24.06.2018 - 17:31 Uhr
KemnathOberpfalz

Wohnen hinter alten Mauern in modernem Haus

Scheunen sind prägendes „regionales Gut“ der Oberpfalz. Viele stehen heute vor dem Verfall, werden abgerissen oder unpassend an moderne Baustile angepasst. In Kemnath wurde durch den Umbau zweier Scheunen barrierefreier Wohnraum geschaffen.

Rund 60 Interessierte hörten den Rednern bei der Besichtigung um das Haus in der Schulstraße 38 zu.
von Michael DenzProfil

Kemnath. 1996 hatte Doktor Fritz Deinlein die beiden Scheunen nahe seines Wohnhauses in der Schulstraße in Kemnath angekauft. Viele Jahre wurden diese als Lagerraum genutzt. Den Zustand der beiden Scheunen wollte man aber auf Dauer nicht belassen. Rund zwei Jahrzehnte später machten sich mehrere Überlegungen breit. Die Varianten, die Scheunen abzureißen oder trocken zu legen, neu zu verputzen und neue Fenster einzusetzen, scheideten aus.

Wie Doktor Peter Deinlein bei den Architektouren erläuterte, so gab es vor über fünf Jahren erste Gespräche mit Architekt Karlheinz Beer aus Weiden. Seine Variante, die Scheune zu erhalten und ein Gebäude darin zu bauen, wurde schließlich verfolgt. Wie Beer erklärte, wurden die beiden Scheunen in einem Urzustand vorgefunden. Nachdem man ein mögliches Raumnutzungsprogramm entwickelte, stand „barrierefreies Wohnen“ anauf dem Präsentierteller.

Die Idee, eine erdgeschossige Wohnfläche in die Scheunen zu integrieren und alle „vorhandenen Qualitäten“ dieser Scheunen zu nutzen, ging voll und ganz auf. Wie der Architekt aus Weiden bei der öffentlichen Besichtigung am vergangenen Samstag in Kemnath informierte, gab es immer wieder „bauphysikalische Probleme“, die er jedoch nicht als solche, sondern als „Themen“ sah, . Zu den statischen „Themen“ wie der aufwendige Dachstuhl, den die Zimmerer schnell in Griff bekamen. Ein tragendes Fundament im Inneren der Scheune wurde geschaffen, auf dem nun das Wohngebäude steht.

Durch den im Abstand zu den alten Scheunenmauern errichteten Neubau des Wohnhauses in kompletter Holzbauweise entstanden nutzbare Loggias im Zugangsbereich des Gebäudes zur Straßenseite, die zugleich als Witterungsschutz dienen sowie als Aufenthaltsbereich zur Gartenseite. Das alte Mauerwerk wurde lediglich ausgebessert und Festigungen der vorhandene Steine verfestigt. Das übernahm ein Handwerker aus der Region: Georg Doreth aus Neustadt am Kulm, der selbst bei der Besichtigung anwesend war, erläuterte die ausgeführten Arbeiten. Das Projekt, der Neubau eines Wohnhauses in historische Scheunen, wurde von der Bayerischen Architektenkammer für die „Architektouren 2018“ ausgewählt.

Die schwarze Schiefereindeckung des Daches wurde wiederhergestellt, was ein Wunsch des Bauherrn und Architekten war. Die „oberpfälzische Geschichte“ bleibe somit weiterhin erlebbar. Das Hauptdach des Komplexes bildet die Eindeckung der Scheune, in der auch Glasplatten für den Lichteinfall integriert wurden. Die rund 50 bis 60 Zentimeter starke Natursteinmauer sorge zudem für ein gutes Raumklima, in Verbindung mit der Holzbauweise des in das Gemäuer integrierten Wohnhauses in Flachdachausführung, das mit Holzwolle gedämmt ist und selbst eine Wandstärke von rund 35 Zentimetern aufweist.

Wie Architekt Beer ausführte, so gilt es „nicht die Perfektion anzustreben, sondern aus dem vorhandenen Gemäuer und den Gedanken die Perfektion verwirklichen zu lassen“. Die in kompletter Holzbauweise errichteten Anbauten wurden an das Umfeld angepasst. So entstanden eine überdachte Terrasse, Lagerraum und ein Fahrzeugstellplatz in zur Straße angrenzenden Gartenbereich.

Auf die Heizungsanlage ging Bauherr Deinlein ein. Er hatte das Gebäude so für seine Eltern bauen lassen, bezog nun das vorherige elterliche mehrstöckige Wohnanwesen am Ende der Straße mit seiner Familie. Eine moderne und umweltbewusste Heiztechnik spiele laut Deinlein eine große Rolle in der heutigen Zeit. Die Wahl fiel auf die Wärmepumpentechnik mit einem Eisspeicher, welcher rund 10 000 Liter fasst. Dieser wurde wie eine Art Zisterne in den Garten eingebaut. So sind die Kollektoren zur Wärmegewinnung nicht über das gesamte Grundstück verlegt, sondern lediglich rund 400 Meter Kollektorenschläuche in dem Behälter.

Als „energetisch günstig“ betitelte Deinlein die Heizungsanlage. Über Fußbodenheizung werden die Räume auf Temperatur gehalten. Das Gemäuer speichere viel „äußere Energie“. Lediglich im Wohn- und Essbereich wird in kalten Zeiten ein Grundofen mit Holz betrieben. Die Stromkosten für die Wärmepumpe führte Peter Deinlein mit rund 1000 Euro Kosten pro Jahr als eigentliche Heizkosten für die Wohnfläche von rund 115 Quadratmetern an.

Rund 60 Interessierte lockte die Besichtigung an. Auch stellten diese vereinzelt Fragen zu unterschiedlichen Themen. Laut Beer sei diese Sanierungs- und Baumaßnahme im Vergleich rund 10 bis 15 Prozent teurer als ein „vergleichbarer Neubau“. Das Endergebnis dieses Projekts habe jedoch einen besonderen Charme. Die Scheunen standen laut dem Redner nicht unter Denkmalschutz. Unter dem Projektnamen „Umbau zweier Scheunen zu einem Wohnhaus“ gab es städtebauliche Förderungen, bedingt durch den Erhalt der Altmauern.







Architekt Karlheinz Beer (links) mit Doktor Peter Deinlein (rechts) und Steinmetz Georg Doreth (Mitte).
Der Eingangsbereich von der Schulstraße aus ist durch die Loggia vor der Witterung geschützt, wie auch das Wohnhaus.
Erstaunlich, welches Flair die Loggia zwischen dem alten Gemäuer und dem neuen Wohnhaus bietet.
Die Anbauten in Holzbauweise an die Gemäuer der beiden Scheunen werden besonders vom Blick aus dem Garten auf das Anwesen deutlich.
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