07.11.2019 - 16:16 Uhr
KemnathOberpfalz

Realschulneubau im Maßstab 1:500

Von 20 Teilnehmern kamen fünf Vorschläge in die engere Auswahl des Ideen- und Realisierungswettbewerbs für den Neubau der Realschule Kemnath. Für die Jury war die Entscheidung nicht einfach.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

In der Turnhalle der Kemnather Realschule sind momentan zahlreiche Stellwände und Modelle aufgebaut. Aus Kunststoffplatten ragen kleine Bäume und Gebäude. Sie zeigen Häuser und Landschaften im Maßstab 1:500. Um sie herum beschreiben Skizzen und Informationsmaterial, wie das Leben in und um die Kemnather Realschule aussehen könnte. 20 Architekturbüros hatten Vorschläge zum Neubau eingereicht. Diese wurden am Dienstag und Mittwoch von elf Preisrichtern geprüft.

"Wir haben am Dienstag von 9 bis 19 Uhr und am Mittwoch wieder von 9 bis 14 Uhr getagt", erklärte Jury-Mitglied und Kreisbaumeister Klaus Weig. Grund für das Zusammenkommen des Preisgerichts war der vom Landkreis Tirschenreuth und der Stadt Kemnath initiierte Realisierungswettbewerb für einen Schulneubau mit einem städtebaulichem Ideenteil. Die Jury aus Fach- und Sachpreisrichtern musste die Pläne und Modelle nach verschiedenen Kriterien beurteilen. Dabei ging es um das städtebauliche Konzept, die Erschließung, die Erfüllung des Raumprogramms und der Funktionalität sowie die Sicherheit. Hinzu kamen die architektonische und räumliche Gestaltung, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Nachhaltigkeit sowie die Gestaltung der Freianlagen.

Fünf Vorschläge in der Auswahl

Bereits vor der Tagung des Preisgerichts wurden die eingesandten Modelle und Pläne einer Vorprüfung durch das Architekturbüro Oberpriller aus Hörmannsdorf (Niederbayern) unterzogen. In der Endphase musste die Jury nun ihren Favoriten wählen. So wurden in einem ersten Rundgang zwei, in einem zweiten dann 13 Arbeiten ausgeschieden. "Nach dem ersten Tag hatten wir fünf Vorschläge in die engere Auswahl genommen", erklärte Volker Heid, Architekt aus Fürth. Er durfte das Gremium in den beiden Tagen leiten. Die Entscheidung war nicht einfach: "Jeder Entwurf ist unterschiedlich."

Lesen Sie hier den Artikel "Erster Preis für 'Schmetterling'" auf onetz.de

Kemnath

Sieger ein Schmetterlingstyp

Es wurde viel analysiert und besprochen. Doch letztlich wurde der erste, zweite und dritte Platz einstimmig entschieden. Die Sieger waren das Architekturbüro Petry und Voll sowie das Landschaftsarchrichtekturbüro Eurich und Gula aus Wendlingen. "Die Schule ist in diesem Modell gut an den Landschaftsraum angegliedert", erklärte Heid. Das Gebäude entspreche einem Schmetterlingstyp. "In der Mitte ist eine zentrale Halle. Davon laufen in vier Linien verschiedene Fachbereiche und Raumgruppen weg." Diese nennt Heid Cluster.

Gebäude in Landschaft integriert

Das besondere: "Der Grundriss des Gebäudes verläuft nicht stur in eine Richtung. Die Schüler bleiben nicht immer im gleichen Klassenzimmer, sondern kommen zu den Lehrern." Oben am Gebäude gibt es ein begrüntes Dach: "Das sieht aus wie eine Wiese", sagte Heid. Zudem wäre dort Platz für Photovoltaikanlagen. Auch die neue Turnhalle sei bei dem Gewinnermodell gut in die Landschaft integriert. So wurde die Hanglage an dem Platz bedacht. "Umkleide und Sportgeräte sind in den Hang eingebettet. Oben ist Platz für Fenster, so dass genug Licht in die Halle kommt."

Hinter dem Gebäude taucht eine kleine Wohnhaussiedlung auf. Die Häuschen sind geformt, als würden sie aus mehreren Schichten bestehen. "Das sind nur Ideen bislang. Bei den Häusern könnte noch weiter entwickelt werden", betonte Heid.Auch der zweite Preis von den Architekturbüros Leinhäupl und Neuber aus Landshut sowie Gutierrez-de la Fuente-Luque aus Madrid bekam Anerkennung. "Beim Modell wurde von der Berndorfer Straße aus eine Plattform ausgelegt. Die Turnhalle und das Gebäude ragen aus einer Platte heraus", sagte der Architekt. Optisch betrachtet sieht das Gebäude von vorne aus, als hätte es drei Stockwerke. Von der anderen Seite wirkt es, als hätte es zwei.

Drei Zylinder

Der dritte Preis von den Architekturbüros Maisch und Wolf und Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten überzeugte in Sachen Form. "Hier wurde sehr diskutiert. Das Schulgebäude entspricht drei Zylindern." Das Haus sei nicht optimal in die Landschaft eingepasst. Auch die Rundungen würden verschiedene bauliche Probleme aufweisen. "Hier kann schlecht das Mobiliar angepasst werden", meinte Heid. "Nach dem Wettbewerb müssen nun weitere Gespräche über den Auftrag mit den Preisträgern geführt werden", weiß Kreisbaumeister Klaus Weig. Wenn das geschehen sei, könne dann der Kreistag über den Neubau abstimmen. Aktuell wird das Bauprojekt auf etwa 35 Millionen Euro geschätzt. "Wir sind aber noch in den Vorplanungen." Erst wenn der Auftrag vergeben sei, komme es zu der Grundplanung und Kostenabstimmung.

Info:

Die Preisträger des Realisierungswettbewerbes zum Neubau der Kemnather Realschule mit städtebaulichem Ideenteil sind: Erster Preis: Petry & Voll Freie Architekten aus Stuttgart und Eurich Gula Landschaftsarchitekten aus Wendlingen. Zweiter Preis: ALN Architekturbüro Leinhäupl und Neubauer GmbH aus Landshut sowie Gutierrez-de la Fuente-Luque aus Madrid. Dritter Preis: Maisch Wolf Architekten PmbB und Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH jeweils aus München.

Erste Anerkennung: GD – Die Planer Leipzig GmbH und RSP Freiraum GmbH jeweils aus Dresden. Zweite Anerkennung: Studiokubik Architekten Fraunberg Güldenberg Partnerschaft mbH und Fugmann Janotta Partner Landschaftsarchitekten und Landschaftsplaner bdla jeweils aus Berlin.

Die Fachpreisrichter: Franz Damm, Landschaftsarchitekt (München); Volker Heid, Architekt (Fürth); Dietrich Kappler, Regierungsbaumeister und Architekt (Hersbruck); Gábor Freivogel, Architekt (Nürnberg) Christoph Peytar, Architekt (Reg. d. Opf.); Klaus Weig, Architekt und Kreisbaumeister (Kreis Tirschenreuth). Die Sachpreisrichter: Landrat Wolfgang Lippert, Bürgermeister und Kreisrat Werner Nickl, Kreis- und Stadträtin Heidrun Schelzke-Deubzer, Kreisrat Uli Roth, Rektor der Realschule Kemnath German Helgert.

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