16.04.2019 - 11:14 Uhr
KemnathOberpfalz

Humor kann helfen

Was macht man, wenn man eine Mutter hat, die manchmal ganz verrückte Ideen hat? Die ihr Kind im Pyjama von der Schule abholt und fünf Eisbecher auf einmal bestellt? Darüber diskutierten Fachkräfte und Interessierte beim Filmgespräch.

Christina Ponader (stehend) leitete beim Filmgespräch die Diskussion, an der sich auch Gerlinde Zölch, Reinhard Schön, Egon Giehl und Hans Stelzl beteiligten (sitzend von rechts).
von Josef ZaglmannProfil

Die neunjährige Bonnie hat's manchmal nicht leicht, denn ihre Mutter ist manisch depressiv und leidet unter extremen Stimmungsschwankungen. Aber die Tochter lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Ihre Oma unterstützt sie. Sie ist auch an schlechten Tagen da, wenn sich ihre Mutter im Bett verkriecht und sich weigert, jemals wieder aufzustehen. Als die Großmutter plötzlich bei einem Unfall stirbt und ihre ordnende Hand fehlt, muss die kleine Bonnie die Verantwortung in ihrer Familiengemeinschaft mit der psychisch instabilen Mutter ganz allein tragen. Das Jugendamt will die Tochter ihrer "übergeschnappten" Mutter entreißen und in ein Heim stecken. Bonnie aber will eine richtige Familie, improvisiert, was das Zeug hält, und begibt sich auf die Suche nach einem Mann für Mama.

"Übergeschnappt - Flügel wachsen sehen" war der Titel dieses preisgekrönten holländischen Films, der voll verrückter und manchmal fast märchenhafter Ideen und Wendungen war. Es war ein unterhaltsamer und humorvoller Film, der auf recht sensible Weise Einblicke in eine etwas andere Familie gab. Leider waren nur 14 Personen zu dieser ungewöhnlichen Filmvorführung ins Foyer der Mehrzweckhalle gekommen.

Eingeladen hatte dazu das Netzwerk Inklusion im Landkreis Tirschenreuth mit der Katholischen Erwachsenenbildung, dem Evangelischen Bildungswerk Oberpfalz und der Beratungsstelle für seelische Gesundheit Weiden-Neustadt-Tirschenreuth. Nach der Filmvorführung luden Christina Ponader vom Netzwerk Inklusion und Gerlinde Zölch von der Beratungsstelle für seelische Gesundheit zu einem Filmgespräch ein.

"Auf recht heitere und unkonventionelle Weise greift der ungewöhnliche Film ein schwieriges Thema auf, nämlich das Zusammenleben von Kindern mit psychisch kranken Eltern", war die Meinung der Zuschauer. "Leider hat die manisch depressive Mutter ihre Medikamente nicht regelmäßig genommen", bedauerten sie. "Nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Angehörigen müssen in derartig schwierigen Familiensituationen unterstützt werden", forderte Zölch. Alle müssten lernen, mit der Krankheit zu leben. Hier könne eine gesunde Portion Humor oft hilfreich sein. An der Diskussion beteiligten sich auch Hans Stelzl von der KEB, Behindertenbeauftragter Reinhard Schön und Diakon Egon Giehl.

"Der Alltag mit einer psychischen Erkrankung ist oft sehr schwer", betonte Zölch. Wenn es zusätzlich gilt, eine Familie zu versorgen und den Bedürfnissen eines oder mehrerer Kinder gerecht zu werden, seien oft schnell die Grenzen der Belastbarkeit erreicht. Eltern und Kinder wünschten sich Entlastung, neue Kräfte, umsetzbare Hilfestellungen und Zuversicht für eine gemeinsame Zukunft.

"Dafür hat unsere Beratungsstelle eine neues Kursangebot entwickelt", gab sie bekannt. "Das Miteinander stärken" soll die Betroffenen auf diesem Weg unterstützen. Der Kurs ist unterteilt in einen Grund- und einen Aufbaukurs mit je vier Einheiten. Anmeldungen bei der Beratungsstelle für seelische Gesundheit, info[at]sodi-tirschenreuth[dot]de. Hier kann auch ein unverbindliches Vorgespräch vereinbart werden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.