29.03.2019 - 12:21 Uhr
KemnathOberpfalz

Patient und nicht Profit im Fokus

Er ist so etwas wie ein Lobbyist für den Berufsstand der Allgemeinmediziner: Seit kurzem ist Dr. Peter Deinlein aus Kemnath neuer stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes im Bezirk Oberpfalz. Die Wahl war in Amberg.

Einer von immer wenigen: Der Kemnather Allgemeinmediziner Dr. Peter Deinlein ist neuer stellvertretender Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Für Dr. Peter Deinlein steht die Nachwuchsförderung im hausärztlichen Bereich ganz oben auf der Prioritätenliste. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Betätigungsfelder, wie der 43-Jährige Mediziner im Interview mit Oberpfalz-Medien betont.

ONETZ: Herr Deinlein, herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe. Wie sind Sie zur Standes- und Gremienpolitik gekommen?

Peter Deinlein: Interessiert hat mich das schon vor gut zehn Jahren. Landärzte hatten damals praktisch keine Lobby. Ich finde es wichtig, dass wir unsere Belange vor Ort in die Gremien einbringen. Seit 2015 bin ich im bayerischen Hausärzteverband aktiv und nun Stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Oberpfalz, zudem seit 2017 Mitglied der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB).

ONETZ: Wo sehen Sie einen Schwerpunkt Ihrer Arbeit, beziehungsweise was ist Ihr Hauptanliegen?

Peter Deinlein: Hauptziel ist es natürlich, eine flächendeckende Basisversorgung zu erhalten. Wir müssen nicht unbedingt Spitzenmedizin aufs Land holen. Wir brauchen eher breit aufgestellte Lotsen in der ländlichen Versorgung, die ihre Patienten gut kennen und wissen, wann und wo man die spezialisierte Medizin zu Rate ziehen muss. Der Einfluss privater Investoren in der ambulanten Medizin sollte dauerhaft begrenzt bleiben. Denn Kapital strebt immer nach Rendite – das ist nichts Neues. Patienten sind aber nicht dafür da, um den Profit eines Investments zu sichern.

ONETZ: Das sieht aber nicht jeder so.

Peter Deinlein: Es ist für mich offensichtlich, dass Kapital manchmal Kapazitäten schafft, die dem reellen Bedarf nicht entsprechen. Doch auch diese Kapazitäten müssen dann bedient werden. Dies ist dann umso trauriger, wenn es sich um kommunale Träger und öffentliche Gelder handelt, die nach Gewinn streben. Auch ein Patient, der mit seinem Krankheitsbild keine Erlössteigerung bringt, muss ein Patient 1. Klasse sein, er zahlt ja selbst als Kassenpatient erstklassige Beiträge. Unsere Kliniken sollten zu sogenannten "Service-Krankenhäuser" umgebaut werden, in denen nicht Diagnosen und Erlöschancen, sondern der Mensch und das patientenorientierte Handeln im Vordergrund stehen. Dies wird aber nur mit kommunalen Zuschüssen gelingen. Die Gelder könnten dann z. B. für die Aufwertung der Pflege verwendet werden oder um die Schnittstellen mit der ambulanten Medizin zu optimieren, hier meine ich insbesondere die Punkte Zusammenarbeit mit den an den Kliniken angegliederten Bereitschaftspraxen und das gesetzlich vorgeschriebene Entlass-Management.

ONETZ: Welches Renommee haben Ihrer Einschätzung nach Allgemeinärzte?

Peter Deinlein: Da muss man unterscheiden. Fakt ist, dass die meisten Patienten wissen, was sie an ihrem Hausarzt haben und an vielen Stellen auch vehement darum gekämpft wird, dass die Hausarztpraxis vor Ort erhalten bleibt. Schätzungsweise 90 Prozent der ambulanten Probleme kann die Allgemeinmedizin vor Ort lösen. Trotzdem spielt das Fach Allgemeinmedizin unverständlicherweise an manchen Universitäten nur eine untergeordnete Rolle. Wir brauchen auch mehr Medizinabsolventen: Die Universitätskliniken haben noch genügend Nachwuchs, aber in der Peripherie kommt dieser nicht mehr an.

ONETZ: Wo könnte man ansetzen?

Peter Deinlein: Es geht damit los, dass man jungen Medizinern eine gute Betreuung während der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin garantiert. Jungen Ärzten geht es nicht ums Geld, sondern um eine gute und fundierte Ausbildung. Es gibt genügend Fördertöpfe für den ärztlichen Nachwuchs, aber es fehlt das Know-how, damit die Gelder so eingesetzt werden, dass eine Weiterbildung Allgemeinmedizin und die spätere Niederlassung auf dem Land attraktiv werden. Ich verstehe beispielsweise nicht, warum sich Praxen nicht um Weiterbildungsassistenten reißen, obwohl deren Gehalt komplett von der KVB gefördert wird.

ONETZ: Eine Ausbildung zum Allgemeinarzt garantiert aber noch nicht, dass sich solche Mediziner auch mit der eigenen Praxis in der Fläche niederlassen. Es gibt schon auch die Tendenz, in einer Praxis als angestellter Arzt tätig zu sein.

Peter Deinlein: Da stimme ich zu, das hat auch etwas mit der individuellen Lebensplanung zu tun. Ich stelle zudem fest, dass es bei vielen Ärzten Angst vor dem ganzen Verwaltungskram gibt. Hier müsste man eine Betreuung vor Ort in den ersten Jahren der Niederlassung gewährleisten, damit trotz des Praxismanagements die Patienten nicht zu kurz kommen. Einen Ansatzpunkt sehe ich in überörtlichen Gemeinschaftspraxen, die zahlreiche Synergieeffekte bieten. Die so genannten Filialpraxen haben den unschätzbaren Vorteil, dass die Praxisstandorte in den Gemeinden erhalten bleiben und die hausärztliche Versorgung nicht zentralisiert wird. Für junge Ärzte kann es auch Sprungbrett dafür sein, sich selbst niederzulassen, da man eine Filiale auch wieder in einen Einzelsitz umwandeln könnte.

ONETZ: Die Zeit des Konkurrenzdenkens unter den Hausärzten, die es zweifellos in der Vergangenheit auch gab, ist vorbei, oder?

Peter Deinlein: Definitiv. Früher hatte man Angst, dass sich ein weiterer Kollege niederlässt. Jetzt fürchtet man, dass der Kollege im Nachbarort keinen Nachfolger mehr findet. Wobei es eher Nachfolgerin heißen müsste, denn die Medizin wird definitiv weiblich

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