27.02.2020 - 11:44 Uhr
KemnathOberpfalz

Volksmusik trifft Opernmelodien

Nicht ganz so viele Musikanten wie sonst kamen zum 23. Musikantenstammtisch in das Gasthaus "Zur Fantasie" nach Kemnath. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Die Volksmusikfreunde, die zuhörten, kamen trotzdem voll auf ihre Kosten.

Spontan bildeten der Gitarrist Helmut Reichl, Erwin Hornauer und Herbert Storek mit ihren Steirischen Harmonikas (von links) ein Trio.
von Josef ZaglmannProfil

Musikanten, Sänger und die musikbegeisterten Zuhörer - alle fühlten sich wohl und genossen die entspannten Stunden mit "schöiner Musi". So konnten sie einige Stunden abschalten und den Stress der Woche vergessen. "Bei uns gibt's a hand'gmachte Musi", versprachen Maria und Herbert Storek, die alles bestens organisiert hatten. Und sie hatten nicht zu viel versprochen.

Erwin Hornauer aus Tröstau eröffnete mit seiner Steirischen den musikalischen Reigen mit dem "Esellied", dem "Timble Boarischen", der Polka "Auf der Autobahn" und "Der weiße Mond von Maratonga". Man merkte ihm an, dass er sehr gerne beim Musikantenstammtisch dabei ist.

Cajon und Steirische

Sebastian Zeitler aus Waldsassen hatte nicht nur sein Cajon, sondern auch seine Steirische mitgebracht. Mit der trug er "Unsre Tante Mizzi", "Grüß di Gott, Frau Wirtin", "Die schnelle Gerti" und den "Ski-Haserl-Walzer" vor. Mit dem Cajon improvisierte er immer wieder passende Rhythmen zu den Musikstücken, die andere spielten. Dabei machten auch Werner Ponnath aus Immenreuth, Hans Graf aus Kemnath und Dieter Paulus aus Eschenbach mit ihren Ratschn mit.

Nach einer bayrischen Polka, gespielt auf seinem Akkordeon, und einer humorvollen Geschichte lud Josef Zaglmann die Zuhörer zum Mitsingen des "Gefangenenchores" ("Teure Heimat, wann seh ich dich wieder?") aus der Oper "Nabucco" von Guiseppe Verdi ein.

Aus seinem großen Repertoire spielte Willi Prechtl aus Fichtelberg mit seinem Tenor-Saxophon "Seemann, lass das Träumen", "Aber dich gibt's nur einmal für mich", "Mitsou", "Fährt ein weißes Schiff nach Hongkong" und "Tanz mit mir, Corinna". Mit dem Walzerlied "Schön ist die Liebe im Hafen" leitete er eine gemütliche Schunkelrunde ein. Es war wirklich bewundernswert, wie gut er sein Holzblasinstrument beherrschte.

Fast alle Musikanten begleitete Helmut Reichl aus Pressath mit seiner Gitarre. Er hatte aber auch Evergreens wie "Spiel noch einmal für mich, Habanero" und "Vaya Con Dios" drauf. Dabei stellte er eindrucksvoll unter Beweis, dass er auf seinem Instrument viel mehr kann als nur Begleitakkorde zupfen.

Einer der treuesten Volksmusikanten ist Ludwig (Luk) Dötsch aus Schlammersdorf. "Frag die Zigeunerin", "Försterliesl", "Es scheint der Mond so hell", "Schöner Böhmerwald" und "Dou mou oaner hiwer'n" gab er diesmal auf seiner Konzertina zum Besten. Gesanglich wurde er von der Gastgeberin Maria Storek unterstützt.

Eine große Stütze für den Musikantenstammtisch ist Akkordeonspieler Gerd Retzer. Bei der Polka "Großglocknerblick", dem Walzer "Rosen der Liebe" und "Schau das Alpenglühn" unterstützten ihn andere Instrumentalisten kräftig. Viel Applaus erhielt er für das "Schlammersdorfer Lied" ("Reich mit deine beiden Hände und dein Herz dazu") und "Dem Land Tirol die Treue". Viele sangen begeistert mit.

Herbert Storek griff auch wieder zu seiner "Knöpferlharmonika". Er ist nicht nur ein guter Moderator und Organisator, sondern auch ein guter Musikant. Davon konnten sich die Zuhörer bei seinen Stücken "Fliege mit mir in die Heimat, fliege mit mir in den Himmel hinein", "Die Sterne am Himmel", "Fuhrmannslied" "A Rindvieh", "Der Paul und sein Gaul" und "Kleiner Harmonikaspieler" überzeugen.

Schluss erst um 2 Uhr

Im Laufe des Abends wurde die Stimmung in der Wirtsstube immer ausgelassener. Nach Herzenslust wurde gespielt, gesungen, geschunkelt und geklatscht. Einige wagten sogar ein Tänzchen. Nach dem offiziellen Teil war noch lange nicht Schluss. Spontan bildeten Erwin Hornauer, Gerd Retzer, Ludwig Lindner und Sebastian Zeitler ein Quartett, das bis in den Morgen für eine tolle Stimmung sorgte. Getreu dem Motto "Ein Musikant geht nicht spät heim, sondern erst in der Früh" gab es noch ein Lied und noch eins und noch eins. "Oana geht no" hieß es immer wieder.

"Aber um 2 Uhr war dann doch endgültig Schluss", erinnerten sich Maria und Herbert Storek.

Info:

Harmonika und Trompete

„Die Musik ist mein Leben, was kann es Schöneres geben?“, lautet der Refrain eines Liedes. Der könnte von Ludwig (Luggi) Lindner stammen. „So lange ich denken kann, habe ich schon immer Musik gemacht“, erzählt er beim Musikantenstammtisch beim „Sertl Hans“ in Kemnath.

Schon im Alter von drei Jahren erhielt der „Luggi“ Musikunterricht in der Musikschule Hader-Bender aus Schönfeld. Dort lernte er Akkordeon und Trompete. Das Spielen auf der Steirischen Harmonika hat er sich selbst beigebracht. Im Kindergarten in Kirchenthumbach bekam er Flötenunterricht. „Als ich in die Schule kam, konnte ich bereits Instrumente spielen“, erinnert er sich. Zeitweise machte er auch in einem Kinder-Akkordeonorchester mit.

In seiner Freizeit spielt er unter anderem Flügelhorn in der Stadtkapelle Eschenbach. Mit Gerd Retzer, Werner Meier und Markus Lautner hat er ein Quartett gegründet. Manchmal ist er auch als Alleinunterhalter unterwegs.

Sein Sohn lernte ebenfalls Akkordeon, die Tochter spielt Gitarre in einer Jugendband. Alle zwei Jahre organisiert Lindner zum Weinfest in Kirchenthumbach ein Musikantentreffen.

Beim Musikantenstammtisch in Kemnath ist er ein gerngesehener Gast. Er bringt immer zwei Instrumente mit: seine Trompete und seine Steirische. Damit unterstützt er im Duo, Trio oder Quartett die anderen Musikanten. Natürlich spielt er alles auswendig. „Die Noten habe ich im Kopf“, versichert er.

Viel Beifall erhielt Ludwig (Luggi) Lindner für sein Solostück „Die Sterne am Himmel“ beim Musikantenstammtisch in Kemnath.
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