Kemnath
12.05.2019 - 12:13 Uhr

Historischer Bau in neuem Glanz

Generalsaniertes Kemnather Rathaus bekam kirchlichen Segen

Den ökumenischen Segen spendeten die Pfarrern Dirk Grafe (l.) und Konrad Amschl Bild: stg
Den ökumenischen Segen spendeten die Pfarrern Dirk Grafe (l.) und Konrad Amschl
Äußerst gut besucht war der Festakt zur Einweihung des generalsanierten Kemnather Rathauses Bild: stg
Äußerst gut besucht war der Festakt zur Einweihung des generalsanierten Kemnather Rathauses
Bürgermeister Werner Nickl tauchte in seiner Rede auch tief in die wechselvolle Geschichte des Kemnather Rathauses ein Bild: stg
Bürgermeister Werner Nickl tauchte in seiner Rede auch tief in die wechselvolle Geschichte des Kemnather Rathauses ein

Zweieinhalb Jahre wurde das Gebäude generalsaniert, seit Samstagvormittag hat das Kemnather Rathaus auch den kirchlichen Segen. In einem Festakt ließ Bürgermeister Werner Nickl die Rathaus-Geschichte sowie 5,5 Millionen-Euro-Maßnahme Revue passieren.

Passender hätte der Termin nicht sein können: Am bundesweiten „Tag der Städtebauförderung“ spendeten die beiden Geistlichen Pfarrer Konrad Amschl und sein evangelischer Amtsbruder Dirk Grafe den ökumenischen Segen für das historische Gebäude am Kemnather Stadtplatz. Zum Festakt im neuen Sitzungssaal konnte Bürgermeister Werner Nickl die geladenen Gäste so zahlreich begrüßen, dass auch im Vorraum des Saales viele Besucher versammelt waren.

„Die Einweihung des generalsanierten Rathauses ist der Abschluss eines beinahe zehn Jahre währenden Prozesses, der mit dem heutigen Tag einen krönenden Abschluss erhält“, betonte der Bürgermeister. Zurückblickend auf die über 1000-jährige Geschichte der Stadt Kemnath habe es wohl schon immer ein Rathaus gegeben. Früher bestand es wohl, wie damals überall auf dem Land, im Wohnzimmer des jeweiligen Bürgermeisters, später in eigenen Gebäuden. In der Geschichte der Stadt nachverfolgbar sei der Standort des Rathauses in der Mitte des Stadtplatzes, dort wo heute die Sebastianssäule stehe. Dieses Rathaus sei 1574 errichtet worden.

Nickl erinnerte an den Stadtbrand 1848, dem auch dieses Gebäude zum Opfer fiel. Das neue Rathaus sei dann dort errichtet worden, wo heute das Zentrum Bayern Familie und Soziales beherbergt ist. „Es ist das wohl prächtigste Gebäude auf unserem Stadtplatz“, betonte der Bürgermeister.

Offensichtlich habe man es wohl aus Geldnot im Jahr 1898 an die staatliche Justiz verkauft, die Ratsherren und die Verwaltung zogen in das so genannte „Alte Rathaus“, wo heute die städtische Bücherei und das Familienzentrum der Stadt Kemnath untergebracht sind. „Das heutige Rathaus, also das Haus, in dem wir uns befinden, wurde als Bezirksamt im Jahr 1823 neu erbaut und um 1900 neuklassizistisch überformt“, berichtete Nickl. Es wurde zum Landratsamt des Landkreises Kemnath, nach der Landkreisreform zog 1978 die neu gegründete Verwaltungsgemeinschaft Kemnath ein. „Außerdem war die Außenstelle des Landratsamtes mit der Kfz-Zulassungsstelle, dem Sozialamt und einigen Sprechtagen im Haus angesiedelt und ist es bis heute noch, worüber wir und die Bürgerschaft der gesamten westlichen Region sehr dankbar sind“, so Nickl.

Konkrete Überlegungen gab es ab 2012, das Gebäude zu sanieren. Status damals war eine beengte finanzielle Situation der Stadt und keine Aussicht auf Förderungen. Begonnen wurden die Überlegungen mit einem Kostenaufwand von etwa 500.000 Euro. – „quasi wieder viel Farbe und wenig Umbau“. Nickl schilderte, wie im Laufe der folgenden Jahre das Thema Rathaussanierung immer wieder diskutiert und mit neuen Aspekten angereichert wurde. Ende 2015 sei man dann bereits bei einer Kostenschätzung von 4,1 Millionen Euro gelandet – „eindeutig zu viel für den städtischen Haushalt, ohne jegliche Förderung“, blickte Nickl zurück.

Die Wende habe dann die Städtebauförderung gebracht, Gespräche mit der Regierung der Oberpfalz zeigten, dass eine Förderung mit bis zu 1,3 Millionen möglich wäre, nachdem es sich um ein Einzeldenkmal auf dem ensemblegeschützten Bereich des historischen Stadtplatzes handele. „Das war schon mal ein großer Lichtblick“, sagte der Rathaus-Chef. Als dann noch im Jahr 2015 das Kommunale Investitionsprogramm (KIP) ausgeschrieben wurde, in dem besonders die Themen Energieeinsparung und Barrierefreiheit gefördert wurden, habe man sich sofort um diese Förderung beworben: „Unsere Pläne lagen ja bereits quasi schon fast fertig in der Schublade!“

Die Baustelle mit dem höchsten Investitionsaufwand, den die Stadt Kemnath jemals hatte, lag bei insgesamt 5,5 Millionen Euro. Die Gesamtförderung – neben den beiden genannten dicksten Brocken – summierte sich Dank Geldern der Landesstiftung, des Bezirks und des Landkreises auf 3,1 Millionen Euro. So verblieb für die Kommune ein Eigenanteil in Höhe von 2,4 Millionen Euro. Nickl erinnerte, dass in der Zeit der Generalsanierung ein Komplettumzug der Verwaltung nötig war. „Fündig wurden wir letztendlich in der Wunsiedler Straße bei der Firma Elemar, die das Büro- und Produktionsgebäude aufgaben. Die Räumlichkeiten waren perfekt geeignet“, so Nickl.

Nach zweieinhalb Jahren sei nun ein Gebäude entstanden, das allen Anforderungen an Modernität, Funktionalität, neuste Technik, Energetik und Barrierefreiheit sowie alle Anforderungen an einen modernen Arbeitsplatz erfülle. Abschließend dankte Nickl allen Beteiligten – es wurde eine lange Liste – die zum Gelingen der Generalsanierung beigetragen hatten (weiterer Berichte folgen).

 
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