09.08.2019 - 15:07 Uhr
KemnathOberpfalz

Tödliche Hundstage

Der gestrige Freitag hat wieder gezeigt, dass der Sommer noch lange nicht vorbei ist. Ist es aber zu heiß, macht das aber nicht nur den Menschen zu schaffen.

Dieses Wildschwein ist eine „coole Sau“. Abkühlung sucht sich das Tier einfach in einem Wasserloch.
von Hans RöschProfil

Im Gegensatz zu ihnen können die meisten Wildtiere nicht schwitzen. Dennoch kommen sie mit hochsommerlichen Temperaturen gut zurecht. Mit ein paar schlauen Tricks behalten sie einen kühlen Kopf. Eine Gefahr droht eher Haustieren, weshalb Tierarzt Wolfgang Schinner warnt: Hunde bei Hitze nicht im Auto lassen.

Dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Kemnath des Bayerischen Jagdverbandes pflichtet dessen Pressereferent und langjähriger Hundeführer Hans Rösch bei: "Das Innere des Fahrzeugs entwickelt sich - selbst, wenn es im Schatten steht und die Fenster geöffnet sind - innerhalb weniger Minuten zur Hitze- oder gar Todesfalle." Schon bei Außentemperaturen um 15 Grad heize sich der Innenraum in kurzer Zeit extrem auf. Vermeintliche Schattenplätze könnten eine halbe Stunde später der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein, weil die Sonne wandere.

Atmen zum Abkühlen

Hunde, aber auch Füchse, Wölfe und Katzen, die nur an den Ballen unter den Pfoten Schweißdrüsen haben, geben überschüssige Körperwärme ab, in dem sie sehr schnell aus- und einatmen und die Zunge aus dem Maul hängen lassen. Die schnelle Atmung funktioniert laut Schinner wie ein Ventilator. Es entstehe ein Luftzug, der Feuchtigkeit auf der Zunge und an den Schleimhäuten schneller verdunsten lasse und damit kühle. Auch viele Vögel seien bei Hitze oft mit geöffnetem Schnabel zu beobachten.

Wildschwein, Feldhase und Co. haben dagegen Möglichkeiten, selbst bei tropischen Temperaturen cool zu bleiben. Teiche, Seen und Gewässer dienten ihnen als Badeplatz, weiß Schinner. Hirsche stellten sich zur Abkühlung gerne in einen fließenden Bergbach oder genehmigten sich eine Schlammpackung in der Suhle, erklärt der Vorsitzende der Kreisgruppe Kemnath des Bayerischen Jagdverbandes. Gleiches treffe auf Wildschweine zu. Der nasse Schlamm an den Borsten kühle die Haut und sei gleichzeitig ein Mückenschutz.

Feldhasen pumpten an heißen Tagen mehr Blut in ihre langen Löffel. Ihre Ohren seien nur wenig behaart. Durch die dort die dünne Haut können sie überschüssige Wärme besser an die Umgebung ableiten. Wie Kaninchen belecken sie ihr Fell, denn auch der Speichel verdunstet und sorgt so für eine Erfrischung.

"Vögel leiten die Körperwärme über die Stellen ab, an denen sie keine Federn haben", erklärt Schinner. Ein Luftzug um die Beine oder ein Fußbad senke deren Körpertemperatur. Auch plusterten sie ihr Gefieder auf. Dadurch staue sich nicht so viel Wärme unter den Federn und Wind komme besser an die Haut. Der Storch stehe eher auf einem anrüchigen Sonnenschutz. Er bespritzt seine Beine mit flüssigem Kot. Das enthaltene Wasser entziehe dem Körper beim Verdunsten Wärme.

Ab ins Dickicht

Bei Hitze suchten sich Wildtiere ein schattiges Plätzchen im Dickicht, hielten Siesta und bewegten sich so wenig wie möglich, erläutert Schinner. Fuchs, Dachs und Kaninchen dösten in ihrem unterirdischen Bau, wo sie von frischer, feuchter Erde umgeben seien.

Auch bei Tieren hängt der Bedarf an Flüssigkeit von der Umgebungstemperatur, von der Zusammensetzung der Nahrung und von der Aktivität ab: "Grundsätzlich geht man davon aus, dass unser Wild pro Tag 50 bis 60 Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht braucht, das sind pro Kilogramm zwei bis drei Schnapsgläser voll." Bei Jungtieren sei es mehr. Ein ausgewachsener Feldhase brauche im Sommer rund einen Viertel Liter Wasser pro Tag. Die Tiere deckten den Großteil ihres Bedarfs sie über das frische Grünfutter oder den Tau am Morgen."

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