17.07.2020 - 13:27 Uhr
KemnathOberpfalz

Kemnather Firma Ponnath „im Dauer-Hygienezustand“

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Hygiene wird bei dem Kemnather Unternehmen Ponnath Die Meistermetzger an sich schon sehr großgeschrieben. Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich dies mit der Einrichtung eines Krisenstabes intensiviert. Am Montag folgt der nächste Schritt

Rund 1400 Beschäftigte zählt die Firma Ponnath Die Meistermetzger an ihren sechs Produktionsstandorten – hier die Zentrale in Kemnath. Das Familienunternehmen mit über 325-jähriger Geschichte gilt als ältester Betrieb im Metzgerhandwerk in Deutschland.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Wer zum Interview mit Firmenchef Michael Ponnath und damit auf das Produktionsgelände will, meldet sich seit wenigen Monaten bereits außerhalb des Areals am Empfang an und muss dort erst einmal drei Fragebögen mit Hygieneregeln und Gesundheitsvorschriften studieren und ausfüllen. "Wir arbeiten hier in einem Dauer-Hygienezustand per se, das wurde in den letzten Monaten nochmals weiterentwickelt", berichtet Michael Ponnath.

Anders würde es wohl auch nicht gehen, dass das Unternehmen nicht nur auf eine über 325-jährige Geschichte zurückblicken kann (bis ins Jahr 1692), sondern auch als der älteste Betrieb im Metzgerhandwerk in Deutschland gilt. Ponnath führt das Unternehmen mit einer Jahresproduktion von etwa 52 000 Tonnen nun in zwölften Generation.

Abstimmung mit Gesundheitsamt

Als abzuschätzen war, dass Corona auch in Deutschland zum Problem wird, hat das Unternehmen reagiert. "Wir haben einen eigenen Corona-Krisenstab eingesetzt", berichtet der Chef. Es habe Abstimmungen mit dem Gesundheitsamt in Tirschenreuth gegeben, die Betriebsärztin sei in alle Entscheidungen integriert gewesen. Die Schichtleiter in den einzelnen Abteilungen hätten die Aufgabe gehabt, intensiv nach möglichen Corona-Symptomen bei Mitarbeitern Ausschau zu halten.

"Wir hatten keinen einzigen direkt festgestellten Corona-Fall in unserer ganzen Unternehmensgruppe mit Ausnahme einer vorübergehend abwesenden Mitarbeiterin", sagt Ponnath. Insgesamt gibt es etwa 1400 Festbeschäftigte an den sechs Standorten Kemnath, Knetzgau, Nürnberg, Freiburg, Annaberg-Buchholz sowie Susice in Tschechien. Bei wenigen Verdachtsfällen im Bekannten- und Verwandtenkreis sind laut Ponnath die entsprechenden Beschäftigten zu Hause geblieben.

Aufgrund der beginnenden Reise- und Urlaubszeit erfolgen ab sofort im Werk Kemnath bei den Mitarbeitern täglich Temperaturmessungen, außerdem gemeinsam mit dem Landratsamt Tirschenreuth ab der kommenden Woche eine Corona-Reihenuntersuchung im Rahmen der erweiterten Vorsorge. Aufgedeckte hygienische Mängel, die Arbeitsbedingungen meist osteuropäischer "Kolonnen" in Werkverträgen sowie massenhafte Corona-Infektionen in Schlacht- und Zerlegungsbetrieben haben in den vergangenen Wochen die ganze Fleischbranche in Verruf gebracht. "Ich denke, dass der Endverbraucher oftmals das Wissen über die Zulieferkette gar nicht hat", räumt Ponnath ein. Wahrscheinlich gebe es noch viele Verbraucher - auch aus der Region - die vermuteten, dass das Unternehmen Ponnath immer noch schlachte. "Die Zulieferkette hat sich über die vergangenen 30 Jahre so entkoppelt, dass wir uns komplett differenzieren von der Schlacht- und Zerlegebranche", erklärt Ponnath. Die Produktion in seinem Unternehmen sei seit über 25 Jahren komplett messerfrei, es gehe um die Weiterverarbeitung, um die Veredelung des Rohstoffs zu Produkten wie Leberkäse, Wiener oder Weißwürsten.

