Kemnath
30.04.2019 - 12:53 Uhr

Waldbesitzer brauchen Jäger

In der Jahreshauptversammlung des Jagdverbands stehen wichtige Punkte auf der Tagesordnung. Unter anderem das Volksbegehren "Rettet die Bienen". Doch nicht nur das Insektensterben sei ein Problem.

Erster Vorsitzender Dr. Wolfgang Schinner (am Rednerpult) leitete die harmonische Jahreshauptversammlung des Jagdverbandes Kemnath. Neben ihm sitzen Schatzmeister Benjamin Sperber und Reinhard Höcht (von links). Bild: jzk
Erster Vorsitzender Dr. Wolfgang Schinner (am Rednerpult) leitete die harmonische Jahreshauptversammlung des Jagdverbandes Kemnath. Neben ihm sitzen Schatzmeister Benjamin Sperber und Reinhard Höcht (von links).
Der neue Forstdirektor Dirk Lüder stellte sich bei der Jahreshauptversammlung des Jagdverbandes Kemnath vor. Bild: jzk
Der neue Forstdirektor Dirk Lüder stellte sich bei der Jahreshauptversammlung des Jagdverbandes Kemnath vor.

Mit dem Bläserstück "Auf, auf zum fröhlichen Jagen" eröffneten die Kaibitzer Schloßbläser unter Leitung von Hornmeister Ely Eibisch die Jahreshauptversammlung des Jagdverbandes Kemnath. Vorsitzender Dr. Wolfgang Schinner erwähnte den Kurs für die neue Datenschutzverordnung, die erfolgreiche Hundeprüfung, das Verbiss-Gutachten und den Nachweis des Großen Amerikanischen Leberegels beim Rotwild, bei dem eine medikamentöse Behandlung möglich sei. "Die Hasenpest ist auf den Menschen übertragbar", warnte er. Untersuchungen hätten ergeben, dass die radioaktive Belastung des Schwarzwildes in der Region abnehme.

Nach dem Bericht des Schatzmeisters Benjamin Sperber und dem Kassenprüfbericht von Johann Zehrer wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Für den verhinderten Hundeobmann Andreas Schiedlofsky verlas Hubert Mühlhöfer den Bericht über die Brauchbarkeitsprüfung 2018. "Sechs Hunde wurden zur Prüfung vorgestellt, alle haben bestanden." Sein besonderer Dank galt dem Revierinhaber Herbert Tretter und dem Forstbetrieb Schnaittenbach.

Bei der Besprechung der Strecke legten die Leiter der vier Hegegemeinschaften ihre Streckenlisten vor. Sie zählten das erlegte Wild in der Jugend-, Mittel- und Altersklasse auf und erklärten die Statistiken für das Niederwild. Mit einer Gegenstimme wurde der Abschluss einer Hundeversicherung beschlossen.

Der neue Forstdirektor Dirk Lüder berichtete über die Situation der Waldbesitzer und des Waldes im Landkreis Tirschenreuth. "2018 gab es im Landkreis Tirschenreuth beim Käferholz einen Anstieg von zehn Prozent", zitierte er aus dem forstlichen Gutachten. Viele Waldbesitzer arbeiten sauber und schaffen das vom Fichtenborkenkäfer, Buchdrucker oder Kupferstecher befallene Holz schnell aus dem Wald. Die Forstbetriebsgemeinschaften unterstützen sie dabei.

Auf den 22 000 Hektar Privatwald im Landkreis stehen zu mindestens 60 Prozent Fichten und zu über 25 Prozent Kiefern. "Diese beiden Baumarten werden durch Klimaerwärmung und Trockenjahre geschwächt und sind dadurch immer anfälliger für Schädlinge." Durch die warmen Jahre könnten sich die Borkenkäfer immer besser vermehren. Das vergangene Jahr 2018 sei von der Jahresdurchschnittstemperatur her das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 und gleichzeitig ein sehr trockenes Jahr, der Sommer 2018 der drittwärmste in der jüngeren Klimageschichte gewesen.

Die Bodenwasserspeicher seien ab August erschöpft gewesen. Den Borkenkäfer bekämpfen und Mischbaumarten zu Fichte und Kiefer pflanzen, seien langfristig wirksame Maßnahmen. "Dazu brauchen die Waldbesitzer aber auch die Unterstützung der Jäger, denn die sind die Jagdexperten", forderte der neue Forstdirektor. Mit ihrer Erfahrung könnten sie für angepasste Rehwildbestände sorgen.

Kreisgruppenvorsitzender Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg lud zum Besuch des Oberpfälzer Rotwildtages am Samstag, 4. Mai, in Vilseck ein. Mit einem Waidmannsdank an alle Helfer und einem Waidmannsheil für die kommende Jagdsaison beendete Dr. Wolfgang Schinner die Jahreshauptsammlung des Jagdverbandes Kemnath. Auf reges Interesse stieß die eindrucksvolle Hegeschau im Foyer (Bericht folgt).

Info:

Volksbegehren und Förderprogramme

„Der Natur- und Artenschutz gewinnt immer mehr Raum in der gesellschaftlichen Diskussion“, erklärte Naturschutzwart Hans Frisch, „aber nur in enger Partnerschaft zwischen Jagd und Landwirten kann etwas erreicht werden.“ In seinem Bericht nahm er auch Bezug auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. „Aber nicht nur das Insektensterben ist ein Problem unserer Zeit, “ meinte er, „Veränderungen in der Landschaft haben Wildarten wie das Rebhuhn oder in einigen Regionen den Hasen an den Rand des Aussterbens gebracht.“

„Was können wir vor Ort tun?“ war eine Frage. „Es wurde schon viel getan wie beispielsweise das Heckenprogramm bei Reuth“, antwortete Frisch. Auch wurden aus den Mitteln der Jagdabgabe seit 2012 über 500 Obstbäume und viele Hecken in der Feldflur gepflanzt. In diesem Zusammenhang verwies Fritsch auf die Förderprogramme für Streuobstbäume, Buntbrachmischungen, Hecken und Feldgehölze. „Bis zum 1. Oktober müssen die benötigten Pflanzen bei mir gemeldet werden“, verkündete er, „ich stelle dann den Antrag und bestelle die Pflanzen.“ Nach dem Abschluss der Pflanzmaßnahmen müssen Nachweise geführt werden. „Die Schweinepest ist im Baltikum noch weit verbreitet“, wusste Reinhard Höcht, Leiter der unteren Jagdbehörde, „aber Tschechien ist bereits frei.“ Genau erläuterte er den Jägern die Bestimmungen für den Einsatz von Nachtsichtgeräten bei der Jagd.

 
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