Kemnath
08.03.2023 - 13:03 Uhr
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So hilft die Hausarztschmiede im Landkreis Tirschenreuth jungen Medizinern

Neue Hausärzte für den Landkreis Tirschenreuth gewinnen, das ist das Ziel der Hausarztschmiede. Dr. Luca Frank (32) aus Tirschenreuth und Medizinstudentin Janine Burger (22) aus Kemnath erklären, wie sie von dem Projekt profitieren.

Stauschlauch, Tupfer und das Entnahmeröhrchen liegen bereit. Gleich kann die Blutentnahme beginnen. Wie die Nadel am besten unter die Haut kommt, übt Medizinstudentin Janine Burger zunächst nicht an einem echten Patienten, sondern an einem Übungsarm aus Kunststoff. Dieser liegt auf dem Schreibtisch in einem Behandlungszimmer der Hausarztpraxis von Dr. Peter Deinlein in Kemnath. Dort absolviert Janine Burger derzeit eine Famulatur – ein Praktikum für angehende Ärzte.

Dass die 22-Jährige ihren Praxisteil in ihrer Heimatstadt Kemnath absolvieren kann, erfuhr sie im persönlichen Gespräch mit Peter Deinlein. "Er hat mir auch von der Hausarztschmiede erzählt", sagt sie. "Eine tolle Sache, die mir bereits jetzt als Studentin sehr hilft."

Leidenschaft weitergeben

Bei der Hausarztschmiede geht es konkret darum, die ärztliche Versorgung im Landkreis Tirschenreuth zu verbessern. Dies ist dringend notwendig, denn in den kommen Jahren werden voraussichtlich immer mehr Ärzte – und besonders Hausärzte – fehlen. In den sogenannten Versorgungsgebieten Tirschenreuth, Kemnath und Waldsassen sind rund 40 Prozent der Ärzte älter als 60 Jahre. An diesem Punkt setzt die Hausarztschmiede an.

Die Hausarztschmiede will bereits Schüler und Abiturienten für den Arztberuf begeistern und über die verschiedenen Studienmöglichkeiten informieren. Studenten bekommen schon während des Studiums Unterstützung und können Kontakt zur Region halten, zum Beispiel über mögliche Praktika und Famulaturen. "Wir verstehen uns als neutrale Anlaufstelle und nehmen eine Vermittlerrolle ein", sagt Peter Deinlein.

Der Kontakt zur Heimat war auch Dr. Luca Frank wichtig. Der Tirschenreuther hat in Erlangen Medizin studiert, macht derzeit in Kemnath seine Weiterbildung zum Hausarzt. "Für mich war schon früh klar, dass ich später Hausarzt in meiner Heimat werden möchte", sagt der 32-Jährige. Beim Verein Junge Allgemeinmedizin Deutschland (JADE) engagiert er sich als Vorsitzender in der Gruppe Nordoberpfalz. Erst vor drei Jahren wurde der Stammtisch gegründet. "Wir sind aber auch aus dem angrenzenden Franken gut zu erreichen", sagt Frank. Seine Leidenschaft für den Beruf möchte er zukünftig auch bei Veranstaltungen der Hausarztschmiede an Schulen weitergeben.

Das Interesse an einem Studium der Allgemeinmedizin sei seiner Meinung nach in den vergangenen Jahren gestiegen – sie seien die "Allrounder", leisten einen Großteil der Patientenversorgung. Um Hausärzte fürs Land zu gewinnen, sei besonders wichtig, Famulaturen und Weiterbildungen auf dem Land absolvieren zu können. "Nicht nur die Erfahrungen in der Kindheit, sondern auch die Zeit während der ärztlichen Ausbildung entscheidet, wo man später tätig sein möchte."

Weiterbildung und Wohnung

Die Vorbereitungen für die Hausarztschmiede begannen bereits 2019. Vor zwei Jahren konnte das Projekt offiziell starten. Seitdem ist viel passiert: Stolz präsentiert Projektentwicklerin Laura Ott die Internetseite, die nun mit allen gewünschten Funktionen bestückt ist. Viel positive Rückmeldungen hätte es in den vergangenen Wochen für den nichtöffentlichen Teil, den sogenannten "Community-Bereich", gegeben. Interessierte Abiturienten, Studenten und Mediziner können sich hier anmelden und sich in verschiedenen Foren zum Studium, zu Fortbildungen oder zu einem Studienort austauschen.

"Netzwerke bilden, Kontakte zu anderen knüpfen und der gegenseitige Austausch stehen hier im Vordergrund", sagt Ott. In den Foren werden aber auch mögliche Wohnungen und Ausflugsziele in der nördlichen Oberpfalz besprochen. Neu ist auch der Kalender mit allen wichtigen Terminen, wie etwa die Bewerbungsfrist für die Landarztquote.

Anstellung bringt Vorteile

Acht Hausarztpraxen und zwei Facharztpraxen im Landkreis sind bereits Teil des Projekts. "Mit weiteren Interessenten und dem Klinikum Weiden sind wir derzeit im Gespräch", sagt Peter Deinlein. "Der Landkreis Tirschenreuth will zur Gesundheitsregion werden", erklärt Landrat Roland Grillmeier. Wenn Ärzte fehlen, leide die gesamte Lebensqualität im Landkreis. Die Vermittlerrolle übernehme man auch für fertige Mediziner. Nicht jeder wolle gleich in die Selbstständigkeit wechseln und sucht deshalb nach einer Anstellung.

Solche Verbünde könnten auch für Kinderärzte interessant sein, die an eine Hausarztpraxis "andocken" wollen, aber auch für Ärztinnen, die eine Familie gründen möchten. "Die Chance ist hoch, dass sie im Anschluss eine eigene Praxis eröffnen oder eine bestehende übernehmen", sagt Peter Deinlein. Ob sie später Hausärztin werden möchte, hält sich Janine Burger noch offen. "Ich lasse alles auf mich zukommen, durch die Hausarztschmiede habe ich aber einen sehr positiven Einblick in dieses Tätigkeitsfeld bekommen."

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Ebnath25.07.2022
Hintergrund:

Das Projekt "Innovative Hausarztschmiede"

  • Ziel: Medizinische Versorgung im Landkreis verbessern
  • Initiator: Dr. Peter Deinlein aus Kemnath
  • Projektmanagerin: Laura Ott
  • Internetseite: www.hausarztschmiede.de
  • Kosten: 250.000 Euro, die Hälfte wird vom Freistaat Bayern gefördert
  • Aufgaben: Beratung und Unterstützung von Schülern, Studenten und angehenden Medizinern, Ausbau der Weiterbildungsstruktur, Projektwochen, Förderung von Lehrpraxen, Aufbau eines Nachwuchs-Netzwerks
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