12.11.2019 - 13:18 Uhr
KemnathOberpfalz

Kemnath setzt auf barrierefreie Texte

Schwierigkeiten beim Lesen oder Verstehen von Texten haben auch im Landkreis Tirschenreuth viele Erwachsene. Das Seniorenzentrum in Kemnath zeigt, wie Einrichtungen und Personen Kommunikation und Textverständnis erleichtern können.

Für Einrichtungsleiterin Claudia Heier, Sozialpädagogin Christina Ponader und den stellvertretenden Pflegedienstleiter Kevin Wienerl (von rechts nach links) steht fest: Institutionen müssen alltägliche Texte so formulieren, dass jeder sie verstehen kann.
von Alicia FuchsProfil

Die Studie "Pisa für Erwachsene" in mehr als 20 Ländern zeigt: Etwa jeder sechste Erwachsene hat kein besseres Textverständnis als ein zehnjähriges Kind. Die Betroffenen verstehen somit nur kurze Texte mit einfachen Sätzen. Zudem können sie oft nicht die wichtigsten Informationen aus Schreiben herauslesen. Hinzu kommen zahlreiche Senioren, denen das Lesen schwer fällt.

Einfache Sprache

Im Landkreis Tirschenreuth gibt es ebenfalls viele erwachsene Bürger, die davon betroffen sind. Für sie ist die Verwendung verständlicher Sprache deshalb besonders wichtig. Einfachere Formulierungen helfen Menschen, die über Fachbegriffe stolpern, die gerade erst Deutsch lernen oder sich nur mit Mühe konzentrieren können.

Das BRK-Seniorenzentrum Haus Falkenstein in Kemnath legt deshalb viel Wert darauf, Informationen barrierefrei weiterzugeben. Bereits bei der Anfrage eines Heimplatzes steht einfache Sprache an erster Stelle. Auf der Homepage haben Interessierte zwei Möglichkeiten, sich einen Überblick über das Haus zu verschaffen: Mit Texten in deutscher Alltagssprache oder in leichter Sprache. Die Übersetzung hat der Landesverband des Roten Kreuzes vorgenommen. Die Sätze in einfacher Sprache sind kürzer, mehr Absätze sorgen unter anderem für eine bessere Übersicht.

Bei der Anfrage eines Heimplatzes legen Einrichtungsleiterin Claudia Heier und ihre Mitarbeiter viel Wert auf eine ruhige Beratung. Beim Einzug erhält jeder Bewohner eine Begrüßungsmappe, in der die wichtigsten Informationen festgehalten sind. Jeder, der im Haus Falkenstein wohnt, bekommt eine Karte mit den wichtigsten Telefonnummern. Die anfänglichen Bedenken im Hinblick auf die Datenschutzbestimmungen haben sich nach Rücksprache mit den zuständigen Stellen verflüchtigt. Aushänge und Informationsblätter zeigen den Senioren zudem, welche Veranstaltungen demnächst stattfinden und wann etwa der Friseur oder die Fußpflege ins Haus kommt.

Die Kommunikation der Senioren mit dem Personal ermöglicht der Heimbeirat, dem fünf Bewohner angehören. Ein Vorsitzender, ein Stellvertreter und drei Beisitzer dienen den gut Hundert Menschen, die in der Einrichtung wohnen, als Sprachrohr.

Neben den Angeboten, sich innerhalb des Hauses auszutauschen, sollen sich die Bewohner auch mit Menschen aus der Umgebung unterhalten können. "Wir legen viel Wert darauf, dass wir ein offenes Haus sind", betont Einrichtungsleiterin Claudia Heier.

Der Frauenbund sowie Singkreise sorgen bei ihren Besuchen regelmäßig für ein buntes Programm. So fördern die Beteiligten auch die Kommunikation zwischen dem Heim und der näheren Umgebung. Es gelangen dadurch Neuigkeiten in das Haus Falkenstein, und genauso erfahren die Kemnather etwas aus der Einrichtung.

Zeitungsrunden

Zu Veranstaltungen und Vorträgen, auch zum Thema "Einfache Sprache", sind die Bewohner Kemnaths und Umgebung eingeladen. Die Kemnather nehmen das Angebot gut an, immer wieder kommen Besucher zu den Aktionen des Seniorenzentrums. Neben dem persönlichen Kontakt sind die Zeitungsrunden eine weitere Möglichkeit, wie sich die Senioren über aktuelle Ereignisse informieren können. In Gruppen liest das Personal hier das interessanteste Geschehen aus der Region vor.

Einfache Sprache geht nicht nur Institutionen etwas an: Wenn Einzelpersonen und Einrichtungen zusammenarbeiten, kann man leichter Lösungen für Betroffene finden und Texte werden verständlicher.

Hintergrund:

Zum Thema "Inklusion im Landkreis" wirft der "Neue Tag" in einer neuen Serie einen Blick darauf, was Inklusion bedeuten kann. Dabei werden in Artikeln, die in unregelmäßigen Abständen erscheinen, beispielhaft verschiedene Einrichtungen und Personen vorgestellt, die zu einem inklusiven Landkreis beitragen.

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