06.01.2020 - 14:59 Uhr
KemnathOberpfalz

Eine Stadt im Umbruch

Für Bürgermeister Werner Nickl war der Neujahrsempfang der Stadt Kemnath etwas Besonderes - er war nämlich der Letzte in seiner Amtszeit. Er nutzte das Podium deswegen auch, um sich zu verabschieden und zu bedanken.

Rund 250 geladene Gäste verfolgten die Reden von Bürgermeister Werner Nickl (links) und Landrat Wolfgang Lippert beim Neujahrsempfang der Stadt Kemnath.
von Holger Stiegler (STG)Profil

"Letztendlich war immer das Wichtigste, dass die richtigen Entscheidungen und Weichenstellungen zum Wohle von Stadt und Bürgern getroffen wurden", blickte Werner Nickl auf 18 Jahre zurück. Er habe in seiner Amtszeit immer das getan, was er konnte. "Und dazu habt Ihr alle euren Beitrag geleistet", betonte der Rathauschef vor rund 250 geladenen Gästen. Das Amt des Kemnather Bürgermeisters sei für ihn der "schönste Beruf der Welt" gewesen.

Vergünstigungen schaffen

In seiner Ansprache hatte Nickl zuvor betont, dass sich die Stadt in einem Umbruch befinde. Als "entscheidenden Faktor" dafür machte der die hervorragende finanzielle Ausstattung aus, die durch die gestartete Gewerbeoffensive mit Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes bedingt sei. "Dadurch sind wir in der Lage, künftig weitere Vergünstigungen für Bürger und Gesellschaft zu schaffen und die Stadtumgestaltung auch finanziell zu stemmen", erklärte Nickl.

Darüber hinaus war und sei man in der Lage, vorausschauend Stadtentwicklung zu betreiben und die dafür notwendigen Beschaffungen zu tätigen. In den vergangenen beiden Jahren seien Planungsgrundlagen für die Entwicklung neuer Stadtteile geschaffen worden. Nickl zeigte mehrere Entwicklungsbereiche auf: Neubau der Staatlichen Realschule mit angrenzendem Wohngebiet, Ausweitung des Sportzentrums und Umsiedlung des Sportvereins, geplanter Ankauf des Milchhofgeländes und Umnutzung zum Wohngebiet, Sanierung des Lenzbräu-Anwesens mit Umwandlung in ein Bürgerhaus sowie der laufende Kindergartenneubau. "All das sind Planungen, die uns in den nächsten Jahren intensiv in der Umsetzung beschäftigen werden", betonte Nickl.

Manche Planungen und Umsetzungen seien wohl nicht sonderlich schnell gegangen, im Nachhinein müsse man aber nun feststellen, dass sich durch die Verzögerungen auch neue finanzielle Fenster aufgetan hätten. "So hat alles zwei Seiten, die unfreiwillige Wartezeit war wohl aus heutiger Sicht sehr wichtig und richtig."

Schlaglichtartig ließ der Bürgermeister zahlreiche andere Projekte des Jahres 2019 Revue passieren - von der Sanierung des Rathauses bis hin zum Dorfgemeinschaftshaus in Schönreuth. Neben allen räumlichen und baulichen Entscheidungen komme aber auch den Traditionen und den Veränderungen in der Gesellschaft eine wichtige Bedeutung zu. "Eine lebendige Gemeinschaft in unserer Stadt und den Ortsteilen rund um Kemnath zeichnet uns aus."

"Alles, was wir brauchen"

Nickl machte deutlich, dass er die derzeitige Weltuntergangsstimmung im Land nicht teile. Natürlich könne man manches besser machen, Verbesserungswürdiges lasse sich auch finden. "Aber sehen wir uns doch um: Wir leben hier in einer traumhaft schönen Umgebung, wir haben Frieden, wir haben alles, was wir wirklich brauchen, im Überfluss." Angesichts der Not in der Welt gehe es einem in Kemnath wirklich gut. Dieser Überfluss brauche auch ein Korrektiv in Form von nachhaltigem Denken: Kemnath sei seit 2016 Fairtrade-Stadt, vor wenigen Wochen habe man den Titel für zwei weitere Jahre bekommen. "Es sollte jeder bei seinem täglichen Handeln das Thema Nachhaltigkeit mit einbeziehen, das ist auch das Ziel der Fairtrade-Stadt Kemnath."

Ruhe, Gelassenheit sowie einen respektvollen Umgang miteinander wünschte sich Nickl für die Wochen bis zur Kommunalwahl am 15. März. "Die Zusammensetzung im Stadtrat wird sich verändern, es wird einen neuen Bürgermeister geben", so Nickl. Das laufende Jahr 2020 werde viele Herausforderungen bringen. "Wenn wir alle zusammenhelfen, meistern wir diese auch", zeigte sich der Bürgermeister überzeugt. Kemnath blicke auf eine lange und gute Tradition bürgerschaftlichen Engagements zurück.

HIntergrund:

Lippert: Kemnath wichtiger Pfeiler im Landkreis

Der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert betonte in seinem Grußwort, dass sich in seiner Heimatstadt Kemnath auch 2019 wieder Vieles zum Positiven entwickelt habe. Gespannt dürfe man deswegen auf das kommende Jahr blicken. "Auch in Zukunft wird Kemnath ein wichtiger westlicher Pfeiler im Landkreis sein." Die Stadt werde sich in vielen Bereichen verändern, sie werde moderner und noch attraktiver werden, zeigte sich Lippert optimistisch. Der Landkreis werde einen Anteil dadurch leisten, indem eine neue Realschule mit einer Investitionssumme von 35 Millionen gebaut werde.

Der Landkreis sei auf einem guten Weg. Dies manifestiere sich auch in der aktuellen Prognos-Untersuchung für alle Landkreise und kreisfreien Städte im Hinblick auf deren Zukunftsfähigkeit. "Dem Landkreis Tirschenreuth wird darin attestiert, dass er zu den zehn Aufsteigerregionen Deutschlands gehört", betonte Lippert. In nicht unerheblichem Maße habe dazu die Stadt Kemnath beigetragen. Er nutzte sein letztes Grußwort als Landrat auch dazu, um sich für die Kooperation und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren zu bedanken, besonders auch bei dem ebenfalls scheidenden Bürgermeister Werner Nickl. "Möge unseren Nachfolgern auch so ein konstruktives Miteinander gelingen."

Informationen:

Segen und Handschläge

In Kemnath ist es seit über zwölf Jahren Tradition, dass die Kommune zum Neujahrsempfang einlädt: Rund 250 geladene Gäste waren zu dem Stehempfang ins Neue Foyer gekommen. Begrüßt worden waren die Gäste sowohl von einem echten Schornsteinfeger (Bezirkskaminkehrer Bernhard Wegmann) als auch per Handschlag von Stadtoberhaupt Werner Nickl und Ehefrau Elisabeth. Musikalisch begleitete den Empfang das Duo "Jaro und Roland".

Den ökumenischen Segen für das neue Jahr spendeten Stadtpfarrer Thomas Kraus und evangelischer Pfarrer Dirk Grafe.

Für Landrat Wolfgang Lippert hat die Stadt Kemnath großen Anteil daran, dass der Landkreis Tirschenreuth zu den zehn Aufsteigerregionen Deutschlands gehört.
Musikalisch begleitete den Empfang das Duo „Jaro und Roland“.
Bürgermeister Werner Nickl bei seiner Ansprache.
Den ökumenischen Segen für das neue Jahr spendeten Stadtpfarrer Thomas Kraus und der evangelische Pfarrer Dirk Grafe (von rechts).
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