09.12.2019 - 10:55 Uhr
KemnathOberpfalz

Mit Kerzen Licht der Welt erhellen

Zur Weihnachtsausstellung im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum Kemnath luden die Verantwortlichen am Freitag zum Candle-Light-Shopping.

So ruhig ging es am Candle-Light-Freitag im "Musikeum" nicht immer zu: Kerzenmacherin Christine Heinl und Museumsleiter Anton Heindl steckten zwei Besuchern ein kunstvolles Licht auf.
von Bernhard PiegsaProfil

Lebkuchen und Kerzen: Für ein Taschengeld sind diese unverzichtbaren Requisiten der Advents- und Weihnachtszeit in jedem Supermarkt zu haben - rationalisierte Massenfertigung macht es möglich.

Doch das war nicht immer so. Einen Einblick in die fast an Alchimistenküchen und Künstlerateliers erinnernden Werkstätten der "Wachszieher" und "Lebzelter" vergangener Zeiten gewährt das Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum ab sofort in seiner Weihnachtsausstellung.

Gezeigt werden in der Fronveste nicht nur Lebküchnermodeln, Wachsstöcke mit religiösen Motiven und schlichte Gebrauchskerzen, sondern auch ein komplettes Lichterzieherwerkzeug mit zinnernen Kerzenformen, Handwerksgeräte für die Kerzenverzierung sowie wächserne Jesuskind- und Marienfiguren, wie sie in den Klöstern der Nordoberpfalz angefertigt wurden. In Kemnath hatten das Lebküchner- und das Wachszieherhandwerk ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert, wie Urkunden aus dem Stadtarchiv belegen.

Traditionelle Kerzenmacherkunst findet auch heute noch ihre Freunde: Das zeigte Christine Heinl am "Candle-Light-Freitag" den zahlreichen Besuchern des vom Museumsteam zur gemütlichen Wärme- und Plauderstube umfunktionierten "Musikeums". Handgegossene und -verzierte Wachslichter aus ihrer "Ebnather Kerzengarage" - benannt nach dem Garagenanbau des großelterlichen Hauses - erhellen seit 16 Jahren des Licht der Welt. Dieses Hobby liege ihr im Blut, verrät die gelernte Maschinenschlosserin: "Schon meine Großmutter hat Kerzen gestaltet und ihren Enkelkindern zu jedem Geburtstag ein solches Kunstwerk geschenkt."

Von ihrer Großmutter habe sie auch das Wachs für ihre ersten eigenen Kerzen geerbt: "Ich hab's einfach mal ausprobiert - meine erste Kerze war die Taufkerze für meinen ersten Sohn. Nach der Geburt des zweiten Sohnes habe ich meinen ursprünglichen Beruf zugunsten der Familie und des Kerzenmachens aufgegeben." Manche handwerkliche Feinheit habe sie von Maria Enslein gelernt, der bekannten "Kerzenmacherin mit Leib und Seele" aus Neustadt an der Waldnaab: "Sie hat mich so richtig dafür begeistert."

Dass Christine Heinls wächserne Artefakte vielen Menschen gefielen, habe freilich auch eine Kehrseite: "Manche wollen keine Kerze kaufen, weil es ihnen leidtut, sie herunterbrennen zu lassen." Doch dafür hat sie einen Kniff ersonnen: In das obere Kerzenende setzt sie ein Glasschälchen ein, das Platz für ein Teelicht bietet - "so kann sich jeder nach Belieben sowohl am lebendigen Kerzenlicht als auch an der Kerze erfreuen".

Mit Hilfe solcher Modeln, wie sie zurzeit im Kemnather Museum gezeigt werden, entstanden einst Lebkuchen, die fast zu schön zum Verspeisen waren.
Nicht nur Kerzen und Wachsstöcke, sondern auch "Fatschenkindln" und "Jesukindlein in der Krippe" wurden meist in Klöstern aus Wachs gefertigt.
Kerzenausstellung bis Lichtmess:

Kerzenausstellung bis Lichtmess

Bis 2. Februar 2020 (Mariä Lichtmess) ist die Weihnachts-Sonderausstellungdes Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums über Lebküchner und Wachszieher in Kemnath und der Nordoberpfalz geöffnet, bei deren Gestaltung das Museumsteam des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises von der Bayerischen Wachszieher-Innung und vom Stiftlandmuseum Waldsassen unterstützt wurde.

Passend zum 175. Geburtstag des "Märchenkönigs" geht es ab 7. Februar mit einem Schmankerl für "Kini"-Nostalgiker weiter:"Träumerei und Mythos"ist die Sonderschau über die geheimnisumwobene Beziehung zwischen König Ludwig II. und der österreichischen Kaiserin Elisabeth ("Sisi") überschrieben, zu der die bekannte Mitterteicher Sammlerin Sandra Doß und die Künstlerin Marion Schmid aus Gmünd bei Grafenwöhr Kunstwerke und Dokumente beisteuern. Am 27. März spricht Regionalhistoriker Adrian Rossner über Auswanderung aus dem Fichtelgebirge in die "neue Welt" Amerika im 19. Jahrhundert.

Dem 100. Gründungstag des Ritterbundes "Waldeckh zue Kemenatha"widmet das Kemnather Museum ab 10. Mai eine Ausstellung, eine historische Bilderschau über Herrschaft und Gut Wolframshof schließt sich ab 8. August an. Einen Dokumentarfilm über "Adelsbegräbnisse"vor mehr als 100 Jahren gibt es am 6. November zu sehen, die Weihnachtsausstellung 2020/21 zeigt "Krippen aus aller Welt". Nicht zu vergessen ist das Sommernachtsfest am 8. August.

Das "Musikeum" im Meisterhaus, Trautenbergstraße 30, öffnet im neuen Jahr am 26. Januar, 1. März, 18. Oktober und 22. November jeweils von 14 bis 16 Uhr, wie immer gibt es Kaffee und Kuchen gegen eine Spende. Jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr, am ersten Sonntag des Monats zusätzlich von 10 bis 12 Uhr ist das Museum in der Fronveste, Trautenbergstraße 36, geöffnet. Eintritt ist frei.

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