammoniakaustritt aus der Leck geschlagenen Leitung.
Kommandant und Einsatz(Übungs-)leiter Peter Denz (gelbe Weste) koordiniert die anrückenden Einsatzkräfte. Einsatzabschnitte werden gebildet. Im Mehrzweckfahrzeug wird der Führungsstab eingerichtet.
Feuerwehreinsatzkräfte betreuen die "verletzten Personen" und übergeben diese an den Fachdienst des BRK Kemnath.
Auch das muss beübt werden: Ein CSA-Träger ist verunfallt. Alleine kann der Truppkollege den "hilflosen Kameraden" nicht ins Freie retten. Er gibt schließlich eine Notfallmeldung über Funk ab und fordert den Sicherheitstrupp zur Rettung an.
Der Sicherheitstrupp, ebenfalls mit Chemikalienschutzanzügen (CSA) ausgerüstet, begibt sich in den Gefahrenbereich um den verunfallten Kameraden zu retten. Dazu wird auch eine Schleifkorbtrage als Transportmittel mitgenommen.
Zügig wird der verunfallte CSA-Träger am Unfallort abgecheckt und eine Lagebeurteilung mit dem Truppkollegen des in Not geratenen Kameraden abgehalten.
Der Sicherheitstrupp und der Kamerad des "verunfallten" CSA-Trägers führen die Rettung durch.
Der Sicherheitstrupp und der Kamerad des "verunfallten" CSA-Trägers führen die Rettung durch.
Zügig wird eine Dekontamination des verunfallten CSA-Trägers durchgeführt. Anschließend wird der Vollkörperschutzanzug geöffnet und der Kamerad medizinisch versorgt.
Am Dekonplatz wird durch den "Schmutzigmann" die Nassreinigung der CSA-Träger durchgeführt. Der "Saubermann" (vorne links mit weisser Weste) bereitet sich vor, um den dekontaminierten CSA-Träger aus dem Vollkörperschutzanzug zu helfen.
Einsatzkräfte des BRK-Fachdienstes CBRN(E) führen die Ganzkörper-Nassreinigung eines "Verunfallten" durch.
113 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rotem Kreuz übten den Ernstfall auf dem Betriebsgelände des "Kemnather Milchhofes".
Feuerwehreinsatzkräfte, darunter auch medizinisch ausgebildete, versorgen und betreuen eine Person.

 

 

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