Ponnath wehrt sich dagegen, dass aufgrund von offensichtlichen Missständen bei Werkverträgen gleich die gesamte Branche über einen Kamm geschert wird und gegenüber anderen Lebensmittelherstellern benachteiligt werden soll. "Wir arbeiten fast ausnahmslos mit einer Stammbelegschaft", stellte der Unternehmer fest. Aber dennoch brauche man auch gewisse flexible Modelle, um alljährliche saisonale Schwankungen auszugleichen.

Wir hatten keinen einzigen direkt festgestellten Corona-Fall in unserer ganzen Unternehmensgruppe mit Ausnahme einer vorübergehend abwesenden Mitarbeiterin.

Michael Ponnath

"Wir produzieren just-in-time, bei Produkten wie Bratwürsten kann es beispielsweise von heute auf morgen eine Mengensteigerung um 100 Prozent geben", weiß Ponnath mit Blick auf die aktuelle Grillzeit. Das könne man allerdings nicht vorplanen, sondern müsse flexibel darauf reagieren. "Für diese flexiblen Modelle und Arbeitnehmerüberlassungen habe ich langjährige Partner, die ich alle persönlich kenne." Da würden dann eben nicht, so Ponnath, Busse mit vollkommen fremden Mitarbeitern angefahren und diese in Sammelunterkünfte untergebracht.

"In der Regel wird Personal aus der Region rekrutiert, das bereits in der Nähe des Standorts sesshaft ist." Sollten diese flexiblen Modelle für die gesamte Fleischbranche per Gesetz generell verboten werden, dann käme dies einer Diskriminierung gleich. "Ich appelliere dringend an die Politik, sich die Thematik differenzierter anzuschauen", so der Firmenchef.

In Deutschland wird derzeit viel über Fleischqualität, Fleischkonsum, Tierwohl und Tierschutz diskutiert. Auch Michael Ponnath stellt sich schon seit einigen Jahren die damit verbundenen Fragen und hat hier - unabhängig von Corona und den damit verbundenen Verwerfungen - die vielleicht richtige Antwort gefunden. "Wir müssen neue Wege gehen - und diese führen back to the roots." Hintergrund

Flexible Modelle

Die Firma Ponnath ist auch in Sachen Energieversorgung ein Vorreiter.

Kemnath

Ich denke, dass der Endverbraucher oftmals das Wissen über die Zulieferkette gar nicht hat.

Michael Ponnath

Michael Ponnath

Hintergrund:

Label für mehr Tierschutz

Seit Februar gibt es bei der Firma Ponnath das Tierschutz-Sortiment unter "Ponnath 1692", das die Premiumstufe des "Für Mehr Tierschutz"-Labels des Deutschen Tierschutzbundes trägt. "Ich möchte ein deutliches Zeichen für mehr Tierschutz in der Nutztierhaltung setzen", betont Ponnath. Einer müsse es machen und damit anfangen. Viel Geld und Herzblut habe er in dieses Pionier-Projekt bereits investiert. Hierfür gebe es Partner-Landwirte, denen man Abnahme und Fixpreise garantiere. Dabei werden umfassende Kriterien umgesetzt, die die Haltung der Tiere - in einem ersten Schritt geht es um Schweine - deutlich verbessert.

Doch nicht nur die Haltung, sondern die gesamte Wertschöpfungskette sind vom Deutschen Tierschutzbund in der Premiumstufe zertifiziert. "Jetzt liegt es am Endverbraucher, wie erfolgreich dieser Ansatz wird und ob er sich ausbauen lässt", sagt Ponnath.

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