26.03.2020 - 13:25 Uhr
KemnathOberpfalz

Tausendfach falten und kleben

Am Sonntag, 29. Mai, geht es mit den Stichwahlen in die letzte Runde der Kommunalwahlen. Heuer stellen sie Verwaltungsmitarbeiter in betroffenen Gemeinden und Postzusteller vor große Herausforderungen – in Kemnath auch die Erzieherinnen.

Eva Vogel, Laura Schindler, Heidi Lauterbach und Christian Veigl (von links) halfen mit, dass die Briefwahlunterlagen frühzeitig den Speichersdorfer Bürgern zugestellt werden konnten.
von Autor HAIProfil

Martin Graser kann jetzt erst einmal durchatmen. „Die 5 Briefwahlbezirke sind mit Wahlhelfern ausgestattet“ und die rund 4450 Unterlagen für die Briefwahl versandt, berichtet der Kemnather Gemeindewahlleiter am Donnerstag.

Doch bis es soweit war, „war enorm viel Hektik“ für alle Beteiligten. So sei gleich nach der Urwahl am Montag vergangener Woche das Drucken der Wahlzettel in Auftrag gegeben worden. Drei Tage später seien sie eingetroffen. Um sie dann so schnell wie möglich an die Wähler schicken zu können, erhielten Graser und sein Team Hilfe von ungewöhnlicher Seite.

Da die Kindertagesstätte den Betrieb wegen der Coronakrise eingestellt hatte, das Personal jedoch Präsenzpflicht habe, seien die Erzieherinnen „ab Donnerstag, 11 Uhr, in die Bresche gesprungen“. Sonst wäre es nicht zu schaffen gewesen, dass der Postdienstleister die fertigen Unterlagen bereits am Freitag habe abholen können.

Ersatz bis heute, 12 Uhr

Ein Großteil der 4450 Briefe („Eine Herkulesaufgabe“) sollte laut Graser bis zum gestrigen Donnerstag zugestellt worden sein. Die Zahl der Anrufer, die noch auf entsprechende Post gewartet haben, habe sich in Grenzen gehalten. Wer bis heute, Freitag, allerdings immer noch keinen Wahlzettel erhalten hat, kann sich bei ihm wegen Ersatzdokumenten bis 12 Uhr melden und das weitere Vorgehen bezüglich Empfang/Übergabe besprechen.

Je acht Wahlhelfer in den fünf Bezirken werden am Sonntag die Auszählung in der Grund- und Mittelschule übernehmen. Weil dort die Räume größer seien als im Rathaus werde dorthin als Vorsichtsmaßnahme ausgewichen. Zum Schutz der Wahlhelfer zu stehen ihnen Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe zur Verfügung. Desinfiziert werden vor der Auszählung auch die Tische, die für die Zweier-Gruppen jeweils in einer Ecke der Räume platziert werden, „um die räumliche Distanz zu gewährleisten“.

Zu den Wahlhelfern kommt noch Ordonanzpersonal. Weil die Auszählung öffentlich erfolgen müsse, sorge dieses dafür, dass immer nur eine kleine Gruppe von 5 bis 6 Personen das Prozedere verfolgen kann. Das Wahlergebnis wird Graser kann etwa um 19.30 Uhr im Pausenhof der Schule verkünden.

Zu sechst am Eintüten

Den ganzen Donnerstag und Freitagvormittag haben laut Dieter Döppl vom Wahlamt Erbendorf sechs Mann in der Vorwoche rund 4125 Briefwahlunterlagen eingetütet. Davon sei der Großteil bis Freitagabend per Post rausgegangen, der Rest am Montag. Bis zum gestrigen Donnerstag hätten nur zwei der Empfänger angerufen, aber die hätten die Dokumente inzwischen auch erhalten.

Im Gegensatz zu Kemnath bleiben Döppl und die 16 Wahlhelfer, die sich hauptsächlich aus Verwaltungsmitarbeitern rekrutieren, am Sonntag im Rathaus. Dort seien die Räumlichkeiten groß genug, erklärt der Sachbearbeiter. Die Kollegen werden beim Auszählen des einen Wahlbezirks (statt fünf wie vor zwei Wochen) zudem zu ihrem Schutz Handschuhe und Masken tragen. Wer von den Bürgern möchte, kann ihnen dabei natürlich zuschauen, „außer wenn sich zu viele einfinden. Das können wir dann wegen der Gefährdung nicht machen“.

„Es ging nur mit Überstunden und Sonderschichten am Wochenende“, erzählt die Speichersdorfer Verwaltungsmitarbeiterin Heidi Lauterbach. Einen Kraftakt hatten ihre Kolleginnen im Rathaus in den vergangenen Tagen anlässlich der Stichwahl zum künftigen Landrat des Bayreuther Landkreises am kommenden Sonntag zu leisten. Da diese erstmals ausschließlich als Briefwahl erfolgt, sei bei den Vorbereitungsarbeiten das Prozedere zu ändern und noch einmal ein ganz anderer Aufwand erforderlich gewesen, erläutert Standesbeamtin Kerstin Hofmann. Bei ihr liefen in die Fäden zusammen. Am Mittwoch sollten die letzten der 2341 Wählerinnen und 2308 Wähler ihren Wahlschein im Briefkasten gehabt haben.

Sonderschicht am Samstag

Seit Freitag hatten – mit Ausnahme des Sonntags – jeden Tag Kisten an Wahlunterlagen das Rathaus verlassen. Ein Team an Bediensteten der Gemeinde hatte die Briefwahlunterlagen zusammengestellt. Diverse Umschläge galt es im Rathaus selbst zu bedrucken, Stimmzettel einzutüten und Briefe zu frankieren. Das ging nicht ohne Überstunden und einer Sonderschicht am Samstag. Am Montag konnten dann schließlich die letzten Dokumente das Haus verlassen.

Für Hofmann und Lauterbach ist jedoch damit aber noch lange nicht Schluss. Denn es gilt noch die fünf Briefwahlbezirke am Wahltag zu managen. Einzelne Mitglieder, die am 15. März mit ausgezählt haben, stehen nicht zur Verfügung und müssen nachbesetzt werden. Am Sonntag treffen sich die Wahlhelfer um 16 Uhr in der Sportarena. Um 18 Uhr beginnt das öffentliche Auszählen. „Dafür haben wir wegen der Corona-Krise eigens Vorbereitungen getroffen“, erläutert Wahlleiter Thorsten Leusenrink. So wurden für alle Wahlhelfer Einmal-Hygiene-Handschuhe besorgt. Auch steht Desinfektionsmittel in ausreichendem Maße zur Verfügung. Nicht zuletzt wird auf großräumigen Abstand geachtet.

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