16.10.2018 - 14:52 Uhr
KemnathOberpfalz

Lieder nicht nur runtergekurbelt

Nicht eine, sondern zehn Orgeln sind in der Stadtpfarrkirche zu hören. Sie stehen zudem nicht auf der Empore, sondern im Altarraum. Musik entlockt man ihnen auch nicht durch Drücken von Tasten. Dafür braucht es vielmehr eine Kurbel.

Großen Anteil am Gelingen des ersten Drehorgelfestes hat der Kemnather Anton Heindl (vorne an der Drehorgel).
von Josef ZaglmannProfil

Der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis (HAK) sowie Helga und Karl Götz hatten zum ersten Drehorgel-Festival bekannte Drehorgelspieler aus Ost und West eingeladen. Das Paar aus Lorenzreuth bei Marktredwitz war den Kemnathern noch bestens bekannt vom Drehorgel-Gottesdienst im Mai. Den allerdings recht wenigen Zuhörern boten die Teilnehmer ein abwechslungsreiches Programm mit Volksliedern, Opern-, Operetten- und Musicalmelodien, Tänzen, Walzern und klassischen Stücken.

Nach der Begrüßung durch Stadtpfarrer Konrad Amschl eröffnete Karl Götz mit "Großer Gott, wir loben dich" das Konzert. Armin Wroska aus Taucha bei Leipzig sang zu seiner Drehorgelmusik "Von guten Mächten wunderbar geborgen", das der evangelische Pastor Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg kurz vor seiner Hinrichtung gedichtet hat. Der "Drehorgel Mucky", alias Joachim Bunk aus Leuna bei Merseburg, hatte die Rolle mit dem schwungvollen "Ungarischen Tanz Nr. 5" von Johannes Brahms eingelegt. Der "Humorist mit der Drehorgel", wie er genannt wird, ist durch seine Auftritte in verschiedenen Fernsehsendungen und Konzerten mit Freddy Quinn, den Kastelruther Spatzen, Michael Hirte und Stefanie Hertel bekannt. Auch beim elften kirchlichen und klassischen Drehorgelkonzert in der Nicolaikirche in Leipzig vor drei Wochen war er vertreten. Auf zwei unterschiedlichen Drehorgeln entführten Peter und Christine Lehmann aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt die Zuhörer mit Melodien aus der Oper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck in das Reich der Märchenoper.

Mit einer "Romanze" von Wolfgang Amadeus Mozart blieb Helga Götz im Bereich der klassischen Musik. Ein Ohren- und Augenschmaus war der sehr rhythmusbetonte "Bolero" des französischen Komponisten Maurice Ravel, den Armin und Gaby Wroska zu Gehör brachten. "Memory", das wohl bekannteste Lied aus dem Musical "Cats" von Andrew Lloyd Webber hatte Heinz Krappatsch aus Borsdorf bei Leipzig ausgewählt. Einen Höhepunkt boten Karl und Helga Götz mit dem Walzerlied "Die letzte Rose" aus der Oper "Martha" von Friedrich von Flotow.

Aus Hüttisheim bei Ulm war Siegfried Lorenz angereist. Zu der Melodie seiner Drehorgel sang er "Nach meiner Heimat, da zieht's mich wieder". Viel Beifall bekam Museumsleiter Anton Heindl für seinen Auftritt mit einer Drehorgel der Familie Götz. Sie ist 26 Jahre alt und hat 42 000 Euro gekostet.

Als Zugaben spielten Christine Lehmann "Morgenstimmung" von Edvard Grieg und Joachim Bunk ("Mucky") die "Barcarole" aus der Oper "Hofmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach. HAK-Vorsitzender Hans Rösch und Heindl dankten den "lieben Drehorgelleuten" für die klangvollen Musikbeiträge.

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