11.07.2019 - 15:08 Uhr
KemnathOberpfalz

Silicon Valley der Oberpfalz

Die Zukunftsperspektive der Region stand bei einer Kreisversammlung der Mittelstandsunion (MU) im Landkreis Tirschenreuth im Mittelpunkt. Dazu äußerten sich sachkundige Referenten.

MU-Kreisvorsitzender Leonhard Zintl freut sich über die Referenten Roland Grillmeier als Bürgermeister von Mitterteich und den Kemnather Kämmerer Roman Schäffler (von links), die über eine erfolgreiche Wirtschaftsförderung in ihren Kommunen berichten.
von Roman MelznerProfil

Die Podiumsdiskussion mit dem Kämmerer der Stadt Kemnath, Roman Schäffler, dem Wirtschaftsförderer des Landkreises, Volker Höcht, und stellvertretendem Landrat Roland Grillmeier aus Mitterteich moderierte MU-Kreisvorsitzender Leonhard Zintl. Dieser warnte eingangs vor, Stimmungen und Trends hinterher zu laufen. Die Glaubwürdigkeit gehe immer mehr verloren, wenn nur der eigene Machterhalt und nicht klare sowie nachhaltige Positionen im Vordergrund stehen. Der Waldecker freute sich, dass es offenbar gelinge, dass die auslaufende regionale Wirtschaftsförderung nochmals um zwei Jahre verlängert werde. Somit bleibe es für Unternehmen interessant, stärker zu investieren und so neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Neue Geschäftsmodelle

Eine tägliche Herausforderung für jede Firma sei die Digitalisierung, erklärte Zintl. Es werden dadurch weiterhin viele neue Geschäftsmodelle entstehen, die die Arbeitsplätze auch in der Region spürbar verändern werden. In das gleiche Horn stieß Höcht. Aber auch das Thema Fachkräftemangel hat sich der neue Wirtschaftsförderer (seit April) auf die Fahnen geschrieben. Er will hier eine noch stärkere Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft, ähnlich wie es bei der OTH in Weiden praktiziert wird. Ziel ist es dort, Studierenden eine praxisorientierte Ausbildung zu bieten sowie Hochschule und Wirtschaft optimal zu vernetzen. Studierende profitierten so vom wertvollen Praxis-Know-how, die Betrieb von den konzeptionellen und operativen Hilfen der OTH Amberg-Weiden.

Schäffler zeigte auf, dass fehlende Arbeitskräfte auch den westlichen Landkreis betreffen. Er regte an, das Thema überregional anzupacken und die Zusammenarbeit mit der Ansiedlungsagentur des Freistaats Bayern "Invest in Bavaria" zu intensivieren. Der Kämmerer erläuterte zudem die Entwicklung der Gewerbesteuer der Stadt Kemnath, die sich innerhalb von drei Jahren nahezu verzehnfacht hat. Aber auch umliegende Kommunen werden davon profitieren, meinte der Redner, da Kemnath beispielsweise einen höheren Anteil an der Kreisumlage tragen werde.

Fast 13 000 Stellen seien derzeit in der Oberpfalz unbesetzt, fast doppelt so viele wie noch 2006, berichtete Zintls Stellvertreter Roman Melzner aus einer Studie der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. Bis 2025 werden gar 50 000 Fachkräfte im Bezirk fehlen. Aktuell seien Produktion und Fertigung mit knapp 4700 offenen Stellen am stärksten betroffen. Im Bereich Verkehr und Logistik fehlten 2000 Fachkräfte, im kaufmännischen, Gesundheits- und Sozialbereich 1600.

Eine breite Bildungsoffensive, besser Beschäftigungschancen von Arbeitslosen und höhere Erwerbsbeteiligung, insbesondere von Frauen, könnten den Fachkräftemangel entschärfen. Außerdem fordere der Verband die gezielte Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland, meinte Melzner. Laut Alois Häckl aus Mitterteich investiert der Automobilhersteller BMW aktuell im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich in Sokolov an der tschechischen Grenze. Zwar entstünden dort Hunderte Arbeitsplätze, jedoch bestehe die Gefahr, dass viele tschechische Fachkräfte in ihre Heimat zurückgehen.

Für Grillmeier hat die Region spürbar vom Wirken der Abgeordneten Albert Rupprecht (Bundestag) und Tobias Reiß (Landtag) sowie von Finanzminister Albert Füracker profitiert. Die Bürgermeister im Landkreis seien oftmals die Motoren, die Mut zeigten und an die Region sowie deren Bürgern glauben. Grillmeier und Höcht sahen deutliche Potenziale, die eine landkreisübergreifende Zusammenarbeit im Bereich der Wirtschaftsförderung bewirken können.

Geringere Fluktuation

Das Landleben wertvoll sei, werde immer mehr Menschen bewusst, sagte der stellvertretende Landrat. Durch die Digitalisierung müsse der Standort eines Unternehmens nicht unbedingt in München oder Regensburg sein. Der Vorteil der Region seien "grundsolide Menschen, die Wert auf Beständigkeit und Verlässlichkeit legen", was sich gegenüber Ballungsräumen in einer geringeren Fluktuation ausdrücke. Thomas Völkl aus Kemnath sah die Region im Herzen Europas sogar als ein mögliches Silicon Valley für Logistik, das sie dank der Digitalisierung werden könne. Hintergrund

Hintergrund:

Bei Mitgliederzahl kräftig zugelegt

Mittlerweile 88 Mitglieder zähle der Kreisverband der Mittelstandsunion, der in den vergangenen Jahren 34 Neuaufnahmen verzeichnet habe, freute sich Vorsitzender Leonhard Zintl. „Wir melden uns regelmäßig zu Wort“, was dank der Abgeordneten Tobias Reiß und Albert Rupprecht, die regelmäßig an Vorstandssitzungen teilnähmen, in Berlin und München auch wahr genommen werde.

Zintl erinnerte in seinem Rechenschaftsbericht unter anderem an die Mitorganisation von Kongressen zum Thema „Zukunftsfähige Führen mit christlichen Werten“ im Kloster Speinshart, Betriebsbesichtigungen, die Teilnahme am Nordoberpfälzer Wirtschaftstag und am Oberpfälzer Wirtschaftskongress sowie einem Abend zum Thema Kryptowährung und Digitalisierung mit über 100 Besuchern im E-House in Weiden. Zuletzt fand eine Podiumsdiskussion zum Kulturwandel in der Arbeitswelt mit der Filmvorführung „Die stille Revolution“ im Cineplanet in Tirschenreuth statt.

Marco Vollath stellte die Aktionen im MU-Bezirksverband vor. Ebenso referierte er kurz über die Landkreispolitik. Stellvertretender Landrat Roland Grillmeier berichtete von seinen Erfahrungen bei der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kommune sowie von der Entwicklung des Landkreises.

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