Wie eng seine historische Verbindung zur Region hier ist – das Zweite Kavallerie-Regiment der US-Armee hat es erst am 1. Mai wenige Kilometer hinter dem Grenzübergang bei Eslarn gezeigt. Mit einer umjubelten Parade hoch zu Ross erinnerten Soldaten der Vilsecker Einheit im tschechischen Bělá nad Radbuzou an den 81. Jahrestag der legendären „Operation Cowboy“, die einst sogar Stoff für einen Hollywood-Film bot.
Kurz vor Kriegsende hatten die Soldaten aus der Vorläufer-Einheit des heutigen „2nd Cavalry Regiment“ die berühmten Lipizzaner vor der herannahenden Roten Armee in Sicherheit gebracht. Um die Tiere zu schützen, waren diese zuvor aus der Spanischen Hofreitschule in Wien ins vermeintlich sichere böhmische Hinterland gebracht worden. Als die Schimmel dann aber den hungrigen russischen Soldaten in die Hände zu fallen drohten, kooperierte die US-Einheit kurzfristig sogar mit den verfeindeten Soldaten Nazideutschlands.
Abzug droht
Heute sind die USA und Deutschland formell keine Feinde mehr, mit der Kooperation ist es aktuell aber nicht weit her, zumindest auf höchster politischer Ebene. Deshalb spricht gerade einiges dafür, dass das Zweite Kavallerie-Regiment die Rose Barracks in Vilseck bald dauerhaft verlassen muss, wo es seit 2006 stationiert ist. Seit Donald Trumps Kriegsminister Pete Hegseth angekündigt hat, dass die USA 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen werden, deuten alle Spekulationen auf das Vilsecker Regiment hin.
Eine offizielle Bestätigung aus dem Pentagon gibt es dafür zwar nicht. Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt die dortige Pressestelle aber die grundsätzlichen Pläne. Diese sollen in den kommenden sechs bis zwölf Monaten umgesetzt werden. „Mehr gibt es im Moment dazu nicht zu sagen“, heißt es in der kurzen Antwort dann aber nur noch. Dennoch sind sich Militär- und Sicherheitsexperten einig, dass es die einzige in Deutschland stationierte Kampfbrigade treffen dürfte.
Auch Nils Gründer sieht das so. Der FDP-Politiker aus Neumarkt war Mitglied des Verteidigungsausschusses des Bundestags, bis seine Partei Anfang 2025 am Wiedereinzug ins Parlament scheiterte. Gründer hatte sich in seiner Zeit in dem Ausschuss den Ruf eines gut vernetzten Experten erworben. Auch seit dem Ausscheiden habe er sein Netzwerk gepflegt.
"Beleidigtes Kleinkind"
Deshalb traue er sich zu, diese Einschätzung zu treffen. Und er gehe davon aus, dass anders als bei Trumps erster Abzugsankündigung im Jahr 2020 der Plan diesmal auch umgesetzt werden dürfte. „Allerdings schneiden sich die USA damit vor allem ins eigene Fleisch“, sagt Gründer. Trump handle wie „ein beleidigtes Kleinkind“, denn die Abzugsentscheidung sei weder rational noch im Sinne der USA.
Denn auch wenn die US-Truppen aus wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Sicht wichtig für Deutschland und die Oberpfalz sind, sei die Stationierung rund um den Übungsplatz Grafenwöhr keine Gefälligkeit an den Nato-Partner Deutschland, sondern in erster Linie im Interesse der USA. Gründer verweist auf den laufenden Iran-Krieg, bei dem die Stützpunkte in Deutschland eine Drehscheiben-Funktion einnehmen. In diesem Zusammenhang werde meist die Air-Base im pfälzischen Ramstein genannt. Gründer betont aber ausdrücklich, dass in den Logistik-Strukturen der US-Armee auch der Standort Grafenwöhr wichtig sei. Von der Bedeutung für die Ausbildung der US-Armee ganz zu schweigen.
Freunde unterm Maibaum
Dies sei den US-Militärs vor Ort auch bewusst, ergänzt Edgar Knobloch. „Was der Übungsplatz Grafenwöhr zu bieten hat, das lässt sich nicht einmal für sehr viel Geld ersetzen.“ Grafenwöhrs Bürgermeister zielt damit auf die technischen Möglichkeiten des Übungsplatzes ab. In diese Infrastruktur werde aktuell auch im großen Stil investiert. Bisher gebe es keine Anzeichen, dass die laufenden Ausbauarbeiten zurückgefahren würden.
Mindestens so wichtig sei aber auch die Akzeptanz, mit der die Menschen hier den US-Soldaten begegnen. Am 1. Mai sei wieder eine Abordnung aus den Tower Barracks dabei gewesen, als es darum ging den Maibaum aufzustellen, nennt Knobloch ein Beispiel. Das komme bei den Amerikanern nicht nur gut an. „Dass ihre Kinder hier völlig gefahrlos durch den Stadtpark toben können – das ist nicht selbstverständlich, und das wird auch geschätzt." Vielleicht müsse öfter betont werden, "wie wichtig unsere Standorte auch für die USA und ihre Interessen sind". Manchmal entstehe der Eindruck, dass nur die deutsche Seite profitiert, findet Knobloch.
Kritik von Parteifreunden
Das sieht auch Nils Gründer so. Allerdings ist er überzeugt, dass das – abseits von Trump – auch viele in den USA wissen. So hätten die Sprecher der Verteidigungsausschüsse in Senat und Repräsentantenhaus des US-Kongresses „sehr verhalten“ auf Trumps Ansage reagiert. Das sei auch deshalb bemerkenswert, weil beide Posten mit Republikanern besetzt sind. Dennoch hätten Senator Roger Wicker und der Abgeordnete Mike Rogers gefordert, dass der Kongress bei solchen Entscheidungen besser eingebunden werden müsse. Laut Gründer hätten wohl auch die Militärs nichts von den Plänen gewusst.
Ob es ein Zurück gebe, sei dennoch schwer zu sagen. Gründer glaubt, dass Trump den Kongress heute „besser im Griff“ habe als 2020. Damals waren seine Verlegungspläne auch daran gescheitert, dass die beiden Kammern ihm schlicht das nötige Geld für die Umsetzung verweigerten. Ganz ausgeschlossen sei aber nicht, dass Trump seine Meinung ändere. Er sehe sich schließlich als Dealmaker, möglicherweise warte er auf Angebote aus Europa.
So oder so müsse Trumps neue Volte ein endgültiger Weckruf für den deutschen Verteidigungsminister sein, endlich die Reform der Bundeswehr voranzubringen. Am Geld scheitere es längst nicht mehr, und dennoch mache die Modernisierung kaum Fortschritte, kritisiert Gründer. So bleibe Deutschland weiterhin von den militärischen Fähigkeiten der USA abhängig – so wie das für die Oberpfalz zumindest teilweise auch wirtschaftlich gilt. Denn so viel ist klar: Die Wirtschaft in Vilseck und Umgebung ist dringend auf die US-Kavallerie angewiesen, fast wie einst die Lipizzaner in Bělá nad Radbuzou.


















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