Es ist ein Meer von klangvollen Melodien: singende Vögel, klingende Maniküre-Sets, selbst spielende Klaviere und Polyphone. Seit 2015 lässt Anton Heindl, Sammler und Museumsleiter des Kemnather Musikeums, seine historischen Musikautomaten für die Besucher ertönen.
Schon Heindls Urgroßeltern waren begeisterte Sammler: Nach der Auflösung der Franziskanerklöster 1802 begann mit der Übernahme zahlreicher Gemälde die Sammlergeschichte des heutigen Musikeums. Zu den Familiensammlungen der Familien Wildenauer, Zeltmeisl und Heindl, die mehrere Häuser schmücken, gehören neben den Kunstwerk- auch Kutschen- und Oldtimersammlungen. Heindl wurde die Liebe zum Sammeln somit direkt in die Wiege gelegt.
Anfangs sammelte er allerdings nur im Privaten. Seine Wohnung, eine ehemalige Schreinerei, bot ihm durch ihre hohen Räume Platz für seine ersten Sammlerstücke. Den Anfang machte ein Polyphon mit Federaufzugswerk für Metallplatten, welches er mit 31 Jahren aus dem heute noch bestehenden Antiquitätengeschäft Weder in Bayreuth erwarb. Dieses habe er sogar "noch absparen müssen", sagt er schmunzelnd. Darauf folgte, nach einigen Jahren, ein weiteres Polyphon vom Weidener Flohmarkt, mit einer Platte von Kaiser Wilhelm II. selbst komponiert.
"Mit einem solchen Instrument haben die Invaliden aus dem Ersten Weltkrieg damals ihr Geld verdient", erklärt Heindl. Diese Sammlerstücke haben natürlich einen besonderen Wert für ihn, dennoch habe "jedes Teil seine eigene Geschichte", die es einzigartig mache. In seinem Musikeum sind Musikautomaten "aus der ganzen Welt" zu finden: Neben einem Klavier aus England, das über einen aufwendigen Transport seinen Weg nach Kemnath fand, gibt es unter anderem auch französische und amerikanische Sammlerstücke. Bei seinem jüngsten Erwerb handelt es sich um das Bandoneon "Tanzbär", welches von der Firma Zuleger in Leipzig für Papiernotenrollen erbaut wurde. Hierbei handelt es sich um eine frühe Ausführung aus dem Jahr 1907.
Wohl umfangreichste Sammlung in der Oberpfalz
In über 30 Jahren hat Heindl 250 Musikautomaten verschiedenster Ausführung gesammelt, 90 davon sind im Musikeum ausgestellt. Die Sammelpracht hat er vielen Dauerleihgaben und Schenkungen durch Museen, Besucher und Angehörige zu verdanken. Darunter fallen zahlreiche Orchestrien, Spieluhren, Drehorgeln sowie selbst spielende Klaviere. Außerdem: 1542 Papiernotenrollen, davon 121 Aeolian-Grand-Rollen. Diese speziellen Klaviere wurden nur in einer Stückzahl von 700 gefertigt. Damals war es in den adligeren Haushalten Englands üblich, im Besitz eines selbst spielenden Klaviers, einer sogenannten Pianola, zu sein. Aber hier ist noch nicht Schluss: In der Sammlung finden sich auch über 2195 Grammophonplatten, 295 Papp- und Metallplatten verschiedener Größen, sowie 74 Phonografenwalzen. "Damit handelt es sich um die wohl größte und umfangreichste Sammlung dieser Art in der Oberpfalz", sagt Heindl.
Und regelmäßig kommen neue Sammlerstücke dazu: über Kontakte, aus dem Internet, vom Flohmarkt. In seinem Musikeum schenkt Heindl den Schätzen einen Platz in seiner Sammlung. Für ihn steht deren ideeller Wert klar im Vordergrund. Er interessiert sich sehr für die Geschichte hinter den Sammlerstücken und stellt zu jedem seiner Neulinge Nachforschungen an. Diese können im Museum auf kleinen Schautafeln nachgelesen werden.
Kind für einen kurzen Moment
Dass Teile seiner Sammlung nun seit 2015 öffentlich zugänglich sind, ist Max Bonnet zu verdanken. Jener hatte dafür plädiert, die Kunstwerke nicht zu verstecken. "Bonnet hat alle Hebel in Bewegung gesetzt", erzählt der Sammler Heindl. Diese Bemühung und den Einsatz werde er ihm "nie vergessen", sagt er, denn ohne das Musikeum hätte Heindl aus platztechnischen Gründen mit dem Sammeln aufhören müssen. Er blicke gern auf die Anfänge des Musikeums zurück und will diese "schöne Zeit nicht vermissen".
Der Name "Musikeum" soll die Begriffe "Musik" und "Museum" in einem Wort vereinen und damit die musikalische Ausstellung spiegeln: Besucher können die Ausstellungsstücke nicht nur sehen, sondern auch hören. Es ermögliche ein "Erleben mit allen Sinnen" und sei besonders für die ältere Generation eine "Reise in die Kindheit", berichtet der Sammler. Sätze wie "Das hatten wir damals auch", hört Heindl nicht selten, und gerade das macht ihn stolz. Er möchte die Erinnerungen wieder aufleben und die Besucher zumindest für einen kurzen Moment wieder Kind sein lassen. Sein Leitsatz: "Wenn ich was mache, dann g'scheid" brachte ihn und sein Musikeum bereits in die Top 10 der vergleichbaren Museen in der Oberpfalz.
Doch der Rentner "stößt langsam an seine Grenzen". Er repariert, so gut es ihm möglich ist, alles selbst, doch mit zunehmendem Alter ist das nicht mehr stemmbar, sagt er. Seine Enkel greifen ihm zwar tatkräftig unter die Arme, dennoch sucht er dringend Unterstützung und würde sich über junge, technikbegeisterte Bewerber und Bewerberinnen freuen. Auch die Vorführung der Musikinstrumente gehört zum Alltag des Museumsleiters, sagt er.
Leider sind es "nicht mehr viele, die mitmachen", bedauert Heindl. Obwohl der 65-Jährige sich in seinen Jahren als Museumsleiter für die Nachwuchsarbeit im Musikeum eingesetzt hat und ein "breites Spektrum an Leuten einbinden möchte", fehlt es an Ehrenamtlichen und Interessenten für seine Arbeit. Das Sammeln aber, sagt er, findet vorerst kein Ende. Denn: "Sammler sind schließlich glückliche Menschen."
Alles auf einen Blick
- Das Musikeum gibt es seit 2015
- Die Ausstellung umfasst 250 historische Musikautomaten
- In der Oberpfalz ist sie damit die wohl größte und umfangreichste Sammlung dieser Art
- Öffnungszeiten: jeden Sonntag 14 bis 16 Uhr; 1. Sonntag im Monat 10 bis 12 Uhr zusätzlich
- Führungen in Gruppen ab 4 Leuten
- Eintrittspreis: gegen freiwillige Spende
- Trautenbergerstraße 26, 95478 Kemnath
- Kontakt Anton Heindl unter Telefon 09642/8481 oder Handy 0151/55720409
- E-Mail: heindl-anton[at]t-online[dot]de
- Unterstützer: "Heimatkundlicher Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung e.V." und die Stadt Kemnath.


















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