18.08.2019 - 15:22 Uhr
KemnathOberpfalz

"Spaßbremse" gibt Gas

Was haben ein Stadtkämmerer und ein bayerischer Finanzminister gemeinsam? Das erfahren die Zuhörer beim CSU-Dämmerschoppen beim Wiesenfest. Abgewatscht wurden links- und rechtslastige Parteien.

von Roman MelznerProfil

Finanz- und Heimatmister Albert Füracker, CSU-Bürgermeisterkandidat Roman Schäffler und CSU-Landratskandidat Roland Grillmeier nutzten die 70. Kemnather Wiesn zum politischen Diskurs. Die Kemnather Böllerschützen begrüßten lautstark den zum bayerischen Defiliermarsch ins volle Festzelt einziehenden Minister aus der Landeshauptstadt. Auch Festwirt Armin Schinner begrüßte per Handschlag den hohen Gast aus München, ebenso Bürgermeister Werner Nickl.

Schäffler und Grillmeier zeigten Respekt und Demut vor den angestrebten Ämtern. Finanzminister Füracker warb auch für beide. "Den Roland kannte ich aus der JU-Zeit ja schon, da hatte ich noch volles Haar", schmunzelte der Minister, um im gleichen Atemzug mit wieder ernster Miene zu betonen, dass er Leute wie Kämmerer Roman Schäffler mag, da dieser im Prinzip das Gleiche tue wie er selbst. "Wir beide passen auf das Geld der Bürger auf, das uns anvertraut wurde. Ein Finanzminister gilt aber oft auch als Spaßbremse, weil er nicht alle Wünsche erfüllen kann." Füracker gratulierte der Stadt Kemnath zum niedrigsten Gewerbesteuersatz in ganz Bayern. Er sprach von einem Paradebeispiel bayerischer Finanzpolitik. "Nicht ständig neue Steuern, wie es rote oder auch grüne Politiker ständig fordern, bringen uns weiter, sondern wir müssen die Gelder bei den Menschen und Firmen belassen." Füracker betonte immer wieder, er brenne für das Leben im ländlichen Raum und das ehrenamtliche Engagement dort. "Wir dürfen die Menschen hier nicht alleine lassen und uns nur auf die Städte konzentrieren", warnte der CSU-Politiker.

Er verurteilte Parteien wie die AfD, die nur Ängste schürten vor Überfremdung. "Der Freistaat war bei der Flüchtlingskrise besonders gefordert und hat aufgrund seines Engagements über alle Bevölkerungsschichten hinweg seinen Mann gestanden." Er warnte eindringlich davor, dass intolerante über tolerante Menschen wieder bestimmen können. Aber auch mit linken Parteien ging Füracker hart ins Gericht. "Die Grünen wollen für alles höhere und neue Steuern. Sie wollen teure CO2-Zertifikate, höhere Steuern auf Fleisch und Benzin. Vielleicht stellen sie auch bald einen Antrag auf eine Erdoberflächen-Nutzungsgebühr oder schlagen eine Lufteinatmungssteuer vor. Wir haben hier auf dem Land keine U- oder S-Bahnen, wir sind hier auf das Auto jeden Tag angewiesen", rief der Politiker lautstark ins Mikrofon.

Der Redner plädierte dafür, wie versprochen den Solidaritätszuschlag endlich abzuschaffen und die Pendlerpauschale zu erhöhen. "Ehrliche Arbeit muss sich lohnen und nicht durch Steuern bestraft werden. Den Wohlstand, den wir uns alle hart erarbeitet haben, kann man nicht konservieren", lief der Politiker zur Höchstform auf. "Glauben Sie, der ländliche Raum hier hätte sich so entwickelt, wenn es den Ausbau der Autobahn A 93 nicht geben hätte?"

Auch beim Thema Energieversorgung stand der Politiker für klare Worte. "Wir haben gemeinsam gesagt 'Raus aus Kernenergie' und müssen gemeinsam jetzt für Lösungen sorgen." Er sei für dezentrale Energieversorgung, so der gelernte Landwirt. Aber es gehöre auch zur Wahrheit, zuzugeben, dass es ohne große Stromleitungen nicht funktionieren werde. Auch habe er festgestellt, dass es für einen Politiker gar nicht so schlecht sei, keinen Doktortitel zu haben. Nach seiner Mittleren Reife habe ihn zumindest bisher noch niemand gefragt. Am Ende seiner rund einstündigen kurzweiligen Rede ging Füracker noch auf die Behördenverlagerung ein, von der das Kemnather Land ein Nutznießer war. "Ihr wart eine der wenigen Kommunen, denen so etwas gelang. Die Verlagerung eines Teils des Zentrums Bayern, Familie und Soziales brachte 20 neue Arbeitsplätze. Dies hat aber auch mit Menschen zu tun, die für solche Ergebnisse kämpfen und die habt ihr hier in Kemnath unter euch." Landtagsabgeordneter Tobias Reiß bedankte sich mit seinen Kollegen bei dem bayerischen Finanz- und Heimatminister mit einem kleinem Fair-Trade-Präsent.

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