22.08.2019 - 10:41 Uhr
KemnathOberpfalz

Kinder ziehen in 13 Monaten ein

Bürgermeister Werner Nickl sprach von einem neuen Stadtteil in Kemnath, der an der Berndorfer Straße entstehen wird. Den Anfang macht jetzt der Neubau eines Kinderhauses, bevor einmal Wohngebäude und auch die neue Realschule folgen werden.

Architekt Günther Lenk (Zweiter von rechts), Bürgermeister Werner Nickl und Bauamtsleiter Roland Sächerl (Mitte von links) stimmen auf der Baustelle mit den beteiligten Firmen das weitere Vorgehen ab.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Kemnath.(luk) Der Bagger war auf dem Gelände gegenüber des Friedhofes schon vor einigen Wochen zugange, um es für den knapp 3 Millionen Euro teuren Neubau des Kinderhauses vorzubereiten. Bürgermeister Werner Nickl berichtete bei einem Jour-fixe-Termin von einer aufwendigen Trennung des Erdreiches der vormaligen Wiese. "Es musste alles beprobt werden" hinsichtlich einer möglichen Belastung durch Schadstoffe, was zu Verzögerungen und zusätzlichen Kosten geführt habe.

Dies ist nun weitgehend - ohne negativen Befund - abgeschlossen, so dass die Firma Wilhelm Bauer aus Erbendorf nach den Betriebsferien demnächst mit dem Rohbau beginnen kann. Bereits eingebracht sind die Standfundamente für den rückwärtigen Teil des Gebäudes. Statiker Markus Bayerl aus Kirchenpingarten führte dazu aus, dass die Bodenverhältnisse nicht optimal seien. Aufgrund eines Bodengutachtens musste für die Fundamente 20 bis 40 Zentimeter tiefer ausgegraben werden, weshalb mehr Füllbeton benötigt worden sei. Dennoch sei diese Maßnahme noch "im Rahmen" gewesen.

Aus Beton und Mauerwerk

Wie die Ausschreibung vorsieht, soll der Rohbau der "altersgemischten Einrichtung" mit zwei Krippen- (jeweils bis zu 12 Kinder) sowie zwei Kindergartengruppen (jeweils bis zu 25 Mädchen und Buben) bis Mitte November soweit fertiggestellt sein, dass die Zimmerei Kreuzer aus Lanz mit den Holzbauarbeiten für das Flachdach auf dem zweigeschossigen hinteren Teil und schließlich drei Wochen später auf dem erdgeschossigen vorderen Gebäudeteil beginnen kann. Die Bauausführung erfolge mit Beton und Mauerwerk, erläuterte Architekt Günther Lenk aus Eschenbach. Noch 2019 sollte alles regen- sowie schneesicher sein.

Nach den Feiertagen sollen dann ab Mitte Januar der Bau beheizt und mit den Innenarbeiten begonnen werden. Als Termin für die Übergabe beziehungsweise Fertigstellung nennt Nickl Juli 2020, damit "ab September der Regelbetrieb aufgenommen werden kann". Dann stehen den Kleinen ein oberer und ein unterer Gartenbereich zur Verfügung.

Bei der Planung des Komplexes hat sich Lenk an der Erweiterung des Kindertagesstätte "Li-La-Löhle" mit der Krippe orientiert, was durch die asymmetrische Anordnung der Räume einen "sehr interessanten Grundriss" ergebe. Auch seien konisch verlaufende Flure vorgesehen, die als Spielbereich genutzt werden können.

Die Topographie mache im hinteren Gebäudeteil ein Untergeschoss notwendig, führte Lenk weiter aus. Dort sollen auf einer Fläche von 331 Quadratmetern einmal die Gebäudetechnik, Funktions-, Bewegungs-, Hauswirtschafts- und Lagerraum für Spielgeräte sowie sanitäre Anlagen untergebracht werden. Für den darüberliegenden Kindergarten sind 334 Quadratmeter vorgesehen. Die Kinder in der Krippe werden auf 343 Quadratmetern untergebracht.

Um in den Genuss von Zuschüssen zu kommen (90 Prozent der förderfähigen Kosten, was knapp 2 Millionen Euro entspricht), wird das Gebäude komplett barrierefrei sei. Daher musste die Stadt eine ursprünglich angedachte Rampe streichen. "Die Regierung ist da rigoros", erklärte der Rathauschef. Die verschiedenen Etagen sind daher einmal über einen Aufzug zu erreichen. Um Energie einzusparen, kommt überall nur LED-Beleuchtung zum Einsatz. Bestimmte Räume erhalten zudem fürs Licht Bewegungsmelder.

Begrüntes Flachdach

Einem "ökologischen Hintergedanken" ist zudem die Eingrünung des kompletten Flachdaches geschuldet, teilte Lenk mit. "Ein Teil der Erde, den wir wegnehmen, soll der Erde wieder zurückgegeben werden." Außerdem biete eine Begrünung einen besseren UV-Schutz, soll heißen, die Lebensdauer der Bitumenschicht verlängert sich dadurch. Ebenso ist laut dem Diplomingenieur so ein besserer Wärmeschutz gegeben.

Im gesamten Gebäude ist eine Flächen-, sprich Fußbodenheizung, vorgesehen. "Es gibt keinen einzigen Heizkörper", stellt Roland Sächerl, Leiter des Bauamtes, heraus. Vorgesehen sei der Einbau einer Wärmepumpe. Deren Vorteile seien niedrige Vorlauftemperaturen und im Sommer ein leichter Kühleffekt.

Lenk lobte die Stadt, die es ermöglicht habe, Gruppenräume größer zu planen als es das Standardraumprogramm vorsieht. Auch trage sie mit dem Neubau der positiven Einwohnerentwicklung mit vielen jungen Familien beizeiten Rechnung. Und sollte einmal auch der Neubau zu klein werden, haben Lenk und die Stadt vorgesorgt: Es könne dann jeweils noch eine Gruppe angebaut werden, teilte Nickl mit. Mittelfristig rechne er sogar damit.

Feinsäuberlich hat der Bagger den Aushub in mehrere, rund 500 Kubikmeter große Aufschüttungen (oben) für die Beprobung des Erdmaterials getrennt. Die Linien markieren in etwa die Lage der Fundamente des neuen Kinderhauses an der Berndorfer Straße (unten).
Kindergartenneubau: Ansicht von Nordosten
Hintergrund:

Zehn Arbeitsplätze

Fachkräfte sind rar gesät, auch im Bereich der Kinderbetreuung. Über ein Jahr vorher, ehe der Betrieb im neuen Kinderhaus läuft, hat die Stadt Kemnath bereits Personal eingestellt. Demnach werden laut Bürgermeister Werner Nickl ab September 2020 jeweils drei Mitarbeiter für die beiden Krippengruppen und jeweils zwei für die beiden Kindergartengruppen benötigt.

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