26.03.2019 - 16:17 Uhr
KemnathOberpfalz

Lackieren mit Industrie 4.0

Die neue Anlage für Oberflächentechnik bei Siemens Healthineers in Kemnath hat es in sich. Bei einem Rundgang wird schnell klar, dass die verbaute Technik hohe industrielle Standards umsetzen kann.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Mit dem Rückbau der alten Lackieranlage und der Installation der neuen Technik am Standort in Kemnath stellte Siemens Healthineers hohe Anforderungen an die Produktion der Zukunft. "Wir wollten kundenspezifisch arbeiten, spezielle Oberflächen lackieren können, schnelle Farb- und Technikwechsel ermöglichen und unterschiedliche Designs schaffen", erklärte der Leiter des Mechanic-Centers Helmut Kellner am Montag bei der offiziellen Einweihung.

Zusätzlich galt es diese Punkte mit der Digitalisierung und den Anforderungen von Industrie 4.0 zu verknüpfen. "Um erfolgreich und wettbewerbsfähig zu bleiben, musste die Anlage modularisiert aufgebaut werden und erweiterbar sein", sagte Kellner. So kann auch gewährleistet werden, dass Veränderungen und Innovationen in der Produktion schnell in das System der Anlage integriert werden können.

Intelligentes System

Verbaut wurde ein intelligentes Steuersystem, dass über Sensoren, die an verschiedenen Stellen in der Anlage verbaut sind, kommuniziert. "Das erfordert auch eine komplette Veränderung für die Arbeitsweise der Mitarbeiter." So errechnet die Steuerung den bestmöglichen Durchsatz und ruft die Mitarbeiter zu den jeweiligen Arbeitsplätzen. Bei der alten Anlage führte ein Mitarbeiter meist ein und denselben Arbeitsschritt aus.

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Kemnath

Lackiert werden am Standort in Kemnath vor allem Komponenten aus der Medizintechnik. Diese fahren durch diverse Kabinen, wo sie ihren Farbmantel erhalten. "Die Medizintechnik ist ein wachsender Bereich. Damit bleiben wir zukunftsfähig", bemerkte Chief Technology Officer (CTO) Peter Schardt. Das aufwendigste Teil, ein Röntgenapparat mit C-Arm (Artis Pheno), muss vier Mal durch die Lackieranlage. "Auf die Oberfläche kommen verschiedene Schichten wie Korrosionsschutz oder antibakterielle Farbe. Bei einer Schicht wird eine ganze Dose Spachtelmasse aufgetragen", weiß der Abteilungsleiter der Oberflächentechnik Frank Pecher. Zudem hängen in der großen Fabrikhalle schwere runde Teile, die später zu Computertomografen verbaut werden. "Sensoren sind zum Beispiel an der Aufhängung angebracht. Sie registrieren, in welchem Arbeitsschritt sich das jeweilige Teil befindet", erklärt Pecher.

Anlage erkennt Fehler

Die Sensoren übertragen die Daten in das SAP-Programm von Siemens. Auf dem Computer oder an verschiedenen Bildschirmen, die sich entlang der Anlage befinden, können die Mitarbeiter den aktuellen Stand beobachten. Wenn nötig, können sie eingreifen. "Jederzeit kann man manuell etwas ändern", betonte Pecher.

Über ein bewegliches Tablet ist es möglich die unterschiedlichen Stationen in der Lackiererei anzufahren und Änderungen in das System zu übertragen. Vorher war das nur über einen PC möglich, der einen festen Standort hatte. "Die Anlage erkennt aber auch Fehler." Werden zum Beispiel falsche Kennungen vergeben, stoppt die Maschine einfach und holt sich Hilfe von den Mitarbeitern. Im Blickpunkt

Effizienter und umweltfreundlicher:

Die neue Lackieranlage von Siemens Healthineers arbeitet nur noch auf zwei Drittel der vorherigen Fläche. „Was wir mit dem restlichen Platz machen, wissen wir noch nicht. Vermutlich kommt er für die neue 3-D-Technik zum Einsatz“, sagte Standortleiter Michael Braunreuther. Obwohl weniger Platz zur Verfügung steht, hat die Anlage einen höheren Output und 30 Prozent mehr Kapazität.

Die neue Lackiererei arbeitet zudem ökologischer. „Der Stromverbrauch wurde um 25 Prozent reduziert“, sagte der Leiter des Mechanic-Centers Helmut Kellner. Es wurden neue Filtersysteme eingebaut. „Dadurch riecht es in der Halle weniger nach Farbe“, erklärte der Abteilungsleiter für Oberflächentechnik Frank Pecher. Die VOC-Emissionen (flüchtige organische Verbindungen) wurden verringert. „Zum Beispiel verwenden wir weniger Spülflüssigkeiten für Lackleitungen.“ Auch wassergefährdende Flüssigkeiten kommen nur gering zum Einsatz.

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