02.04.2020 - 13:49 Uhr
KemnathOberpfalz

Masskrüge für Peramiho

Die Katholische Missionsgemeinschaft Kemnath bittet um Spenden für Projekt in Tansania.

Lotar Wagner (links) bedankte sich für die Geldspende für Tanzania von Kurt Scharf.
von Josef ZaglmannProfil

Über 600 Euro an Spenden sind eingegangen, es darf aber noch mehr werden: Für ein Hilfsprojekt in Tansania werden 350 000 Euro benötigt - eine große Summe, wie Kurt Scharf weiß. Um über das Projekt und die dafür nötigen Spenden sowie das Land zu informieren, hatten der Vorsitzende der Missionsgemeinschaft und Stadtpfarrer Thomas Kraus kurz vor der Corona-Krise zu einem Reisebericht mit Lotar Wagner eingeladen. Zwischen Kemnath und dem afrikanischen Staat besteht seit mehreren Jahren eine enge Beziehung.

"Mit über 56 Millionen Einwohnern ist Tansania das nach der Bevölkerung fünftgrößte Land Afrikas und fast viermal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland", erzählte der Studiendirektor i.R. aus Kulmain. Aus dieser ehemaligen deutschen und dann später britischen Kronkolonie entstand 1962 der Staat Tansania. Sein heutiger Zustand ist nicht zuletzt die Folge der kolonialen Politik europäischer Mächte mit der rücksichtslosen Ausbeutung der wirtschaftlichen und menschlichen Ressourcen.

"Vielen Kemnathern ist Tansania wegen der Missionsgemeinschaft Kemnath bekannt", wusste Wagner. Gegründet und geleitet wurde sie vom ehemaligen Bäckermeister Bernhard Schaller. "Diese Missionsgemeinschaft fiel mir gleich auf, als ich 1968 als Lehrer nach Kemnath kam", erinnerte sich Wagner, "auf meinem Schulweg konnte ich immer Personen beobachten, die mit großen Altpapiermengen hantierten und diese zu riesigen Paketen formten." Hier hat der "Pressclub" gewerkelt, der durch den Verkauf von Altpapier die katholische Kirche in Afrika unterstützt hat.

1961 hatten sich Kolpingsöhne mit Altsenior Schaller zusammengetan und eine Altpapieraktion ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit dem Missionskloster Münsterschwarzach wurde nach kurzer Zeit dieser "Kolping-Pressclub" in die Katholische Missionsgemeinschaft Kemnath umgewandelt. Für seine Verdienste wurde Schaller 1968 von Papst Paul VI. mit dem Orden "Benemerenti" ausgezeichnet. 1971 wurde ihm die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

Unterstützt worden war Schaller von Bruder Joachim aus Münsterschwarzach. "Ihr selbstloses Wirken war ansteckend, und ich half im Rahmen meiner Möglichkeiten mit, um etwas Geld aufzutreiben", erzählte Wagner. Er verwendete in der Berufsschule einen Masskrug als Kasse. "So gingen im Laufe der Jahre viele Mass an Geld mit respektablen Beträgen nach Tansania, hauptsächlich nach Peramiho zum dortigen Benediktinerkloster."

"Irgendwann hatte ich dann den dringenden Wunsch, mich in Afrika vor Ort zu informieren." Er bat per E-Mail um einen Besuchstermin. Nach kurzer Zeit erreichte ihn eine freundliche Einladung. Daraufhin machte er sich auf, die notwendigen Reisevorkehrungen zu treffen.

"Nach Tansania zu kommen ist keine Kunst", erzählte er, "für 550 Euro kann man einen Rückflug von Nürnberg nach Daressalam, der Küstenstadt am Indischen Ozean bekommen." Dann begännen die Schwierigkeiten: Peramiho liegt etwa 1200 Kilometer vom Flugplatz entfernt im Südwesten des Landes. Ohne Mindestkenntnisse der Landessprache Kisuaheli sei es fast unmöglich, sich beispielsweise an den Fahrplänen der öffentlichen Verkehrsmittel zu orientieren. Vor der Reise seien ein Visum bei der tansanischen Botschaft in Berlin zu beantragen und eine Reihe von Impfungen gegen Tropenkrankheiten nötig. Übernachtungen in gepflegteren Gaststätten wegen der Hygiene seien empfehlenswert - dann könne es teuer werden. "Ich wollte schon meine Reisepläne aufgeben, da erreichte mich ein Mail vom Kloster Münsterschwarzach", erzählte Wagner. Bruder Manuel hatte ihm mitgeteilt, es sei besser, sich einer Reisegruppe anzuschließen.

Während seines Vortrags zeigte er eindrucksvolle Bilder. Spontan spendete ein Zuhörer 100 Euro. Die gleiche Summe erhielt er von Kurt Scharf. Stadtpfarrer Kraus versprach, sich für ein bestimmtes Projekt einzusetzen: Dabei geht es um die Kosten für die Reparatur eines Wasserkraftwerkes, das durch einen Sturm schwerbeschädigt worden ist. Nach vorläufigen Schätzungen belaufen sich die Kosten auf etwa 350 000 Euro. "Die Spenden gebe ich direkt an Bruder Luzius Marquard weiter", versprach Wagner. Die Veranstaltung soll im Herbst wiederholt werden.

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