05.05.2020 - 15:32 Uhr
KemnathOberpfalz

Wirte im Landkreis Tirschenreuth atmen auf

Geschlossene Gaststätten, verwaiste Biergärten und Sonnenterrassen - die gastronomischen Betriebe haben es in der Coronakrise nicht leicht. Viele von ihnen halten sich durch Abholangebote über Wasser.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Nun gibt es Licht am Ende des Tunnels. Das bayerische Kabinett hat eine schrittweise Öffnung beschlossen. Ab Montag, 18. Mai, soll bis 20 Uhr Außengastronomie erlaubt sein. Speiselokale sollen eine Woche später unter strengen Auflagen öffnen. Rechtzeitig zu den Pfingstferien sollen ab Samstag, 30. Mai, auch Hotels wieder Gäste aufnehmen dürfen. Die Wirte im Landkreis Tirschenreuth nehmen diese Beschlüsse mit Erleichterung zur Kenntnis. "Wir haben uns natürlich schon gefragt, was wir jetzt machen", erzählt Stefanie Schrembs, Juniorchefin des Gasthofs Goldener Engel in Waldeck. Die Gaststättenschließungen seien für Gastwirte eine enorme Herausforderung. Ein Abholservice habe sich dann schnell als probates Mittel herauskristallisiert, den gibt es jeden Abend mit Ausnahme von Mittwoch. Darüber hinaus gibt es Sonntagmittag ein großes Bratenangebot. "Im Schnitt sind es 250 Essen pro Woche, die wir ausgeben", sagt die 33-Jährige. Mittlerweile habe sich das alles sehr gut eingespielt, ihr großer Dank gilt den Waldeckern, die etwa zwei Drittel der Laufkundschaft ausmachen. Insgesamt betrachtet gehe freilich schon weniger Essen über den Tresen, die Getränke fallen ganz weg: "Und dass es aktuell weder Geburtstage, Hochzeiten noch andere Familienfeiern gibt, merken wir natürlich schon." Dessen ungeachtet nutzt Familie Schrembs die "Zwangspause" auch für Renovierungsarbeiten in der Gaststätte. Die Juniorchefin freut sich nun auf die bald mögliche "Biergarten-Saison".

Disziplinierter Ablauf

Für Abhol-Mittagessen am Sonntag sorgt die Gaststätte "Zur Fantasie" in Kemnath. "Im Schnitt sind es etwa 50 Essen pro Woche, die wir vorbereiten", berichtet Juniorchef Martin Sertl. Damit fahre man freilich nicht den Umsatz der "normalen" Zeiten. "Aber es geht ja auch darum, in der Krise Präsenz zu zeigen", erklärt Sertl. Er selber sei sehr überrascht gewesen, wie diszipliniert die Essensabholung von Beginn an ablaufe. Gerade der nahende Sommer führe bei ihm auch zu Überlegungen, das Angebot zu erweitern - "beispielsweise könnten das am Freitag- und Samstagabend besondere Spezialitätenabende sein." Die ruhige Zeit hat Familie Sertl gut genutzt: Das Pflaster der Seeterrasse wurde erneuert.

Den Sonntagsbraten und noch einiges mehr können sich die Gäste auch in der Kaibitzer Schloßschänke bei Familie Eibisch abholen: Pro Sonntag sind es im Schnitt 50 Essen, die an den Mann und die Frau kommen. "Ich bin wirklich überwältigt und sehr dankbar, dass das Angebot so gut angenommen wird", sagt Martina Eibisch. Natürlich sei das alles deutlich weniger als sonst, aber angesichts der Einschränkungen müsse man damit zufrieden sein. Da in der Schloßschänke mit dem Rittersaal in besonderem Maße auch Geburtstage und weitere große Familienfeiern in "normalen" Zeiten über die Bühne gehen, merke man den Unterschied aktuell schon deutlich. "Ich werde mich künftig wohl auch etwas anders aufstellen", sagt Eibisch mit Blick auf die baldigen gastronomischen Lockerungen. Gerade das Potenzial, das der große Biergarten biete, will die Familie intensiver nutzen.

Viele Stammgäste

Mittagessen zum Abholen wird an den Sonntagen auch im Gasthof Roter Ochse in Falkenberg angeboten. "Etwa 100 Essen sind es im Schnitt", berichtet Martina Ducheck, Schwester des Chefs Thomas Prockl und unter anderem für die Service-Koordination in der Gaststätte verantwortlich. Viele Stammgäste unterstützen den Betrieb, allerdings gebe es auch zahlreiche Personen, die bisher noch keine Gäste waren, sich nun aber regelmäßig Essen abholen.

Busgesellschaften fehlen

Besonders betroffen ist das Wirtshaus davon, dass in den nächsten Wochen und Monaten keine Busgesellschaften den Weg nach Falkenberg finden werden. Wenn die gastronomischen Beschränkungen gelockert werden, so Ducheck, gelte es natürlich, die hygienischen Vorschriften einzuhalten. "Besonders wichtig ist es, dabei auch an den Schutz des Service-Personals zu denken, das den direkten Kontakt zu den Gästen hat."

Auch in Waldsassen muss man nicht auf den Sonntagsbraten verzichten, den es beispielsweise im Gasthof Prinzregent Luitpold zum Mitnehmen gibt. "Im Schnitt sind es etwa 80 Essen, die abgeholt werden", erzählt Chefin Eva-Maria Urbanek. Das sei ok, aber natürlich weniger als 50 Prozent von dem, was in "normalen" Zeiten serviert werde. Umso mehr freue man sich, dass es viele treue Gäste gebe, die den Betrieb so unterstützen. Über die angekündigten Lockerungen sei sie sehr froh. "Jetzt müssen wir schauen, wie wir das umsetzen", sagt Urbanek. Dass es mit dem Biergartenbetrieb nun losgehe, sei ein sinnvoller erster Schritt.

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