Kemnath
26.11.2019 - 12:13 Uhr

Von Waldeck nach Budapest

Ganz im Zeichen von Hans von Koessler stand das Benefizkonzert des Heimat- und Kulturvereins in der Stadtpfarrkirche Kemnath. Der zu seiner Zeit sehr bekannte Komponist kam 1853 als Kind des Lehrers J.B. Kößler in Waldeck zur Welt.

Pfarrer Thomas Kraus (Zweiter von rechts) sowie die HuK-Vorsitzenden Leonhard Zintl und Georg Wagner sich bei Moderator Lukas Zintl, Flötistin Johanna Nickl und Organist Florian Löw (von links) für das eindrucksvolle Kirchenkonzert. Bild: jzk
Pfarrer Thomas Kraus (Zweiter von rechts) sowie die HuK-Vorsitzenden Leonhard Zintl und Georg Wagner sich bei Moderator Lukas Zintl, Flötistin Johanna Nickl und Organist Florian Löw (von links) für das eindrucksvolle Kirchenkonzert.
Moderator Lukas Zintl stellte die beiden jungen Künstler Johanna Nickl (links) und Florian Löw (rechts) vor. Bild: jzk
Moderator Lukas Zintl stellte die beiden jungen Künstler Johanna Nickl (links) und Florian Löw (rechts) vor.

Hans von Koessler hat über 130 Werke komponiert, die zu seiner Lebenszeit internationalen Zuspruch fanden. So wurden seine Orchestervariationen, die "Symphonischen Variationen für großes Orchester" in fast allen Musikzentren Europas und Amerikas aufgeführt. Sein Nachlass ist weit verstreut. Er selbst legte keinen Wert auf die Pflege und den Erhalt von persönlichen Dokumenten und Werkmanuskripten. Der 2015 gegründete Kössler-Arbeitskreis des Heimat- und Kulturvereins (HuK) Waldeck und das Kössler-Archiv haben es sich unter der Leitung von Josef Brunner zur Aufgabe gemacht, den in seiner Heimat heute nahezu unbekannten Komponisten und sein Werk wieder bekannter zu machen.

Organist Florian Löw und die Flötistin Johanna Nickl haben sich intensiv mit dem dessen Werk beschäftigt und boten ein beeindruckendes Benefizkonzert. Von den Zuhörern, die aus der ganzen Region gekommen waren, bekamen sie sehr viel Beifall. Pfarrer Thomas Kraus freute sich, dass dieses Konzert in der Stadtpfarrkirche Kemnath stattfinden konnte.

Kinderlieder zum Auftakt

Um die Vielseitigkeit Koesslers aufzuzeigen, begannen sie mit den von ihm vertonten Kinderlieder "Die Mutter" und "Zum Schneider", die er zwei Jahre nach seiner Pensionierung (1908) schrieb. Die Suite für Violine und Klavier sowie die Allerseelen-Elegie haben Löw und Nickl für Orgel und Querflöte bearbeitet. Den Part der Oboe in der Allerseelen-Elegie spielte Nickl mit ihrer Querflöte.

Ganz im musikalischen Stil von Johannes Brahms, aber doch mit eigenständiger musikalischer Handschrift komponierte Koessler seine "Ungarischen Tanzweisen". Dessen Schüler Bela Bartok gilt als einer der herausragendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Als Mitbegründer der Musikethnologie sammelte er auf seinen Reisen durch Zentraleuropa viele Volkslieder, die er in seinen späteren Werken kompositorisch verarbeitete. Er wollte eine authentische ungarische Tonsprache entwickeln. Bei seinen sechs "Romanian Folk Dances for Flute" konnte Nickl ihr beachtliches Können eindrucksvoll unter Beweis stellen. Es war bewundernswert, mit welcher Sicherheit sie die verzwickten Rhythmen und Taktwechsel meisterte. Dabei kam auch die wunderbare warme Klangfülle ihres Instruments voll zur Geltung, das ein Instrumentenbauer eigens für sie angefertigt hat. Löw war ein einfühlsamer Begleiter.

"Pastorale" vom Cousin

Von Josef Rheinberger, Koesslers Lehrer für Orgel und Komposition an der Münchener Musikschule, hatten die beiden Künstler das stimmungsvolle "Hirtenlied" ("Andante pastorale") ausgewählt. Der in Brand geborene Komponist und Orgelvirtuose Max Reger war der 20 Jahre jüngere Cousin Koesslers. Von ihm erklang ihm zuerst seine "Pastorale" für Querflöte und Orgel. Dann interpretierte Löw seine "Fantasie über Te Deum", die Reger im Alter von erst 20 Jahren komponiert hat. Dabei kam dem Organisten beim Registrieren der Klangreichtum der Sandner-Orgel sehr zugute.

Mit "Drei Variationen über Guten Abend, gute Nacht" klang das Kirchenkonzert aus. Lukas Zintl führte gekonnt durch das Programm. Organisiert hat es sein Vater Leonhard Zintl. HuK-Vorsitzender Georg Wagner bekannte sich für die freiwilligen Spenden für den Verein.

Hintergrund:

Die beiden Musiker

Johanna Nickl erhielt den ersten Querflötenunterricht in der Musikschule in Weiden bei Sybille Wagner und Petra Bäumler-Lang. Seit 2916 unterrichtet sie Anke Trautmann in Altdorf bei Nürnberg. 2015 und 2018 erhielt sie Preise bei „Jugend musiziert“, 2016 ein Diplom in der Austrian-Master-Class bei Professor Francesca Canali. 2017 wurde ihr der Sonderpreis der Stadt Weiden verliehen. Nickl ist Mitglied der Jungen-Orchester-Akademie der Region Franken in Heilbronn. Regelmäßig spielt sie in Gottesdiensten.

Florian Löw erhielt am Max-Reger-Gymnasium in Amberg eine musikalische Ausbildung in Orgel, Klavier und Gesang. Orgellehrer war Regionalkantor Bernhard Müller. Nach dem Abitur machte er in Regensburg den D- und C-Kus ließ sich zum nebenamtlichen Kirchenmusiker ausbilden. Weiterführenden Orgelunterricht nahm er bei Ludwig Schmitt in Regensburg und bei Michel Rychlinski in Köln. Seit 2007 ist Löw Organist in der Pfarrer Plößberg und seit 2014 Leiter des dortigen Kirchenchores.

 
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