23.05.2019 - 08:00 Uhr
KemnathOberpfalz

Innovativ und effizient

Als "Energiedemonstrationsvorhaben" gefördert: Die Firma "Ponnath - Die Meistermetzger" setzt in Kemnath mit BHKW auf neue Energieversorgung.

Norbert Weismeier (links) ist der Beauftragte für das Energiemanagement im Unternehmen.
von Holger Stiegler (STG)Profil
Das BHKW der Firma "Ponnath - die Metzgermeister" ist in diesem Gebäudeanbau an die Produktion untergebracht.

Wurst- und Schinkenspezialitäten, insbesondere Weißwürste, Wiener und Leberkäse - dafür ist das Kemnather Traditionsunternehmen "Ponnath - Die Meistermetzger" deutschlandweit bekannt. Der Betrieb mit seinem Hauptsitz in der nördlichen Oberpfalz ist aber darüber hinaus auch ein innovativer Spitzenreiter im Bereich der Energieversorgung - belegt durch die Verleihung des Bayerischen Energiepreises 2018 des Bayerischen Wirtschaftsministeriums sowie die Auszeichnung für das "Blockheizkraftwerk des Jahres" im Jahr zuvor.

"Keine Frage: Wir sind ein energieintensives Unternehmen. Da braucht es auch eine individuelle Lösung", sagt Norbert Weismeier, Beauftragter für das Energiemanagement im Gesamtunternehmen. Neben dem Hauptstandort Kemnath gibt es weitere Standorte in Knetzgau, Nürnberg, Annaberg-Buchholz, Freiburg sowie im tschechischen Susice. Etwa 1500 Mitarbeiter sind im Gesamtunternehmen beschäftigt, die Jahresproduktion liegt bei ungefähr 52 000 Tonnen.

Das Energieprojekt der Firma Ponnath demonstriert, wie über eine Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung in der Lebensmittelproduktion eine hocheffiziente Versorgung mit Strom, Wärme, Dampf und Gefrierkälte erfolgen kann. Dass es diese Anlage am Standort Kemnath gibt, hat auch viel mit der Stadt Kemnath selber zu tun.

OTH-Kooperation

"Die Kommune hat gemeinsam mit Institut für Energietechnik der OTH Amberg-Weiden ein Energiekonzept für die Stadt entwickelt", berichtet Weismeier. In diesem Zusammenhang seien die Wissenschaftler der Hochschule dann auch auf Ponnath als energieintensives Unternehmen zugekommen und schließlich habe man vereinbart, ein individuelles und innovatives Konzept zu entwickeln und umzusetzen. "Vom Beginn der Planungen bis zur Inbetriebnahme sind etwa zweieinhalb Jahre vergangen", erklärt Weismeier.

Als "Herzstück" der Anlage kann das Erdgas-Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer elektrischen Leistung von knapp 1300 Kilowatt angesehen werden. Das Besondere des Energieverbunds besteht darin, dass aus diesem Blockheizkraftwerk sehr flexibel Wärme auf verschiedenen Temperaturniveaus ausgekoppelt werden kann: zum einen als Dampf für die Produktion sowie als Heizwärme, zum anderen umgewandelt in Kälte bis zu -10 Grad Celsius. "Dies wird über eine speziell entwickelte Absorptionskälteanlage erreicht, die mit der Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk angetrieben wird und Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt bereitstellen kann", so Weismeier.

So gelingt es in dem Betrieb, aus dem einen Medium Gas neben Strom und Wärme auch die elementar wichtige Kälte herauszuholen. In diesem Zusammenhang auch nicht unwesentlich: Mit der Anlage werden jährlich ungefähr 1800 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß vermieden. "Das entspricht einer Einsparung von rund 30 Prozent gegenüber der konventionellen Versorgung", freut sich der Verantwortliche für Energiemanagement. Erreicht wird ein Wirkungsgrad von über 90 Prozent.

Noch einen großen Vorteil bietet das System: Das Blockheizkraftwerk garantiert einen Notstrombetrieb, sodass bei einem Stromausfall die Versorgung des Werks innerhalb weniger Minuten wiederaufgebaut und die Kühlkette für die Lebensmittel aufrechterhalten werden kann.

Bayerischer Energiepreis

Der Energieverbund des Unternehmens hat Vorzeigecharakter, die Umsetzung des Vier-Millionen-Euro-Projekts wurde vom Bayerischen Wirtschaftsministerium als sogenanntes Energiedemonstrationsvorhaben finanziell gefördert. "Regelmäßig kommen Vertreter nationaler und internationaler Betriebe zu uns, um sich das System zeigen und erklären zu lassen", erläutert Weismeier.

Gerade der Aspekt der Energieeffizienz war dafür ausschlaggebend, dass im vergangenen Jahr der Bayerische Energiepreis an das Unternehmen verliehen wurde. Und auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist Weismeier mit der Anlage hochzufrieden: "Sie leistet das, was zuvor berechnet worden ist."

Wesentlicher Bestandteil des Energieverbundes: die Absorptionskälteanlage, sprich der „Kühlschrank“.
"Wertvoller Arbeitgeber":

Bei Ranking spitze

Die Firma "Ponnath - Die Metzgermeister" wurde jüngst im „Wirtschafts-Woche“-Ranking „Wertvoller Arbeitgeber“ im Landkreis Tirschenreuth mit dem 1. Platz ausgezeichnet. Die vom Beratungsunternehmen Service Value im Auftrag der Wirtschaftswoche durchgeführte Studie hat die Bewohner von 106 Landkreisen und 34 kreisfreien Städten in Bayern und Baden-Württemberg befragt, wie sie den Wert von insgesamt 3804 regionalen Arbeitgebern für das Gemeinwohl beurteilen. So beruht die Wahl eines Arbeitgebers mittlerweile auch verstärkt auf seinen Werten und seiner Reputation. Und von steigendem Interesse ist grundsätzlich, welchen Beitrag zum Gemeinwohl für die jeweilige Region ein Unternehmen leistet.

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